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Medien & TV Lierhaus und ihr neuer Job bei der ARD-Fernsehlotterie
Nachrichten Medien & TV Lierhaus und ihr neuer Job bei der ARD-Fernsehlotterie
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20:00 03.03.2011
Monica Lierhaus will als Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ nach eigenen Worten „weitergeben, was ich bekommen habe: neuen Lebensmut“.
Monica Lierhaus will als Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ nach eigenen Worten „weitergeben, was ich bekommen habe: neuen Lebensmut“. Quelle: ARD
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Sie lächelt, sie kaut Kaugummi, sie wirkt ein bisschen wie früher, aber ihre Augen, ihre Stimme verraten sie. Etwas ist anders, noch immer. Sie spricht in hohem, weichem Ton, ihre Augen blicken starr. Pressekonferenz am Donnerstag in Hamburg, es geht um Monica Lierhaus, aber sie ist nicht hier, ihr Therapieplan hat es nicht zugelassen. Stattdessen läuft ein Film, mit dem die Chefs der ARD-Fernsehlotterie den 60 Journalisten zeigen wollen: Seht her, sie kann das, sie schafft das.

Erst ein paar Bilder von Albert Schweitzer, von den Montagsdemos in Leipzig, fehlt nur noch Mutter Teresa, aber dann: Monica Lierhaus (40) beim Fotoshooting, beim Kaffeetrinken, beim Händeschütteln und an der Alster. Der Wind zerrt an ihren Haaren, die Sonne scheint. Ein Platz an der Sonne. Plötzlich kommt Johannes B. Kerner angejoggt, eine Mütze auf dem Kopf. Vor vielen Jahren waren Kerner und Lierhaus mal ein Paar.

„Hallo du, schön dich zu sehen“, sagt Monica Lierhaus.

„Bisschen frisch hier, ne?“, sagt Kerner. Lächelt sein Kernerlächeln. „Alles Gute.“ Mehr gibt’s nicht zu sagen. Er joggt weiter. „Ich friere“, sagt Lierhaus.

„Ich freue mich auf meine neue Lebensaufgabe“, sagt sie dann später im Film. TV-Sender dürfen dieses Statement für ihre Berichte verwenden. „Ich möchte weitergeben, was ich bekommen habe: neuen Lebensmut. Mit hat es sehr geholfen, eine Perspektive vor Augen zu haben. Das ist meine Botschaft.“

Sie sollte ein kleiner Coup werden, diese Bauchentscheidung von Lotterie-Geschäftsführer Christian Kipper: Monica Lierhaus als neue Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie und Nachfolgerin von Frank Elstner, der den Job seit 2003 innehatte. Man wurde handelseinig, dann kam Lierhaus’ rührender, aber doch seltsamer Auftritt vor vier Wochen bei der „Goldenen Kamera“. Der Aufsichtsrat nickte die neue Symbolfigur für Deutschlands älteste Sozial-Lotterie einstimmig ab. Welche Rolle Lierhaus’ Verlobter Rolf Hellgardt bei den Verhandlungen spielte, früherer Kabel-1-Geschäftsführer und geschickter Manager ihrer beruflichen Geschicke, blieb am Donnerstag offen.

Comeback also. Aber es läuft nicht so richtig rund bisher: Erst kamen die – nie dementierten – Meldungen über ein Jahressalär von 450 000 Euro. Dann entlud sich der Volkszorn: Abbestellungen, heftige Empörung in Briefen und Mails über das exorbitant hohe Honorar. Ein Ziel hat Lierhaus also schon erreicht: die Fernsehlotterie bekannter zu machen. Aber gedacht war das irgendwie anders.

„Monica Lierhaus steht für Hoffnung, Zuversicht und Mut“, sagt Kippers in Hamburg tapfer. „Ihr Elan, ihre Kraft und Motivation hat uns alle begeistert. Trotz des Gegenwinds zur Zeit meine ich, dass sie die perfekte Botschafterin für uns ist.“ Eine Plakataktion mit Lierhaus startet nächste Woche in deutschen Großstädten (Slogan: „Ich weiß, wie wichtig Hilfe ist“). Es folgen Scheckübergaben, Pressetermine und Projektbesuche, und auch die Ziehung der Wochengewinner sonntags um 18.49 Uhr in der ARD werde sie „in einigen Wochen“ erstmals moderieren. Die Botschaft ist klar: Das hier ist echte Arbeit, kein Gnadenbrot, kein warmes Plätzchen für eine verdiente Kollegin.

Lierhaus Honorar werde weder durch Gebührengelder noch Spenden bezahlt, sondern allein durch Einnahmen von Losverkäufen, sagte Kipper. Die Empörung könne er „verstehen, das ist nachvollziehbar“, auch Lierhaus selbst habe „ausgesprochen betroffen“ auf die Debatte reagiert. Aber die 1954 gegründete Lotterie sei auf dem „hart umkämpften Glücksspielmarkt“ nun mal auf prominente Werbegesichter angewiesen. Und Popularität ist teuer. Seit der Neufassung des Glücksspielstaatsvertrages 2009 darf die Lotterie keine Lose mehr über das Internet verkaufen. Die Folge: Die Zahl der Mitspieler ist von rund drei auf 2,3 Millionen gefallen. Im Jahr 2010 hat „Ein Platz an der Sonne“ 66,6 Millionen Euro für den guten Zweck erlöst und 54 Millionen Euro Gewinne ausgezahlt. In Niedersachsen flossen 5,48 Millionen Euro in 23 soziale Projekte. Satzungsgemäß darf die Lotterie sieben Prozent ihres Gesamterlöses für Verwaltung und Werbung verwenden, das entsprach 2010 knapp zwölf Millionen Euro.

Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Curd Jürgens oder Peter Ustinov noch unentgeltlich als Werbegesichter zur Verfügung stellten. Im Übrigen freuten sich laut einer Forsa-Umfrage 63 Prozent über Lierhaus’ Einsatz, sagt Kipper. Die Umfrage freilich entstand Tage vor den ersten Meldungen über Lierhaus’ Honorar.

Es ist eine Veranstaltung zur Schadensbegrenzung. Die Welle der Aufregung „beruhigt sich auch wieder“, hofft Pressesprecher Mario Czipull. Bislang freilich haftet der neuen Aufgabe von Lierhaus etwas Irritierendes an. Vielleicht rührt das Unbehagen daher, dass die vielbeschworene Glaubwürdigkeit, die sie aus der Tatsache zieht, dass sie selbst erkrankt ist, ihr einen Job verschafft, der sie den normalen Lebensumständen vieler Behinderter weit enthebt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass das Comeback der Monica Lierhaus bisher wirkt, als folge es einem perfekt durchkomponierten, strategisch ausgefeilten Schlachtplan: erst der Rührmoment, dann der Spitzenjob.

Imre Grimm

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