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Medien & TV Kopierschutz für Musik am Ende
Nachrichten Medien & TV Kopierschutz für Musik am Ende
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17:52 12.01.2009
Immer mehr Dienste im Internet bieten Musik künftig ohne Kopierschutz an. Quelle: Andreas Gebhard/ddp
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Apple hat in der Nacht zu Mittwoch eine weitreichende Nachricht veröffentlicht: Zunächst acht Millionen und bis Ende des Jahres insgesamt zehn Millionen Musiktitel in der Online-Verkaufsplattform iTunes werden künftig „ohne DRM“ angeboten. Das heißt: Das „digitale Rechte-Management“ (DRM) und damit der digitale Kopierschutz für die Musiktitel sind Vergangenheit.

Unmittelbar nach der Ankündigung von Apple zog am gestrigen Mittwoch der größte Konkurrent Apples in Deutschland, Musicload, nach: Die Tochterfirma der Deutschen Telekom kündigte an, vom 1. April an mehr als 95 Prozent ihrer Lieder ohne Beschränkungen anzubieten. Musicload und iTunes sind Marktführer in Deutschland.

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Bisher war es bei beiden Diensten durch Verschlüsselungstechniken erschwert, die online gekauften Musik weiterzuverbreiten, etwa wenn man Teile seiner gekaufte Musik neu zusammenstellen und auf einen anderen Musikabspieler übertragen wollte, um daraus ein Geschenk für einen Freund zu machen. Künftig ist solche Weiterverbreitung wesentlich leichter – beispielsweise auch, um Musik für eine CD im Auto zusammenzustellen. Oder für jede andere private Musiksammlung. DRM hieß bislang zum Beispiel, dass die Zahl der Brennvorgänge neuer CDs begrenzt und das Kopieren auf weitere Rechner und Abspielgeräte unterbunden wurde.

Apple setzt damit einen weiteren Meilenstein in einem weltweiten Trend: Kopierschutz für Musik verschwindet. „Wir haben die vier großen Musikverlage an Bord, dazu noch viele Independents“, sagte Apple-Marketingchef Phil Schiller. Bei Apple wird die Musik teilweise billiger: Von April an gibt es einzelne Titel bereits für 69 Cent, wie Apple zur Eröffnung der Fachmesse MacWorld in San Francisco mitteilte. Daneben gebe es künftig zwei weitere Preisgruppen von 0,99 Dollar und 1,29 Dollar.

Die Preisgruppen in Euro sind trotz des höheren Werts der europäischen Gemeinschaftswährung genauso hoch wie die Dollar-Staffelung. Bisher kostete ein Song bei iTunes in der Regel 0,99 Euro. Den genauen Preis für die Lieder können künftig die Musikfirmen entscheiden. Dies gilt als Zugeständnis an die Musikproduzenten für deren Zustimmung zur Abschaffung des Kopierschutzes. Alben sollen weiter für 9,99 Euro zu haben sein.

Für 30 Euro-Cent pro Song können die Nutzer des iTunes-Angebots ihre bereits früher heruntergeladenen Songs auf den neuen kopierschutzfreien Standard umwandeln lassen. Dieser neue Standard bietet laut Apple auch eine bessere Klangqualität.

Zu erwarten ist nun, dass mehr Nutzer bereit sein werden, für „ihre“ Musik zu bezahlen. Die Entscheidungen von Apple, Musicload und den Musikverlagen setzen einen Trend fort, der sich mit dem Aufkommen neuer Radiostationen im Internet schon abzeichnete. Dabei verliert die einzelne, bisher streng bewachte Musikdatei an Bedeutung.

Zahlreiche neue Internet-Dienste setzen darauf, das gemeinsame Musikerlebnis in Szene zu setzen.

Wer sich für einen einzelnen Titel interessiert, kann ihn neuerdings viel leichter als bisher über diverse Webseiten anhören. Einzige Voraussetzung: ein Online-Anschluss. Dienste wie blip.fm, last.fm, deezer.com, radio.de und roccatune begründen dafür Live-Abspielstationen im Internet. Wie neue Radiosender übertragen sie die Musik personalisiert. Man meldet sich einmalig und kostenlos an, anschließend steht einem eine teils riesige Auswahl an Musiktiteln abspielbereit zur Verfügung. Nutzt man die Dienste sehr intensiv, wird teilweise eine monatliche Pauschale fällig.

Die monatliche Abopauschale ist auch das Geschäftsmodell eines neuen Dienstes namens Spotify: Für 10 US-Dollar bekommt man dort nahezu unbegrenzt Musikabspielmöglichkeiten. Gestaltet ist die Software wie iTunes.

von Marcus Schwarze

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