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Medien & TV Magazin im Libanon berichtet ungewohnt freizügig über Sexualität
Nachrichten Medien & TV Magazin im Libanon berichtet ungewohnt freizügig über Sexualität
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18:03 30.03.2009
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Seit die 38-Jährige im Dezember die erste Nummer ihres dreimonatlich erscheinenden Magazins „Dschasad“ (Körper) im Libanon veröffentlichte, verlangten bereits Geistliche wie Frauenorganisationen das Verbot des als pornografisch kritisierten Hefts. Der Grund für die Empörung:
Haddad hebt den Schleier und gewährt mit dem Magazin einen Blick auf Sex, Selbstbefriedigung und Homosexualität. „Es ist wahr, in der arabischen Welt ist das eine Neuheit“, sagt Haddad.

Die für zehn Dollar verkaufte Erstausgabe enthielt Berichte über Misshandlung bei Männern und Frauen, über das indische Liebeswerk Kamasutra sowie Transsexualität. In einer Rubrik mit dem Titel „Mein erstes Mal“ berichten Prominente von ihren ersten Schritten auf dem Feld der Erotik. Die Titelgeschichte der Märzausgabe befasst sich mit dem Penis. Die 3000 Exemplare der ersten Ausgabe waren innerhalb von elf Tagen vergriffen, die zweite Nummer geht nun mit 4000 Heften in den Verkauf.

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Illustriert mit deutlichen Abbildungen, darunter Nachdrucke von Werken weltberühmter Künstler wie Pablo Picasso oder Salvador Dali, enthalten die Hefte Texte von Autoren aus dem gesamten arabischsprachigen Raum. Die Verfasser stammen neben dem Libanon etwa aus Ägypten, Jordanien, Marokko, Syrien, Saudi-Arabien und den palästinensischen Gebieten - und sie schreiben unter vollem Namen, Pseudonyme sind nicht erlaubt.

Während in der westlichen Welt wohl kaum noch jemand die Augenbrauen angesichts des Inhalts heben würde, verstößt Haddad mit „Dschasad“ in der traditionell konservativ geprägten Welt gegen zahlreiche Tabus. „Wir, besonders wir Frauen müssen damit aufhören, unsere Körper wie etwas zu behandeln, für das wir uns schämen müssen“, sagt Haddad. Es gebe bereits so viele Probleme, da müsse nicht auch noch die ständige Verhüllung des Körpers hinzukommen.

Haddads Anliegen stößt nicht überall auf Verständnis. Unter dem Deckmantel der Kultur appelliere das Magazin an die sexuellen Instinkte, kritisiert Aman Kabbara Schaarani, die Vorsitzende des Libanesischen Frauenrats, einer Dachorganisation mehrerer Gruppen. „Themen, die unseren Jugendlichen beibringen, wie sie Liebe machen, passen nicht zu unseren moralischen Werten und der staatsbürgerlichen Erziehung“, kritisiert sie. Deswegen habe sie sich an die Zensurbehörden, muslimische wie christliche religiöse Autoritäten und Regierungsmitglieder gewandt, um ein Verbot von „Dschasad“ zu erreichen.

Bislang lassen die libanesischen Behörden die Macher des neuen Magazins jedoch gewähren. Zunmal das Heft in einem Umschlag verkauft wird, auf dem auf den Inhalt hingewiesen wird. Und auch Haddad, die regelmäßig Drohungen per Mail erhält, ist unerschrocken. „Ich habe keine Angst vor der Auseinandersetzung“, sagt sie. „Ich glaube an das Projekt, und die Verkaufszahlen beweisen, dass es ein Bedürfnis danach gibt.“

afp