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Medien & TV „Krauses Hoffnung“: Kitschfilm mit ein bisschen Punk
Nachrichten Medien & TV „Krauses Hoffnung“: Kitschfilm mit ein bisschen Punk
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06:00 01.02.2019
Nur oberflächlich ein Idyll: Timo (Cai Cohrs) hilft Krause (Horst Krause) bei den Pferden. Quelle: Foto: Arnim Thomaß/rbb
Berlin

Krause reist mit seinen beiden Schwestern in die alte Heimat, von Brandenburg nach Pommern. Für einen Heimatfilm im puppenstubenhaften Sinn jedoch wirkt „Krauses Hoffnung“ viel zu turbulent, zu bunt, zu grimmig. Und, weil Krause gern Motorrad mit Beiwagen fährt, auch zu lebensgefährlich.

Bei Polizeihauptmeister Krause (gespielt von Horst Krause) ist man sich nie sicher, ob er unter dem Motorradhelm die neongrünen Haare eines Punks versteckt. Eines Dorfpunks. Sein Lebensumfeld ist umgeben von schmalen Alleen, die für Pferdekutschen gebaut wurden, er ist zu Hause zwischen Höfen, Tieren und Menschen, deren Blick nicht vom Bildschirm der Computer getrübt ist. Krauses Welt ist ein Idyll mit Rissen. Er kittet sie hemdsärmelig, selten wirklich therapeutisch.

Horst Krause ist kein Mann der großen Worte

Krause versucht, die Wahrheit in nur einen Satz zu packen, Nebensätzen traut er nicht. Zu Beginn des Filmes steht ein Tramper an der Straße „Ich will nach Italien“, sagt er, Krause fährt nur nach Schönhorst – „gleiche Richtung“, raunt er.

Der Film von Bernd Böhlich (Drehbuch und Regie) ist wahnsinnig dicht erzählt, es steckt Stoff in diesen 90 Minuten, der manchen Serien für eine ganze Staffel reicht. Worum es in „Krauses Hoffnung“ geht, der neuen Folge aus der losen, meist einmal jährlich gesendeten Krause-Reihe: Elsa (Carmen-Maja Antoni), seine Schwester, wird vergesslich, lässt Fleisch anbrennen, fast steht der Hof in Flammen. Meta (Angelika Böttiger), die andere Schwester, will mit ihrem Gatten Rudi (Tilo Prückner) auf den Hof ziehen, um Elsa zu helfen. Doch Rudi, ein Kölner, ist in Krauses Augen nur ein „rheinischer Hampelmann“.

Kein echter Punk in „Krauses Hoffnung“

Wer kocht in Krauses Landgasthof, wenn Elsa diese Arbeit überfordert? Eine alleinerziehende Mutter stellt sich vor. „Ein Pflegefall reicht mir“, murrt Krause – das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. Der Bruder und die Schwestern fahren nach Pommern, wo sie aufgewachsen sind. Weil es nach Zeitenwende riecht, nach Ratlosigkeit. Weil Elsa Hilfe braucht und keiner weiß, woher die kommen soll. Da besinnt man sich auf seine Wurzeln und versucht, dort Kraft zu schöpfen.

Elsas Kraft liegt in der Liebe, sie trifft in Pommern im heutigen Polen einen alten Schulfreund, der in sie verliebt war. Diese Liebe rutscht knapp am Rührstück vorbei. Sie ist wahrhaftig und anrührend erzählt, man möchte sie mit Michael Hanekes „Liebe“ vergleichen, der mit seinem Film über ein altes Paar die Goldene Palme in Cannes gewonnen hat. Der Krause-Film gießt Hanekes Realismus in eine sentimentale Form, das ist der Preis, den man um 20.15 Uhr im deutschen Fernsehen zahlen muss. Auch einen echten Punk kann man aus Krause zu dieser Sendezeit nicht formen. Er isst am liebsten Eintopf mit Kassler. Doch wenn es drauf ankommt, predigt er die Ideale der Menschen, die auch mal nach Italien wollen und denen es auf Dauer in Schönhorst zu eng wird. Dann zerbricht er einem Jungen das Spielzeuggewehr und gibt der Mutter 100 Euro, damit sie ihm ein Fahrrad holt. Oder er knüpft sich einen Vater vor, der seinem Jungen eine Drohne kauft, damit der von oben beweisen kann, dass Papa das größte Wohnmobil auf dem Zeltplatz hat.

Horst Krause ist wütend, aber kein Wutbürger

Der Schauspieler Horst Krause spielt den barocken Gemütsmenschen Horst Krause, der schnell wütend wird, doch kein Wutbürger ist, wie er in politischen Debatten zur sprichwörtlichen Figur geworden ist. Krause ist keiner, der auf andere zeigt und ruft: Der ist schuld an meinen Sorgen!

Man kann das clever nennen, wie Bernd Böhlich diesen Krause immer wieder passgenau platziert, ohne dass es knirscht vor Wiederholungen, obwohl doch Krause wenig variabel spielt. Und wie es immer eine Art von Lehre gibt, die dieser Krause, der weiß Gott kein Pädagoge ist, uns auf den Weg gibt.

Ihre Lektionen packen Krause und Böhlich in eine seelenvolle Form von Unterhaltung, die in Deutschland auf diesem Niveau selten ist – weil die erste Schauspielliga solche Filme scheut, die auf den ersten Blick etwas zu glatt gebürstet wirken. Krause aber bricht den Kitsch. Er stärkt sich am Eintopf, dann macht er sich auf seinen Weg über den Tellerrand.

Von Lars Grote/RND

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