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Medien & TV Lena nach dem Sieg in Oslo: "Ich bin voller Tatendrang"
Nachrichten Medien & TV Lena nach dem Sieg in Oslo: "Ich bin voller Tatendrang"
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15:17 30.06.2010
Von Imre Grimm
„Nicht alles, was Kommerz ist, muss per se schlecht sein“: Lena Meyer-Landrut arbeitet bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag in Wien an einer Stabilisierung ihrer Karriere. Quelle: ap
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Man würde sich nicht groß wundern, wenn man hörte, dass sie jetzt erst mal in einem Waldkindergarten im Wendland jobbt. Oder mit einem mexikanischen Wanderzirkus als Jongleurin durch Südamerika zieht. Oder in einem Pfadfinderlager in Portugal Hagebuttentee kocht und dazu „In dem dunklen Wald von Paganowo“ singt. Tut sie aber nicht. Lena Meyer-Landrut macht jetzt Karriere. Vier Wochen nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest in Oslo läuft die „Operation Karrierestabilisierung“ auf vollen Touren. Inzwischen ist auch sicher: Lena geht auf Tour – allerdings erst 2011. Für April ist ein Auftritt vor mehr als 10.000 Zuschauern in der TUI Arena in Hannover geplant. Die Tourplanung liegt in den letzten Zügen. Das genaue Datum ist noch offen. Fest steht aber: Das wird ein Heimspiel.

Nein, sie ist nicht zusammengebrochen nach dieser Nacht von Oslo. Das schwarze Loch, das viele ihr prophezeit hatten für die Zeit nach dem Hype, hat sich bislang nicht aufgetan. Ein paar freie Tage, der Abi-Ball in Hannover („Der war wunderschön“), ein bisschen rumlümmeln mit der Familie im heimischen Garten, und schon war der Lena-Akku wieder aufgeladen. Derzeit absolviert sie eine Werbetour durch Nordeuropa, besucht Radiosender und TV-Shows. Vergangene Woche war sie in Paris, am Freitag dann in Wien, und am kommenden Montag steht Amsterdam auf dem Terminkalender, den Lena Tag für Tag mit ihrer Brainpool-Vertrauensperson Claudia Gliedt erarbeitet („Komm Lena, dann sprechen wir mal den Plan für morgen durch“). Lena selbst bestand darauf, das Pensum zu begrenzen. „Ich finde Reisen recht anstrengend.“

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Der Sieg von Oslo sei „eine krasse Sache“, sagte Lena in Österreich. Aber: „Ich habe echt Glück, dass mich der Rummel nicht anstrengt, weil ich von Natur aus ein fröhlicher, lustiger und energiegeladener Mensch bin. Ich stecke voller Tatendrang.“ Sie konnte viel nachdenken seit ihrem Sieg, sagt sie. „Ich bin jetzt nicht total ausgelaugt.“

Inzwischen zeichnet sich ab, was die Karrierestrategie ihres Managements für sie vorsieht: Lena soll zur multimedialen Wundertüte aufgebaut werden, zur Sängerin/Moderatorin/Schauspielerin/Entertainerin. Gerade hat sie im 3-D-Zeichentrickfilm „Sammys Abenteuer“ an der Seite von Matthias Schweighöfer das süße Schildkrötenmädchen Shelly gesprochen (Kinostart: 28. Oktober). Am Sonnabend, 25. September 2010, tritt sie beim „SWR3 New Pop Festival“ in Baden-Baden auf – neben Indie-Künstlern wie Marina & The Diamonds. Ihr Siegertitel „Satellite“ erreichte hohe Chartsplatzierungen unter anderem in Deutschland (Platz 1), Norwegen (1), Schweden (1), Finnland (1), Dänemark (1), der Schweiz (1), Irland (2) Österreich (2), Tschechien (2), Holland (5) Großbritannien (30) und Australien (immerhin Platz 37 am Ende der Welt). Das französische Magazin „Le Point“ zeigte sie auf dem Titelbild – als Illustration einer Geschichte über die neu erstarkte deutsche Wirtschaft. Und in London verriet sie dem Netzmagazin popbitch.com, dass sie Eierbecher sammle („Ich habe mehr als hundert, manche mit Füßen oder mit Flügeln“).

Die Marke „Lena“ glitzert golden. Gleich mehrere Verlage planen, mit eiligst zusammengepappten Lena-Büchern ein Stück vom Kuchen zu ergattern. Brainpool ist nicht amüsiert: In einem Schreiben an mehrere Verlage reklamierte eine Kölner Anwaltskanzlei im Namen von Brainpool TV, Raab TV und Lena selbst laut „Spiegel“ kürzlich „sämtliche ausschließliche Nutzungsrechte an dem Namen Lena Meyer-Landrut“ für die Kölner. Man plane, „in erheblichem Umfang eigene, gleichgelagerte Produkte“ zu vertreiben. Der Heyne-Verlag verwies trocken auf die Pressefreiheit. Ausgang offen.

Mit Kritik geht Lena inzwischen gelassen um. „Hunderte sagen, dass ich nicht singen kann. Tausende sagen, dass ich nicht tanzen kann. Fünfhundert sagen mir, wie aufgesetzt und eingebildet und bescheuert ich bin. Das ist völlig legitim. Ich habe halt Glück, dass die Mehrheit der Leute das nicht findet“, sagte sie der österreichischen Zeitung „Heute“. Erstmals bestätigte sie, dass es eine Anfrage des „Playboy“ gab. Die Redaktion habe vorgeschlagen, die Gewinnerin der PRO7-Castingshow „Unser Star für Oslo“ (USFO) nackt im Magazin zu zeigen. Nicht Stefan Raab habe dann Nein gesagt, sondern die USFO-Kandidatinnen selbst („Der ,Playboy‘ ist nicht so mein Ding“).

Fühlt sie sich wohl als nationale Symbolfigur? Als Vorbild? „Ach, Vorbild. Das ist ganz schön komisch, ne? Ich bin noch jung. Obwohl es deutlich jüngere Künstler gibt, die Vorbilder sind, Justin Bieber oder Miley Cyrus. Obwohl – die ist ja mittlerweile völlig abgedreht in ihrem neuen Video mit den Lederstrapsen. Da ist auf jeden Fall etwas schiefgelaufen.“ Abgeklärter, ruhiger wirkt sie. „Ich bekomme von allen Seiten Tipps, aber welche ich dann annehme, ist mir überlassen.“ Kommerz? Kein Schimpfwort mehr für Lena, die doch eher für die Independent-Welt und den Anti-Mainstream steht. „Ich habe dazugelernt. Nicht alles, was Kommerz ist, muss per se schlecht sein.“ Bis zum Tourstart wollen Raab und Lena nach „My Cassette Player“ ein zweites Album produzieren. Es soll „mit Sicherheit mehr Lena“ enthalten als der schnellproduzierte Erstling, sagt die Hannoveranerin. Zurzeit schreibt sie an eigenen Songs.

Und doch: Da sitzt irgendwo diese Angst vor dem Vergessenwerden. Ein One-Hit-Wonder zu sein, ein Eurovisions-Strohfeuer – das wäre schlimm für Lena. „Ich erwarte nicht, dass ich mein Leben lang diesen Rummel um mich habe. Das wäre auch eine Katastrophe. Wenn das so weitergehen würde, würde ich mit 45 wahrscheinlich im Grab liegen. Aber im Moment ist es einfach geil. Und es soll in den nächsten Jahren nicht anders sein.“