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Nachrichten Medien & TV Letztes „Wetten, dass..?“ mit Thomas Gottschalk
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13:49 03.12.2011
Von Stefan Stosch
Thomas Gottschalk moderiert  „Wetten, dass..?“ am heutigen Sonnabend zum letzten Mal.
Thomas Gottschalk moderiert  „Wetten, dass..?“ am heutigen Sonnabend zum letzten Mal. Quelle: dpa
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Je näher die Abschiedsshow rückt, desto deutlicher wird allen, was sie an diesem Moderator haben. Bislang war Thomas Gottschalk für viele der große Blonde, der immer wieder sonnabends in seltsamen Verkleidungen Kinderspiele für Erwachsene präsentierte. Zwischendurch durften Prominente bei ihm ihre neue CD oder ihren neuen Kinofilm bewerben, der Moderator tätschelte derweil Frauenknie und ließ lockere Sprüche an der Grenze des guten Geschmacks los.

So sahen einige Gottschalk, und jedes Mal, wenn die Zuschauerzahlen der „Wetten, dass ...?“-Show wieder mal bröckelten, erntete er Hohn und Spott. Gewöhnlich folgte der Zusatz: Die Ära der große Sonnabendabendshow sei abgelaufen. Auch der ewige Peter Pan der Fernsehunterhaltung könne sich nicht gegen den Lauf der Zeit stemmen.

Aber es war nicht das ZDF, das dem mittlerweile 61-Jährigen den Stuhl vor die Tür setzte. Nach 24 Dienstjahren und 150 Shows reichte Gottschalk vor einem Jahr seine Demission ein. Als sein Wettkandidat Samuel Koch sich bei einem Sturz schwere Lähmungen zuzog, wollte er nicht mehr.

Und jetzt findet sich kein Nachfolger. Die möglichen Kandidaten befürchten offenbar, in zu große Schuhe schlüpfen zu müssen. Es hagelt Absagen – auch von Kandidaten, die niemand gefragt hat. Hape Kerkeling, der chancenreichste Aspirant, verkündete direkt auf Gottschalks Wettsofa, dass er nicht wolle oder könne.

Keiner scheint sich an die prestigeträchtigste Unterhaltungsshow des deutschen Fernsehens zu wagen. Die Nachfolgedebatte hat geradezu staatstragende Züge angenommen. Man stelle sich einmal vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel würde ihren Rücktritt verkünden – und alle anderen Politiker ziehen die Köpfe ein, weil sie sich nicht an ihrer Vorgängerin messen lassen wollen.

Gottschalk war allerdings auch stets selbst davon überzeugt, der beste Mann am richtigen Platz zu sein. Dass sich über die Jahrzehnte Generationen von Kritikern an ihm abgearbeitet haben, amüsiert ihn nur noch. „Jetzt wollen die einen, dass ich weitermache, und die anderen reden sich die Köpfe heiß, wer denn diesen Unterhaltungsdampfer durch eine Zukunft steuern könnte, die man ihm gar nicht mehr zugetraut hat“, hat er gesagt.

Dieses Selbstvertrauen war die Voraussetzung für seine Schlagfertigkeit, sein wohl größtes Talent. Lässig-locker hielt er den Riesenladen mit mehr als 250 Mitarbeitern vor und hinter der Bühne zusammen und ließ die Show selbst wie eine Familienfeier ausschauen – die sie in gewisser Weise ja auch war: Am Ende rechnete der Gastgeber Peter Maffay oder Wladimir Klitschko vor, ob die Zahl ihrer Besuche sich noch im ein- oder schon im zweistelligen Bereich bewegte. In solchen Momenten merkte man, dass Gottschalk womöglich den richtigen Moment fürs Abschiednehmen erwischt hat.

Gelegentlich verlor er den Überblick, wer gerade welche Wette gewonnen oder verloren hatte. Aber das war ihm egal. In den letzten Jahren stöckelte dann ja auch Michelle Hunziker heran, um den aktuellen Spielstand bekanntzugeben. Die junge Partnerin war der Tribut an den Wandel im TV-Geschäft. Auch ein Thomas Gottschalk funktionierte nicht mehr als unwiderstehlicher Zuschauermagnet. Keiner wusste das besser als er selbst. „Die Kids hängen am Handy, die Väter gucken DVD, und die Mütter bestellen am Computer nutzloses Zeug“, hat er gesagt. Er aber veranstaltete immer noch Wettspiele, wie es schon sein Vorgänger und „Wetten, dass ...?“-Erfinder Frank Elstner getan hatte. Und trotzdem gelang es Gottschalk, die Sonnabendabend-Bastion zu verteidigen – ganz egal, welche Kandidatenzurichtungen sich mittlerweile auf anderen Sendern abspielen.

Ob Möchtegern-Models sich triezen lassen, Heiratskuppler am Werk sind oder C-Promis in Dschungelcamps gedemütigt werden: Gottschalk hat an seinem genauso biederen wie menschenfreundlichen Konzept festgehalten, ohne je den Anschein zu erwecken, daran zu kleben. Mag sein, dass das „Wetten, dass ...?-Lagerfeuer schon lange nicht mehr so hell wie früher in die Fernsehnacht leuchtet, aber es versammeln sich doch die Generationen um die immer noch wärmenden Scheite.

Gottschalk ist kein Medienzyniker wie Stefan Raab. Im Zweifelsfall macht er sich eher selbst als seine Kandidaten zum Hanswurst und schwimmt in einem Wassertank oder serviert irgendwo Kuchen. Er, der Grund- und Hauptschullehrer mit Staatsexamen in Deutsch und Geschichte, hat es nie verlernt, sein eigenes Tun zu hinterfragen. Deutlich wurde das bei seinem umsichtigen Verhalten in der tragischen Unglücksshow – aber auch noch an ganz anderer Stätte: Im Herbst 2008 moderierte Gottschalk den Deutschen Fernsehpreis, als ein wutschnaubender Marcel Reich-Ranicki eine Philippika gegen die Verdummung durchs Fernsehen losließ. Gottschalk gelang es, den Großkritiker zu besänftigen, ohne diesen oder auch das Fernsehen als Verlierer dastehen zu lassen.

Vom nächsten Jahr an soll Gottschalk montags bis donnerstags im ARD-Vorabendprogramm plaudern. Es kommt einem Harakiri-Job gleich, auf dem Sendeplatz direkt vor der „Tagesschau“ erfolgreich zu sein. Einfacher wäre es für den Moderator gewesen, noch ein paar weitere Jahre den sonnabendlichen Paradiesvogel zu spielen. Gottschalk traut sich also immer noch was zu. Und wenn es nicht klappt, hat der Moderator mit Wohnsitz USA schon ein anderes Ziel im Auge: Dann werde er eben „Rentner in Malibu“.

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