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Medien & TV Mein Freund, der Alkohol
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00:15 01.11.2013
Trinken bis der Arzt kommt: Lukas (Markus Quentin,l.) ist glücklich, endlich in die Clique von Timo (Julius Nitschkoff,r.) und Sylvia (Anna-Lena Klenke) aufgenommen zu sein. Quelle: SWR
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Hannover/Mainz

Die Zahlen sind alarmierend: Immer mehr Kinder und Jugendliche werden wegen ihres Alkoholkonsums stationär in Krankenhäusern behandelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind dies 2011 insgesamt 26 349 Heranwachsende im Alter von 10 bis 20 Jahren gewesen. Das entspricht beinahe einer Verdoppelung seit 2002. Die Gründe für diese Entwicklung sind natürlich vielfältig, oft schon in den Medien thematisiert, meist allerdings in Reportagen, Dokumentationen und Talkshows, und eher selten in einem fiktiven Fernsehfilm, wie ihn jetzt die ARD zur besten Sendezeit mit „Komasaufen“ zeigt.

Inszeniert hat den Film der Regie-Routinier Bodo Fürneisen nach einem Drehbuch von Bernd Böhlich. Beide haben bereits 2008 das vielbeachtete Drama „Mein Mann, der Trinker“ in Szene gesetzt und legen hier also gleichsam die Jugendvariante vor. In ihrem Mittelpunkt steht der 15-jährige Gymnasiast Lukas (Markus Quentin), der vom Leben gebeutelt ist. Seine Eltern haben sich scheiden lassen. Der Junge lebt bei seiner Mutter Beate (Aglaia Szyszkowitz) und kann oder will deren neuen Lebensgefährten, den Karriere-orientierten Karsten (Oliver Mommsen), nicht akzeptieren. Weil dieser – so die Sicht des Jungen – alles bestimmen wolle und sich in alles einmische. Außerdem hat Lukas große Schwierigkeiten in der Schule, besonders mit der strengen Mathe-Lehrerin. Und, wie viele Pubertierende in dem Alter, mit dem anderen Geschlecht. Vor allem mit der hübschen Sylvia (Anna-Lena Klenke), in die er sich heftig verguckt hat. Doch dummerweise ist das junge Mädchen die feste Freundin des „Chefs“ der angesagten Clique an der Schule.

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„Komasaufen“ im Fernsehen

Komasaufen“ | ARD
Dienstag, 20.15 Uhr

Als Zuschauer fällt einem bei dieser Vielzahl von Problemen, die ein Jugendlicher allein wohl nur schwer verkraften kann, unweigerlich der traurig-wahre Sinnspruch ein: Wer Kummer hat, hat auch Likör. Und Likör beziehungsweise Alkohol ist auch für einen 15-Jährigen wie Lukas allgegenwärtig: Beim gemeinsamen Feierabendbier in der Werkstatt seines leiblichen Vaters, beim Gläschen Rotwein zum Essen, beim Sekt am Geburtstag. Natürlich abends beim Feiern in der Disko. Und die Absicht des Regisseurs zu zeigen, wie sich dabei das Gift Alkohol erst ganz sacht und dann immer massiver in das Leben seines Hauptdarstellers schleicht, wird in „Komasaufen“ äußerst anschaulich umgesetzt. Obwohl manches vielleicht doch ein wenig zu lehrbuchhaft wirkt.

Als Lukas dann – allein schon wegen Sylvia – versucht, Mitglied in der schon erwähnten Clique zu werden, spitzt sich die Geschichte langsam dramatisch zu. Kampftrinken ist unter diesen Jugendlichen nämlich ein festes Ritual, und wer dazugehören will, trinkt halt mit. Viel Harmonie gönnt der Regisseur seinem Hauptdarsteller nicht, da ist der Film ganz ehrlich. Dennoch deutet er auch an, dass es auch für einen jugendlichen Trinker wie Lukas immer noch einen Ausweg aus der drohenden Sucht geben kann.

Bei allem Lob über den aufklärerischen Anspruch und die filmische Umsetzung eines wichtigen Themas, stört eines jedoch arg. Das soziale Umfeld des Protagonisten ist leider ziemlich schablonenhaft konstruiert. Und die handelnden Personen wirken dadurch bisweilen blutleer wie aus einem gut gemeinten Film der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Weniger Klischees und mehr psychologische Tiefe hätten „Komasaufen“ gut zu Gesichte gestanden.

Von Ernst Conrinth

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