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Medien & TV Die Bullyparade
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07:48 08.10.2013
Von Imre Grimm
Die Sitcom zum Kinofilm: In „Bully macht Buddy“ spielt „Bully“ Herbig (2. v. r.) sich selbst. Mit dabei: Rick Kavanian, Ricks „Schwester“ Gisa Flake (l.) und Bullys „Freundin“ Nina (Sandra Koltai). Quelle: dpa
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Die Nachricht klang erst mal nach potenziellem Fernsehgold: eine Sitcom von und mit Michael „Bully“ Herbig. Bei Pro7. Elf Jahre nach dem Ende seiner unvergessenen „Bullyparade“, die damals dem TV-Dadaismus, dem gehobenen Blödsinn den Weg ebnete. Herbig selbst werde die Hauptrolle spielen, hieß es schon im Sommer – und zwar mit dem erklärten Anspruch, endlich den Nachweis zu erbringen, dass auch deutsche Fernsehmacher in der Lage sind, unpeinliche Sitcoms nach US-Muster vor Livepublikum zu produzieren, wenn sie nur genügend Liebe, Handwerk und Engagement aufwenden. Herbig, der Filmfreak, der die Kinoästhetik in TV-Sketche brachte und dann mit dem „Schuh des Manitu“ oder „(T)Raumschiff Surprise“ zu einem der erfolgreichsten deutschen Regisseure wurde, schien der richtige Mann dafür.

Nun hat Herbigs Heimatsender Pro7 erste Details zur neuen Serie verraten – und die klingen ernüchternd. „Bully macht Buddy“ heißt die Comedyreihe. Sie startet am Montag, 18. November, um 21.45 Uhr auf dem Sendeplatz der Physikersause „The Big Bang Theory“. Herbig hat – das ist der erfreuliche Teil – seinen alten Kampfgenossen Rick Kavanian wieder an Bord geholt. In der Story geht es – das ist der weniger erfreuliche Teil – um Herbigs Arbeit an seinem neuen, ganz konkreten Kinofilm „Buddy“. Der kommt praktischerweise am 25. Dezember ganz real in die Kinos – zwei Tage nach der letzten Folge von „Bully macht Buddy“. Pro7 freut sich euphemistisch über die „erste Sitcom zu einem Kinofilm“. Man könnte aber auch sagen: Herbigs lang erwartetes TV-Comeback ist nicht mehr als eine XXL-Werbemaßnahme für seinen neuen Film. Hoffentlich ist es wenigstens lustig.

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Der 45-Jährige spielt in „Bully macht Buddy“ eine überdrehte Version seiner selbst. Er steht als Regisseur mächtig unter Druck, hat noch keine Darsteller, noch dazu wird sein Budget knapp, und sein Privatleben wackelt. Das merkt er allerdings erst, als Freundin Nina (Sandra Koltai) ihn verlässt. Noch dazu quartiert Kumpel Rick seine seltsame Schwester Aida (Gisa Flake) bei ihm ein. Ein klassischer Sitcom-Plot also mit allen branchenüblichen Optionen: schusselige Kumpels, allerhand Liebeswirren, eine unorthodoxe weibliche Nebenrolle, dazu eine wohlgeratene Standardblondine à la Penny in „The Big Bang Theory“. Keine Doku, sondern eine überspitzte, fiktive Entstehungsgeschichte einer allerdings echten Kinokomödie, in der „Bully“ einen eifrigen, aber tapsigen Schutzengel spielt.

„Es ist ein unglaublicher Spaß, für eine Sitcom vor Publikum zu spielen“, lässt sich Herbig zitieren. Und dass Kavanian dabei sei, „treibt den Spaßfaktor noch weiter in die Höhe“. Nach sechs Jahren „Bullyparade“ drehten beide für Pro7 zuletzt bis 2006 die Sketchreihe „Bully & Rick“, die allerdings ein Geheimtipp blieb. Danach schien Herbig schon ans Kino verloren – bis er 2008 einen ersten Versuch startete, eine seiner Kinoproduktionen mit einer TV-Reihe zu flankieren. Der geriet freilich recht schwergängig: Die Pro7-Castingshow „Bully sucht die starken Männer“ – in der Herbig Schauspieler für die Rollen der Wikinger Snorre, Gorm, Faxe, Tjure, Urobe und Ulme in seinem „Wickie“-Film suchte – war kein Quotenhit.

Dabei birgt die Überhöhung des eigenen Lebens als halbwahre Basis einer TV-Show allerhand komisches Potenzial: „Pastewka“ ist das prominenteste deutsche Beispiel, wo Bastian Pastewka Bastian Pastewka spielt. In den USA ist die selbstreferenzielle Ausbeutung der eigenen Biografie für humoristische Zwecke ein eigenes Genre: „Curb Your Enthusiasm“ etwa ist ein großer HBO-Hit. Darin geht es um „Seinfeld“-Erfinder Larry David als er selbst. Weder Pastewka noch David freilich werben in ihren Shows für ganz reale Kinofilme – ihre Episoden wirken also nicht wie dreißigminütige Werbeclips. Doch es ist kein Wunder, dass Pro7 dem verlorenen Sohn Herbig derlei Freiheiten einräumt. Schließlich prägte „Bully“ einst das Comedyimage des Senders, von dem dieser bis heute zehrt. „Ich habe allergrößten Respekt vor so viel Kreativität“, schwärmt Pro7-Geschäftsführer Wolfgang Link. Wahrscheinlich hätte „Bully“ auch den Pro7-Geschäftsbericht verfilmen dürfen.

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