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Medien & TV Kommissarin Johanna Herz verabschiedet sich vom „Polizeiruf 110“
Nachrichten Medien & TV Kommissarin Johanna Herz verabschiedet sich vom „Polizeiruf 110“
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19:22 04.11.2010
Von Stefan Stosch
Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) bleibt, seine langjährige Kollegin und Chefin, Hauptkommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge), geht.
Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) bleibt, seine langjährige Kollegin und Chefin, Hauptkommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge), geht. Quelle: ARD
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Die Polizeipsychologin räumt gleich zu Beginn dieses Krimis ihre Bürosachen in einen Pappkarton. Sie hat genug von Polizisten, die behaupten, dass ihnen nichts fehle und die sie dann doch therapieren müsse, erklärt sie der verdutzten Besucherin. Johanna Herz (Imogen Kogge) vernimmt’s, setzt sich vor den Schreibtisch der Psychologin und sagt, eigentlich fehle ihr nichts. Da müssen beide lächeln.

Dabei geht es Herz schlecht. Da sind diese Weinattacken, die sie wie ein Hustenreiz überfallen, einfach so. Doch noch bevor die beiden den Ursachen nachspüren können, klingelt das Handy von Hauptkommissarin Herz. Eine anonyme Anruferin behauptet, eine Polizeischülerin sei ermordet, die Leiche in einen Kanal geworfen worden.

Da ist die Therapiestunde schon wieder beendet. Ein letztes Mal stellt die so sanft erscheinende Ermittlerin Herz, die doch so resolut ihren Job tut, ihre Selbstdisziplin unter Beweis und macht sich mit Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) an die Arbeit. Am Ende wird auch Herz ihren Bürokram in einen Pappkarton verfrachten: Dies ist ihr letzter Fall im „Polizeiruf 110“.

Zunächst einmal findet Herz keine Leiche. Die Polizeischülerin Christine Teichow (Katharina Schüttler) ist verschwunden. In der Polizeischule Oranienburg will niemand etwas über sie wissen. Auch nicht Ausbilder Martin Becker (Jochen Horst), der Teichow näher steht als einer Ausbildung dienlich ist.

Ein angenehm unspektakulärer Abschied ist dieser Fall für eine altgediente Kommissarin. Ganz entspannt sind Regisseur Ed Herzog und die aus Hannover stammende Drehbuchautorin Annette Hess (zuständig auch für den ARD-Sechsteiler „Weißensee“) bei der Sache. Allerdings: Herz verdrängt ihre privaten Probleme. So ist das ja oft bei Leuten, die durch Burn-Out gefährdet sind: Sie funktionieren, bis sie zusammenklappen. Oder bis sie einen Schlussstrich ziehen.

Besonders aufregend ist die Mördersuche allerdings nicht. Bald ist klar, dass die Polizisten es mit einer gestörten Persönlichkeit zu tun haben. Katharina Schüttler meistert diese innere Zerrissenheit glänzend. Und bald ist nicht mehr klar, ob Teichow nun eher auf der Opfer- oder auf der Täterseite einsortiert werden muss. Teichow ist die „Fremde im Spiegel“, wie dieser Krimi betitelt ist. Auch für sich selbst.

Mit dem gesunden Menschenverstand eines Horst Krause und der Unbeirrbarkeit einer Johanna Herz sind die Rätsel dieses Falls jedoch zu knacken. Die beiden kennen die Stärken des jeweils anderen. Doch mit der Teamarbeit ist es vorbei: Horst Krause wird künftig ohne die Kollegen auskommen müssen. Schauspielerin Kogge – seit beinahe zehn Jahren für den „Polizeiruf“ tätig – will beruflich neue Wege gehen. Es gebe nichts Neues mehr über ihre Figur zu erzählen, sagt sie. Im nächsten „Polizeiruf“ wird Maria Simon („Good Bye, Lenin!“) als Herz’ Nachfolgerin den Dienst antreten.

Das ist wahrscheinlich gut so: Am Ende unterläuft der erschöpften Hauptkommissarin ein Anfängerfehler mit tragischen Folgen. Und dann steht auch Johanna Herz mit einem Pappk arton vor dem Polizeigebäude. Krause salutiert vor der Kollegin. Der Mann hat zwar eine viel zu enge Dienstjacke, aber trotzdem Stil.

ARD-Sonntagskrimi, Sonntag, 7. November, um 20.15 Uhr