Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Madonnas Tränen
Nachrichten Medien & TV Madonnas Tränen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:20 04.05.2012
Von Simon Benne
Kathi (Jule Ronstedt) bringt die Madonna zum Weinen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Merching pfeift aus dem letzten Loch: Die bayerische Gemeinde ist pleite, das Wirtshaus hat schon dichtgemacht, und jetzt droht auch noch die Eingemeindung. Beim Beten in der Kirch’ hat Jungbäuerin Kathi (Jule Ronstedt) da eine Eingebung: Wenn die Madonna plötzlich weinen tät’, kämen Pilger, und Pilger brächten Geld. Mit Fernsteuerung und Spritzampulle sorgt sie für ein menschengemachtes Wunder – und der Plan scheint aufzugehen.

Wo so Erhabenes und so Banales nebeneinanderstehen, ist das komische Potenzial eigentlich unermesslich. Man hätte aus „Das Wunder von Merching“ (Freitag, 4. Mai, 20.15 Uhr, ARD) eine göttliche Komödie machen können. Oder eine bissige Satire über Religion und Scharlatanerie. Oder eine im Wortsinne wunderbare Parabel darüber, wie der Glaube seine eigene Wirklichkeit erschafft. Der Stoff bietet da eine Menge Steilvorlagen. Doch Regisseur Thomas Kronthaler kann sich nicht entscheiden, welche er verwandeln will.

Anzeige

So bleibt der Film oft unentschlossen. Die Dörfler sind eigentlich gebrochene Figuren, schwankend zwischen glauben und zweifeln. Doch die meisten von ihnen bleiben hölzern. Zu früh weiß man, dass am Ende alles gut wird; dass die Kathi ihren Hannes kriegen wird. Immer wieder blitzen in dem Film Originalität und manchmal sogar ein wenig Weisheit auf. Und dennoch erzählt er seine Geschichte viel zu bieder, mit heimattümelnden Bayernklischees und mit viel zu vielen Dirndln. Ständig meint man, dass in dieser Idylle gleich der „Silbereisen Florian“ ums Eckerl kimmt. So ist am Ende nur ein typischer ARD-Freitagsfilm herausgekommen. Vermutlich ruht ein Fluch auf dem Sendeplatz.

Carsten Schmidt 02.05.2012
Karsten Röhrbein 05.05.2012