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Medien & TV Lenas Song zur Weltmeisterschaft umgedichtet
Nachrichten Medien & TV Lenas Song zur Weltmeisterschaft umgedichtet
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11:40 16.06.2010
Von Imre Grimm
Spaß im Netz: Die Studentengruppe „Uwu Lena“. Quelle: Screenshot
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Vor vier Jahren, im Sommer 2006, war das Staunen noch groß über die „patriotischen, rücksichtsvollen, unaggressiven und freundlichen Deutschen“ („Daily Telegraph“), die sich da der Welt präsentierten. Entspannte Gastgeber statt biestiger „Krauts“ – das war neu. Und es gefiel der Welt wie den Deutschen selbst. Reihenweise gerieten Klischees ins Wanken.

Vier Jahre später staunen die Deutschen wieder: Doch, man kann einen Glücksmoment wiederholen. Doch, man kann ein Sommermärchen reproduzieren. Das schwarz-rot-goldene Fest des „Partyotismus“ vor vier Jahren war keine einmalige Sache. Südafrika 2010 – das ist doch nicht die „Kater-WM“, die viele Deutsche nach dem Heimspiel 2006 erwartet hatten.

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9000 Kilometer entfernt, ohne den verletzten Michael Ballack – das könne doch nichts werden, befürchteten manche. Und jetzt das. Das 4:0 gegen Australien hat eine Welle ausgelöst, die anknüpft an den legendären Sommer, in dem Deutschland WM-Dritter und „Weltmeister der Herzen“ wurde – und die wichtigste Entdeckung seiner jüngeren Geschichte machte: einen entspannten Nationalstolz, der mühelos Distanz hält zu aller Tümelei und trotzdem schwarz-rot-golden sein darf. Und nun? Wieder beflaggte Autos, Fahnenmeere, erste Autokorsos – und ein neuer Rekord: Noch nie in der WM-Geschichte sahen so viele Menschen ein deutsches WM-Vorrundenspiel wie am Sonntag: 29,9 Millionen. Vuvuzelas hin oder her. Und was ist anders als 2006? Nicht viel mehr als die neueste Errungenschaft der Industrie: der schwarz-rot-goldene Überzieher für den Außenspiegel.

65 000 Fans in Hamburg, 11 000 Besucher beim Public Viewing vor der Parkbühne in Hannover – vielerorts haben die Kommunen die Renaissance des Gemeinsamglotzens unterschätzt und schlecht geplant. Im Berliner Olympiastadion feierten rund 30 000 Fans, die Stadt will die Straße zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule zum dritten Vorrundenspiel am 23. Juni gegen Ghana zur Fanmeile erklären. In Hannover dagegen wollen die Stadt und der Veranstalter Hannover Concerts während der Vorrunde weder den Parkplatz vor der Parkbühne noch die AWD-Arena für WM-Gucker öffnen – trotz der Forderungen aus der Politik.

Doch den WM-Hype wird das nicht mindern. Einer Münsteraner Studentengruppe namens „Uwu Lena“ gelang es gar, die beiden bisherigen deutschen Höhepunkte des Sommers 2010 zu vereinen: Ihre WM-Version von Lenas Grand-Prix-Siegerlied „Satellite“ („Schland, oh Schland“) wurde zum YouTube-Hit. Prompt reagierte EMI, der Musikverlag der Autoren Julie Frost und John Gordon, mit einer einstweiligen Verfügung. Inzwischen aber winkt Stefan Raab mit einem Plattenvertrag.