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Medien & TV „Lenaisten e.V." - Lena-Fans organisieren sich in einem Verein
Nachrichten Medien & TV „Lenaisten e.V." - Lena-Fans organisieren sich in einem Verein
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22:14 13.01.2011
Von Imre Grimm
Aus einem schüchternen kleinen Internetforum wurde der erste offiziell eingetragene Lena-Fanclub Deutschlands. Quelle: Screenshot
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Man müsste jetzt irgendwas machen, hat er gedacht. Einfach irgendwas machen, irgendwohin mit den Gefühlen, mit den Gedanken, die in seinem Kopf kreisen, seit er diese Show gesehen hat. Simon Zeler ist 18 Jahre alt, als ihn eine andere 18-Jährige verzaubert. Also macht er was. 13 Tage nach Lena Meyer-Landruts erstem Fernsehauftritt, am 15. Februar 2010, meldet Zeler die Internetadresse www.lenameyerlandrut-fanclub.de an und eröffnet ein schüchternes, kleines, selbstgebasteltes, lilafarbenes Lena-Forum. Die ersten Gleichgesinnten trudeln ein, aus allen Teilen Deutschlands. Die Sache wächst. Und wird groß.

Sehr groß. Inzwischen haben Lena-Fans in Simon Zelers Forum mehr als 120.000 Beiträge verfasst. Mehr als 3000 Stammbenutzer sind angemeldet, haben knapp 3000 Themen rund um Lena diskutiert – von sämtlichen Erwähnungen in der in- und ausländischen Presse bis zu selbstgequirlten Mezzomix-Cocktails, von Spekulationen über Lenas neues Album bis zu einer peniblen Chronik ihrer öffentlichen Auftritte. Und Simon Zeler, im echten Leben Altenpflege-Azubi in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung in Willich bei Düsseldorf, hat plötzlich richtig Arbeit.

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„Erst war es ein kleiner Witz“, sagt er. „Aber es ist sehr schnell sehr groß geworden. Davon haben wir nicht zu träumen gewagt.“ Jetzt schafft das Forum den Sprung von der virtuellen in die reale Welt: Am 22. Januar wird aus Simon Zelers lilafarbener Liebesgrotte der erste offiziell eingetragene Lena-Fanclub Deutschlands. Eine 22-köpfige Kerntruppe trifft sich zum Gründungstermin in Köln. Zum künftigen Vorstand gehören ein 43-jähriger Trucker aus Friedberg, eine 21-jährige Wirtschaftsinformatikerin aus Magdeburg und ein 37-jähriger Konzernbetriebsprüfer und Freizeit-DJ aus Mönchengladbach.

Vorstandsvorsitzender wird Stefan Peters, Manager bei einer US-Softwarefirma aus Ottobrunn bei München. „Lena ist unangepasst, neugierig, nachdenklich, klug und kreativ“, sagt Peters, ansonsten eher kein Schwärmertyp. „Sie strahlt mit allen Fasern eine Lebensfreude aus, die ansteckt.“ Der Name des neuen Vereins: „Lenaisten e.V.“.

Sie alle haben sich noch nie gesehen. Satzungsentwurf, Notar, Ziele, Details, Name, Logo – alles wurde ausschließlich im Netz diskutiert. „Unser Ziel ist es, die Beziehungen der Lena-Fans untereinander zu fördern, Aktionen zu organisieren und Lenas Karriere zu unterstützen“, sagt Laura Scheid (21), die künftige Pressebeauftragte. Anders als Lenas Facebook-Seite und ihre offizielle Homepage, die beide vornehmlich PR-Zwecken dienen, sind die „Lenaisten“ unabhängig von Brainpool, PRO7, der Plattenfirma Universal und der ARD. Ein eigenes, kleines Lena-Universum ist da entstanden, dessen Charme der Nutzer „Symbolchen“ auf den Punkt bringt: „Lena hat mich nicht nur zum Fan von Lena gemacht, sondern ich wurde Fan von uns allen.“

Sie sind kein ekstatischer Haufen kreischender Teenager, sondern ein bunter Trupp aus allen Altersklassen, Berufen und Gegenden – „darunter mancher intellektuelle Skeptiker, der noch vor ein paar Monaten geschworen hätte, gegen jeden Starkult resistent zu sein“, sagt Scheid. Echte Lenaisten können darüber lachen, dass sie in Sachen Lena nicht alle Latten am Zaun haben („Großartig! Ihr seid ja krank! Ich auch! Hurra!“). Immerhin 30 Prozent der Nutzer sind älter als 40 Jahre, mancher Forumssoziologe seziert das Lena-Phänomen geradezu wissenschaftlich. Neulich kam einer mit Adorno. Die anderen fanden das dann eher so mittel, aber man blieb höflich („harter Stoff fürs Großhirn“). Es ist die mit Abstand aktivste nichtkommerzielle Lena-Plattform im Netz.

Das Besondere an diesem Paralleluniversum: Die „Lenaisten“ nähern sich dem Objekt ihres Interesses nicht mit pseudoreligiöser Inbrunst, sie legen Wert auf höflichen Respekt statt rosaroter Verknalltheit.

Auch natürlich tanzen auch hier die bunten Herzchen über die Webseite, und auch durch dieses Forum ziehen sich Myriaden von Ausrufezeichen. Aber zwischen manchen Schwurbelitäten finden sich immer wieder Perlen des intelligenten Lenaismus, ein Lenaizismen-Lexikon etwa, das von L wie „Lenachten“ (23. Mai 1991, Lenas Geburtstag) bis „L“ wie „Lenose“ (Lena-Fieber) reicht. Mit einem klaren Codex wollen die „Lenaisten“ jegliches Stalkertum vermeiden, tadeln jede Verletzung von Lenas Privatsphäre, jede Grenzüberschreitung der Boulevardpresse, sammeln mit der Akribie eines Eichhörnchens im Spätherbst sämtliche Videos, Soundschnipsel, Interviews und Fotos der Hannoveranerin.

Zum Gründungstermin ihres Vereins haben sie auch Lena eingeladen. Mit einem lilafarbenen Brief auf echtem Papier. Jetzt warten sie und hoffen.

Die Lenaisten im Netz:

www.lenameyerlandrut-fanclub.de

www.lenaisten.de