Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Schnöselalarm am Bodensee
Nachrichten Medien & TV Schnöselalarm am Bodensee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 21.01.2014
Wenn Snobs feiern: Marcus Pracht (Torben Liebecht) und Nadine (Alexandra Finder) lassen es so ein bisschen krachen. Quelle: ARD
Anzeige

Fast immer, wenn ein deutscher TV-Krimi sich reiche Nichtsnutze kritisch vorknöpft, bleibt uns Zuschauern kein Klischee erspart. Selbst das Mordopfer im Konstanzer „Tatort: Todesspiel“ ist ein so unangenehmer Zeitgenosse, dass man sogar – natürlich nur klammheimlich – Sympathie für den Täter empfindet. Oder noch schlimmer: spontan vor der Glotze zum Klassenkämpfer wird, der vom Sofa aus die bedingungslose Enteignung solcher Millionärssprösslinge fordert.

Erwischt hat es in dem von Jürgen Bretzinger inszenierten Film (Drehbuch: Leo P. Ard) den steinreichen Benjamin Wolters (Michael Pink), den „letzten Playboy von Konstanz“, der morgens tot von seiner Putzfrau in seinem Schloss aufgefunden wird. Wie sich herausstellt, führte er ein recht bizarres Leben. Er feierte gern rauschende Feste mit seiner schnöseligen Clique, mochte harten SM-Sex und demütigte gern seine Mitmenschen mit zynischen Spielchen.

Anzeige

Bei ihren Ermittlungen konzentriert sich die diesmal ziemlich bräsig agierende Konstanzer Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) auf Benjamins Freundeskreis. Und auch diese Typen sind im Film zum Erbarmen dekadent angelegt. Allen voran der schmierig skrupellose Hedgefondsmanager Marcus (Torben Liebrecht), der kurz vor der Pleite steht. Außerdem dabei: die verhuschte Boutiquen-Besitzerin Nadine (Alexandra Finder), die Benjamin gerade kühl abserviert hat, der schnell verglühte und ziemlich tumbe Castingstar Daniel (Daniel Roesner), der finanziell von ihm abhängig ist, und Benjamins neue schöne Geliebte Alisa (Anna Bederke), die komischerweise nicht „irgendwas mit Medien“ macht, sondern in einem Berliner Architekturbüro gearbeitet hat.

Jeder aus diesem Kreis hat wenigstens ein Mordmotiv. Was allerdings beim Zuschauen kaum für Spannung sorgt, weil diese Figuren einem ziemlich egal sind. Und die schier endlosen Befragungen dieser Verdächtigen führen auch nicht so recht weiter, erlauben allerdings dem Zuschauer einen kleinen, wenn auch unerwünschten Einblick in das öde Leben dieser dumpfbackigen Schönen und Reichen vom Bodensee.

Außerdem gelingt es Blums Kollege Kai Perlmann (Sebastian Bezzel), sich undercovermäßig in diese Clique einzuschleichen. Was erstaunlich einfach ist, jedoch zu horrend hohen Spesen führt. Und während einem beim Zuschauen angesichts des mangelnden Tempos, des fehlenden Witzes und angesichts von Dialogen, die auf tiefstem „Derrick“-Niveau dahindümpeln, immer öfter die Augen zufallen, ist Klara Blum mit ihrem Latein bald ziemlich am Ende in diesem Film, der mit „Todesspiel“ verwirrenderweise denselben Titel trägt wie Heinrich Breloers RAF-Dokudrama. Doch dann schlägt plötzlich ein Geistesblitz bei ihr ein, und in Nullkommanix zaubert sie den Täter aus dem Hut. Dann ist endlich Schluss mit langweilig.

Von Ernst Corinth

Medien & TV RTL-Dschungelcamp gestartet - Lass die Qual beginnen!
21.01.2014
Tatjana Riegler 20.01.2014
Medien & TV Google entwickelt Kontaktliste für Diabetiker - Das Auge denkt mit
17.01.2014