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Medien & TV Was bleibt, ist Resignation
Nachrichten Medien & TV Was bleibt, ist Resignation
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00:15 13.05.2014
Wird selbst zum Opfer: Kommissar Ballauf wird Zeuge eines brutalen Übergriffs in der U-Bahn. Sein Versuch einzugreifen endet mit blutiger Nase auf den Schienen. Quelle: WDR/Martin Menke
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Am Schluss – der Abspann läuft bereits – schlägt Ohnmacht endgültig und blutig in Gewalt um. In einer kurzen beklemmenden Szene, die beim Zuschauer lange nachwirkt. Und die wohl auch Anlass sein wird für manch aufgeregte Diskussion über einen „Tatort“, der ungemein viele Fragen aufwirft, aber keine billigen Antworten oder Erklärungen liefert und der gerade deswegen so unbequem, sperrig und ehrlich ist. Dabei ist die Geschichte keineswegs neu, beispielsweise erinnert die Ausgangssituation stark an den Berliner „Tatort: Gegen den Kopf“, der erst vor einem Jahr ebenfalls einen Totschlag in einer U-Bahn thematisiert hatte.

In dem jetzt gesendeten Kölner Fall „Ohnmacht“ wird am späten Abend ein Jugendlicher in einer U-Bahn-Station von anderen Heranwachsenden grundlos zusammengeschlagen. Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), der nach einem Feierabendbier mit seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) an Gebhards bekannter heimeliger Imbissbude (ja, sie ist nach zweimaliger „Tatort“-Abstinenz wieder da!) zufällig Zeuge dieses Vorfalls wird, mischt sich sofort ein. Daraufhin wird er ebenfalls angegriffen und schließlich auf die Gleise vor einen gerade heranrollenden Zug gestoßen. Während sich Ballauf wie durch ein Wunder im letzten Moment leicht lädiert retten kann, ergreifen die Schläger erfolgreich die Flucht.

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Tatort

Tatort: Ohnmacht“ | ARD
Krimi aus Köln mit
Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär
Sonntag, 20.15 Uhr

Dennoch werden die Haupttäter bereits am Tag darauf ermittelt. Es sind der erst 17-jährige Kai Göhden (Robert Alexander Baer), der wegen diverser Delikte für die Polizei kein Unbekannter ist, und die gleichaltrige Janine Bertram (Nadine Kösters). Beides Kinder aus gutem Haus, die die Schuld clever auf ihr Opfer schieben. So erklärt Janine, dass der junge Mann sie sexuell belästigt habe. Auch Ballauf wird von den beiden später beschuldigt, sich bei dem Vorfall wie ein betrunkener Schläger aufgeführt zu haben. Die Verteidigungsstrategie zeigt Wirkung auf die ermittelnden Behörden.

Doch nicht die eigentliche Tätersuche ist das Spannende an dem Fall, sondern die zahlreichen kleinen und überraschenden Wendungen, die die Geschichte nimmt. Dabei kommen immer neue Aspekte ins Spiel, die anschließend von den ermittelnden Beamten mühsam auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden müssen. Doch neben dieser normalen „Tatort“-Arbeit hat der von Thomas Jauch nach einem Drehbuch von Andreas Knaup inszenierte Film noch eine ganz besondere Qualität: Er beschreibt das System der Ohnmacht, die unglaubliche Hilflosigkeit aller Betroffenen und der mit dem Übergriff befassten Institutionen. Weder Eltern noch Polizei oder Justiz wissen, wie sie auf einen Fall reagieren sollen, in denen Jugendliche aus reinem Spaß an der Gewalt handeln, ja, letztlich sogar zu Totschlägern werden.  Gängige Motive für eine solch brutale Tat lassen sich auf die Täter scheinbar nicht anwenden. Was den Betroffenen bleibt, ist pure Resignation.

Bei aller Schwere gibt es zum Glück eine heitere Personalie: Das Assistenten-Casting beim Kölner „Tatort“ geht weiter. Nachdem zuletzt Patrick Abozen den Aushilfs-Assi gespielt hat, ist nun in gleicher Position Lucie Heinze, geboren in Oschatz, als Miriam Häslich zu sehen, die für frischen Wind in diesem eingespielten Team sorgt.

Von Ernst Corinth