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00:15 28.01.2014
Markus Lanz am Sonnabend bei "Wetten, dass...?". Quelle: dpa
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Karlsruhe

Er kann einem fast schon Leid tun. Da sammelt eine erboste ZDF-Zuschauerin 200.000 Unterschriften in einer Online-Petition gegen die Absetzung von Markus Lanz' Talkshow, und ein paar Tage später muss der Moderator „Wetten, dass...“ moderieren – eine Show, die wegen Quotenrückgang und Rassismus-Debatte auch nur noch Negativschlagzeilen schreibt. Kein Wunder, dass der Südtiroler nervös ist, als an diesem Samstagabend die Lichter im Karlsruher Studio angehen.

Nach einer turbulenten Woche moderierte der ZDF-Showmaster Markus Lanz am Sonnabend "Wetten, dass...?" – und stand dabei noch mehr im Rampenlicht als ohnehin. In den vergangenen Tagen hagelte es Kritik.

Seine Stimme zittert ein bisschen, als er den Zuschauern noch ein gesundes neues Jahr wünscht. Er weiß, dass sie alle nur eine Frage beschäftigt: Wird er die Online-Petition ansprechen, die ihm ein Interview mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht eingebracht hat? Er wird: „Auch ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen, es ein bisschen gemütlicher angehen zu lassen“, sagt Lanz in die Kamera. „Und ich muss sagen: Gerade mit Blick auf die vergangenen Tage ist mir das hervorragend gelungen. Finden Sie nicht?“ Bäm, der hat gesessen! Zumindest ist ihm der Applaus im Studio sicher. Und als die Stadtwette von Ex-Boxerin Regina Halmich vorgestellt wird, legt Lanz noch einen drauf: Gesucht werden 100 Karlsruher, die in Bauarbeiter-Montur zum Village-People-Hit „YMCA“ tanzen. „Wenn Sie sagen: Ich bin Karlsruher und mir stinken diese Baustellen, dann machen Sie entweder eine kleine Online-Petition oder kommen Sie einfach hierher zu uns in die Stadt.“ stichelt Lanz. Der Konter ist durch.

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Dann kann er endlich zum angenehmen Teil der Sendung übergehen: nett mit den prominenten Gästen plaudern. Aber hier ist Vorsicht geboten: Bloß nicht wieder jemandem das Wort abscheiden. Nicht, dass sich die Kritiker bestätigt fühlen, er wäre ein unhöflicher Gastgeber. Obacht ist geboten. Und so hangelt sich der Moderator den Rest des Abends an unverfänglichen Fragen entlang, lässt die Gäste brav ausreden und macht hier und da mal einen mittelprächtigen Witz. Comedian Atze Schröder, Fußballer Max Kruse, der „Bergdoktor“ Hans Sigl und die hochschwangere Schauspielerin und Sängerin Yvonne Catterfeld sitzen auf der Couch und spielen artig mit. Sie reden über das Elterndasein und schlimme Fußballerfrisuren. Alles ganz unverfänglichen. Und langweilig.

Für ein halbes Stündchen schaut dann noch Hollywood-Star Liam Neeson („Schindlers Liste“, „96 Hours“) rein, um seinen neuen Film zu promoten. Der kann die trockene Runde aber auch nicht retten. Nach einem kurzen Einspieler, einer mittelmäßig spannenden Wette (Joschua Schütze aus Felm wettet, dass er es schafft, auf einem Bein drei Leitern hoch zu hüpfen, um oben angekommen Glühlampen in Lampen zu drehen) und belanglosem Smalltalk muss Neeson auch schon wieder los. Er muss den Flieger bekommen. Vielleicht hatte er aber auch nur Angst, dass Peter Maffay noch einmal auf die Bühne geht. Das tut er dann auch. Im Duett singt er mit Hans Sigl „Über sieben Brücken musst du gehen“. Und das gar nicht mal so schlecht. Lanz schlägt sich nicht so gut. Bei Twitter hagelt es böse Kritiken. „Unter dem Hemd trägt Lanz ein T-Shirt. Darauf eine Telefonnummer unter er man ihn rauswählen kann. #wettendass“, heißt es dort etwa.


Am Ende der Sendung muss Atze Schröder noch seine Wettschulden begleichen. Im Lederdress á la Village People muss auch er „YMCA“ tanzen. „Und wir versuchen jetzt irgendwie, diese Bilder wieder aus dem Kopf zu kriegen“, kommentiert Markus Lanz diese Showeinlage. Dann ist der Abend auch geschafft. Nur vier Minuten hat er die Sendezeit überzogen. Nicht, dass noch etwas schief geht auf den letzten Metern. Sicher ist sicher.

Von Isabell Rollenhagen

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