Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Leser feiern zu Guttenbergs Doktorarbeit bei Amazon
Nachrichten Medien & TV Leser feiern zu Guttenbergs Doktorarbeit bei Amazon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:27 23.02.2011
Von Ernst Corinth
Anzeige

Selbst ein nicht ganz unbekannter libyscher Diktator soll daher, glaubt man dem Nachrichtenmagazin „Titanic“, inzwischen nach Guttenbergs distinguierter Gutsherrenart handeln: „Kein Rücktritt – aber: Gaddafi verzichtet auf Diktatorentitel!“ Na bitte!

Aber auch seine unverständlicherweise ins Gerede gekommene Doktorarbeit „Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ sorgt zumindest bei Amazon.de für wahre Begeisterungsstürme. Das beweisen jedenfalls nachhaltig gleich mehrere Leserrezensionen, die das adlige Opus geradezu abfeiern. Ein Buch, das immerhin inzwischen auf der Amazon-Bestsellerliste den Rang Nr. 316 einnimmt, obwohl es jetzt nicht mehr lieferbar ist.

Aber geben wir jetzt den zu-Guttenberg-Lesern das Wort. So schreibt „ogmb“ aus EL Cerrito, Kalifornien: „Die Dissertation: früher der Höhepunkt jungakademischer Schaffenskraft, heute nur noch luschig hingeschlurftes Karrieresprungbrett bürgerlicher und minderadliger Nachwuchspolitiklinge. Ganz anders dieses Meisterwerk, persönlich autorisiert vom freiherrlichen Platzhirschen der Zunft: Hier wird kein dünnes Brett gebohrt oder eine unverdauliche Paste halbwissenschaftlichen Dreiviertelwissens angerührt, hier wurde ein Epos erstellt, das noch Generationen von Hochpotenzlern den kürzesten Pfad weisen wird zum akademischen Walhalla (...)“ Besser kann man das wohl kaum ausdrücken. Es sei denn, man heißt Thomas Ueberle, der den Baron als Künstler zwischen Dada und Beuys abfeiert.

Und am Ende seiner Rezension einen Blick in die Zukunft dieses adligen Artisten wagt: „Er liest nicht, exzerpiert nicht, diskutiert nicht; er sichtet, sucht, stapelt nicht, nein, er wird live Texte zerreißen, zerfetzen, vermischen und neu dem staunenden Publikum vor die Ohren werfen. Spontane Lesungen mit immer neuen Wendungen wird er in atemberaubenden Kaskaden abfeuern. Autoren werden sich darum prügeln, in seine Kunstwerke einfließen zu dürfen. - Wen Guttenberg nicht benutzt, der existiert nicht!“ - Ja, da ist wohl noch Großes von unserem jetzt-anscheinend-nicht-mehr-Doktor zu erwarten.

Und schier aus dem Häuschen ist der Rezensent „Think blue“: „Unabhängig davon wie man dieses Buch, das Guttenberg ,in mühevoller Kleinarbeit’ geschrieben hat, liest (jedwede Lesart ist möglich: vorwärts wie rückwärts, diagonal wie diametral oder sogar, im suboptimalsten Fall, spiegelverkehrt) und interpretiert - es war, es ist und es wird ein Meisterwerk mit Tiefgang, stellenweise amüsant mit trister Konnotation, dennoch insgesamt genial, spannend und nicht zuletzt herausfordernd bleiben. Die Aktualität könnte nicht aktueller, die Verständlichheit nicht verständlicher sein.“ Und deshalb rufen auch wir von dieser Stelle dem Herrn Baron zu: Halten Sie durch, Monsieur!

Frerk Schenker 23.02.2011
22.02.2011