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Medien & TV „Mafia 2“ bündelt die Elemente des Gangsterfilms in einem Videospiel
Nachrichten Medien & TV „Mafia 2“ bündelt die Elemente des Gangsterfilms in einem Videospiel
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18:21 06.10.2010
Von Jan Henrik Flecke
„Mafia 2“: Ein Spiel für die dunklen Tage im Herbst. Quelle: Screenshot
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Eigentlich müsste „Mafia 2“ das bessere „Grand Theft Auto“ sein. Denn während das Actionspektakel „GTA“ recht lose im Gangstergenre angesiedelt ist und sich wie ein Mafiafilm zum Mitspielen anfühlt, ist das bei „Mafia 2“ noch viel konkreter der Fall. Viele Szenen in dem Actionspiel lehnen sich deutlich an Klassiker wie „Scarface“ oder „Goodfellas“ an, wodurch das Spiel, das gerade für Xbox 360, Playstation 3 und PC erschienen ist, eine besondere cineastische Qualität erreicht.

Auf der Handlung liegt bei „Mafia 2“ daher mehr noch als im vergleichbaren „GTA“ der Fokus: Der Protagonist Vito Scaletta wächst in den zwanziger Jahren in Italien auf, zieht aber im Kindesalter mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Empire Bay in den USA – die fiktive Stadt wurde im Spiel New York nachempfunden. Vito lebt mit seiner Familie in einer rauen Gegend und schlägt mit seinem Kumpel Joe eine Laufbahn als Kleinkrimineller ein. Im Jahr 1943 wird Vito bei einem Überfall auf einen Juwelier festgenommen und als Soldat im Zweiten Weltkrieg nach Italien geschickt. Als er zurückkehrt, erfährt er, dass sein verstorbener Vater seiner Familie Schulden hinterlassen hat. Um sie abbezahlen zu können, heuert er bei einer Mafia-Familie an – und arbeitet sich darin während der zehn Stunden, die das Spiel etwa umfasst, bis nach oben.

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Der Vergleich mit „GTA“ liegt auch deswegen nahe, weil sich das Spielprinzip ähnelt: Auch in „Mafia 2“ fährt man mit dem Auto durch die Stadt zu seinen Auftraggebern, sieht sich eine grandiose Filmsequenz an, und macht sich danach daran, den Auftrag auszuführen – der oft daraus besteht, Kontrahenten einen Denkzettel zu verpassen, und anschließend nicht selten in einer Verfolgungsjagd oder einer Schießerei mit anschließender Flucht vor der Polizei endet. „Mafia 2“ macht allerdings einige Dinge anders als „GTA“. So wird die Geschichte linearer erzählt und dadurch eine spannende, filmartige Atmosphäre erzeugt. Besonders in den Zwischensequenzen wirken die Animationen der Figuren realistisch, die glänzenden Dialoge werden mit sehr guten Sprechern vorgetragen, und Kamerafahrten und Schnitt lassen „Mafia 2“ sehr häufig an die filmischen Vorlagen erinnern. Dass „Mafia 2“ dennoch nicht am Genreprimus „Grand Theft Auto“ vorbeizieht, liegt an der mangelnden spielerischen Freiheit. Die Handlung zwängt den Spieler dabei zu sehr in ein Korsett – es ist zwar möglich, wie bei „GTA“ zwischen den Auftragen die Stadt zu erkunden, allerdings gibt es in Empire Bay außer Werkstätten, Bekleidungs- und Waffengeschäften nicht viel zu tun – sieht man einmal davon ab, das wunderbar eingefangene Flair der fünfziger Jahre in den USA zu bewundern. Kein Vergleich also mit Liberty City, in der die Spieler mehr Zeit mit kleinen Nebenhandlungen als mit der Hauptgeschichte verbringen konnten.

Wen das nicht stört, der bekommt mit „Mafia 2“ jedoch ein fulminantes Actionspiel, das die Grenze zum Film an vielen Stellen verschwimmen lässt.

Mafia 2“ gibt es für Xbox 360, Playstation 3 und PC. Es ist ab 18 Jahren freigegeben und kostet etwa 45 bzw. 60 Euro.