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Medien & TV „Kommissar LaBréa“: Ein Held wie von gestern
Nachrichten Medien & TV „Kommissar LaBréa“: Ein Held wie von gestern
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20:04 05.03.2009
Francis Fulton-Smith als Kommissar Maurice LaBréa und Valerie Niehaus als Celine Charpentier Quelle: Martin Menke/ddp
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In Zeiten wie diesen haben es echte Kerle schwer. Der Kulturbetrieb sucht metrosexuelle Protagonisten, allerorten ist Androgynität gefragt, Frauen sind auf dem Vormarsch. Eigentlich dürfte es keine leichte Phase für Francis Fulton-Smith sein. Schließlich ist der Schauspieler ein Prototyp maskuliner Beharrlichkeit im Showbiz: Lederjacke, 36-Stunden-Bart – ein Mannsbild wie aus dem gestrigen Silberwald. Francis Fulton-Smith – so heißt er wirklich! – ist dennoch dick im Geschäft.

Offenbar gibt es weiter Bedarf nach Helden alter Schule. Und da auch die Nachfrage nach Krimiserien ungebrochen ist, darf „FFS“, das bayerische Kraftpaket mit britischem Pass, ab heute als „Kommissar LaBréa“ auf Verbrecherjagd gehen. Und der französische Flic mit Stahl im Blick haut alles um: die Nachbarin (Valerie Niehaus), sein Team (Chiara Schoras, Bruno Bruni) und am Ende auch den Täter.

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Das ist dramaturgisch hanebüchen, aber um Güte geht es weder teamWorx noch der ARD Degeto. Die Produktionsfirma und ihr Auftraggeber präsentieren die üblichen Versatzstücke: alleinerziehender Witwer, zarte Romanze, buntes Ermittlerteam (Boss mit Intuition, Freak mit Herz, Weib mit Hirn), niedlicher Hund, süße Tochter und sämtliche Klischees vom touristisch verwertbaren Drehplatz (Paris). Die Mischung aus Urlaubsziel und Tatort funktioniert nun mal bestens, und das Erste ist dafür von Venedig („Donna Leon“) über die Türkei („Istanbul sehen und sterben“) bis Triest („Commissario Laurenti“) unablässig auf Reisen.

Doch so fad die neue Serie auch schmeckt – Francis Fulton-Smith, das Kraftpaket von 43 Jahren, ist keineswegs die schlechteste Wahl. Denn vielen Fernsehzuschauern reicht nette Unterhaltung mit leichtem Schauder – und Francis Fulton-Smith, das Heimatfilmrelikt. Nicht umsonst ist in seiner Paraderolle („Dr. Kleist“) die Filmsippe nach seinem Filmberuf benannt („Familie Dr. Kleist“). Da fühlen sich viele in Zeiten zurückversetzt, als man Gattinnen noch mit Frau Kommerzienrat anreden durfte.

Seit seiner Schauspielausbildung an der Münchener Otto-Falckenberg-Schule ist Fulton-Smith auf Beziehungsrollen abonniert. Seine Filme tragen oft „Liebe“, „Glück“ oder „Gefühl“ im Titel. Gern spielt er mit Christine Neubauer an seiner Seite. Aus dieser Kitschfalle, so Fulton-Smith, soll ihm die Romanreihenverfilmung „LaBréa“ helfen. Ausgerechnet. „Ich kann ja nicht immer der freundliche Arzt aus Eisenach sein“, sagt er und fügt hinzu: „Bei Dr. Kleist hat eben immer die Sonne zu scheinen.“

Aber was soll’s – „mir geht’s blendend“, sagt er gut gelaunt und brüllt über die voll besetzte Tafel der Pressepremiere „Es ist angerichtet“ hinweg, als niemand sonst die Gabel erhebt. So ist er eben: geradlinig, ein Machertyp, im Film wie privat. Daran gibt es wenig zu kritisieren, das Publikum sucht Darsteller wie ihn in Filmen wie diesem. Doch die Produktionsfirma teamWorx ist bislang mit vielen ihrer Serien baden gegangen – auch bei dem arg klischeebeladenen „Kommissar LaBréa“ muss man sich Sorgen um die Quote machen. Ein Gefühl, das „FFS“ unbekannt sein dürfte.

von Jan Freitag