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Medien & TV Märchenstunde zu Weihnachten in der ARD
Nachrichten Medien & TV Märchenstunde zu Weihnachten in der ARD
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18:41 23.12.2010
Von Dany Schrader
Märchenstunde in der ARD: Bei Hofe wird ein prächtiger Ball gefeiert – und Rapunzel (Luisa Wietzorek, Mitte) tanzt munter mit. Quelle: ARD
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Das Leben liefert Geschichten in Hülle und Fülle. Doch manchmal reicht ein Blick in ein Märchenbuch, um zu sehen, was passiert, wenn ein Mensch vom richtigen Weg abkommt. „Das blaue Licht“ nach den Brüdern Grimm ist so ein Beispiel: Der arme Soldat Jakob gerät darin durch einen Zufall in die Fänge der bösen Hexe, scheint zunächst jedoch Glück im Unglück zu haben: In seiner Not begegnet er einem blauen Geist, der ihm all seine Wünsche erfüllt. Schon damals, vor vielen Hundert Jahren, als dieses Märchen entstand, wusste man, dass Gier die Menschen ins Unglück treibt – da ist es egal, ob es sich um den armen Jakob handelt, der scheitert, oder um einen Banker an der Wall Street, der auch nach der Finanzkrise weiter auf Derivate wettet.

Bei der Neuverfilmung alter Märchen, die die ARD an Weihnachten unter dem Titel „Sechs auf einen Streich“ zeigt, haben sich die Regisseure jedoch mit dem Wissen begnügt, dass die Moral der Geschichten auch in der Gegenwart ihre Gültigkeit behält. Auf eine möglicherweise reizvolle Übersetzung der Handlung in die Neuzeit, wie es die BBC einst mit Shakespeare-Dramen erfolgreich vormachte, haben die Filmemacher verzichtet – sowohl bei den vier neuen Produktionen 2010 als auch bei den Wiederholungen aus den beiden Vorjahren. Stattdessen erwarten die Zuschauer sechs leichte Stunden, deren Handlung eng an die historische Vorlage aus den Märchenbüchern geknüpft ist.

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So bezaubernd wie die einst meist in Koproduktion mit dem Westdeutschen Rundfunk in den Prager Barandov-Studios entstandenen tschechischen Märchenklassiker wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder der Defa-Film „Das kalte Herz“ sind die neuen Märchen erwartungsgemäß nicht geworden. Glücklicherweise haben die Produzenten jedoch auf überflüssigen Klamauk verzichtet, der die Märchenproduktionen von PRO7 prägte.

Einige Stücke mögen daher vielleicht etwas charakterlos daherkommen. Bisweilen macht es jedoch Freude, den Akteuren in der für sie ungewohnten Umgebung zu begegnen. Denn in „Das blaue Licht“, „Die Prinzessin auf der Erbse“, „Der Meisterdieb“, „Des Kaisers neue Kleider“, „Rapunzel“ (2009) und „Tischlein, deck dich“ (2009) begegnen die Zuschauer Schauspielern, die sonst in Jeans und Lederjacke Verbrecher jagen oder selbstzerstörerische Zweifler mimen, ausnahmsweise einmal in historischen Roben und beim Aufsagen schwülstiger Sätze.

Da macht es sogar Spaß, einen Armin Rohde als gefoppten Grafen dabei zu beobachten, wie er im güldenen Morgenmantel mit dem Gewehr ums Schloss rennt, nur um am nächsten Morgen erkennen zu müssen, dass der Meisterdieb ihn erneut an der Nase herumgeführt hat.

Auch andere Rollen sind durchaus passend besetzt: Allen voran der im deutschen Fernsehen zurzeit allgegenwärtige Matthias Brandt, der mit Rokokoperücke und hochgereckter Nasenspitze als arroganter Herrscher in „Des Kaisers neue Kleider“ seinen Extravaganzen frönt.

Veronica Ferres weckt als hintertriebene Hexe in „Das blaue Licht“ mit wildem Haar und im Korsagenkleid gar Erinnerungen an ihre „Buhlschaft“ im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen. Iris Berben hat bereits in „Buddenbrooks“ bewiesen, dass sie sich auch in anderen Epochen macht. In „Die Prinzessin auf der Erbse“ spielt sie an der Seite von Robert Gwisdek die hintertriebene Schwester des Königs.

Regisseure wie Bodo Fürneisen und Christian Theede erlauben sich zudem einige humorvolle Anspielungen. Der falsche Weber Jakob etwa behauptet in „Des Kaisers neue Kleider“ allen Ernstes, die Maße des Kaisers auch ohne Band nehmen zu können. Die Körpergröße habe er „abgespeichert“ – ein Wort, das der versnobte Monarch sofort verwundert wiederholt. Und auch einige Namen klingen aufgrund der aktuellen Mode eher wie aus einem Kindergarten der Neuzeit als aus einem Märchenbuch: Rund um Kaiser, Grafen und Könige scharen sich Untertanen, die Nele, Maja oder Greta heißen.

1. Weihnachtstag, ARD:
14.40 Uhr: „Rapunzel“,
15.40 Uhr: „Das blaue Licht“,
16.40 Uhr: „Die Prinzessin auf der Erbse“.
2. Weihnachtstag, ARD:
14.05 Uhr: „Tischlein, deck dich“,
15.05 Uhr: „Der Meisterdieb“,
16.05 Uhr: „Des Kaisers neue Kleider“.