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Medien & TV Männer, die durchs Feuer gehen
Nachrichten Medien & TV Männer, die durchs Feuer gehen
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00:20 18.06.2014
Beim Einsturz einer Baugrube wurden drei Arbeiter verschüttet. Feuerwehrmann Matthew Casey (Jesse Spencer) gibt alles, um das Leben der Männer zu retten.Foto: Vox Quelle: Mon Amour
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Chicago

Es ist ein winziger Augenblick, der den Routineeinsatz zum Inferno werden lässt. Die Tür eines brennenden Wohnhauses klappt zu. Der Luftzug reißt ab. Plötzlich steht Andy Darden, der größte Spaßmacher seines Löschzugs, inmitten eines Feuerballs und verbrennt. „Chicago Fire“ beginnt mit einer Tragödie, die sofort klarmacht: Hier geht es nicht um verrußte Helden, die alles unter Kontrolle haben. Hier geht es um Todesgefahr. Tag für Tag.

Von Montag an ist die NBC-Serie bei Vox zu sehen - sie läuft damit erstmals im deutschen Free-TV. Und man muss zweimal hinsehen, um Hauptdarsteller Jesse Spencer zu erkennen. In der Erfolgsserie „Dr. House“ spielte er Dr. Robert Chase, den blond gelockten Schönling im Diagnostikerteam des schrulligen Serienhelden. In „Chicago Fire“ gibt er Lieutenant Matthew „Matt“ Casey - mit raspelkurzen Haaren, Hundeblick und muskelbepacktem Oberkörper. Als Chef des Löschzugs 81 gerät Casey immer wieder mit dem Leiter der Personenrettung, Kelly Severide (Taylor Kinney, laut Boulevard übrigens der Neue an der Seite der Popsängerin Lady Gaga), aneinander. Der Hintergrund dafür ist, dass er Severide die Schuld an dem tödlichen Unfall des Kollegen gibt. In der Feuerwache liegen die Nerven dementsprechend blank. Als wäre das noch nicht genug, zieht noch mehr Ärger auf: Eine Sanitäterin rammt einem Kind eigenmächtig eine Spritze ins Herz, um es zu retten. Darüber hinaus machen der Truppe auch noch private Probleme zu schaffen. Gerade erst hat Casey seine Verlobung gelöst. „Ich würde dich morgen heiraten, wenn ich wüsste, dass wir die gleichen Pläne haben“, wirft er ihr vor. Sie will keine Kinder: „Ich bin Assistenzärztin. Ich kann keine Familie gründen.“ Fast alle auf der Wache haben heftige Nöte im Alltag zu bewältigen - vom versteigerten Eigenheim bis zur Medikamentensucht.

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Eingestürzte Rohbaudecken, schwere Verkehrsunfälle, Kugeln im Kopf und immer wieder Flammen: „Chicago Fire“ zeigt die volle Bandbreite des Feuerwehralltags in Chicago. Zwischen den rauchvergifteten, zerschmetterten und angekokelten Menschen, die es zu retten gilt, bleibt immerhin immer noch Zeit für ein bisschen Komik. In einer Szene will ein Mieter den Brandort nicht verlassen. Seine Herdplatte hat das Feuer ausgelöst. Er hat Angst, auf die Straße gesetzt zu werden. Rotzfrech reden die Retter der Vermieterin ein, ihre Mikrowelle sei schuld gewesen: „Ihr Haus wäre beinahe abgebrannt, wenn dieser Mann nicht die Feuerwehr gerufen hätte.“ Und sein Kollege schwindelt Ehrerbietung: „Sir, ich möchte Ihnen danken. Ich bin noch keinem begegnet, der so tapfer ist.“ Der Mann bleibt.

Eine klasse Kameraführung und schöne Regieeinfälle wie die Ratten, die aus einem der brennenden Häuser fliehen, tragen zum Charme von „Chicago Fire“ weit mehr bei als das Dauerfeuer an Action und der Plot, den man aus Polizei- und Arztserien kennt. In den USA geht die Serie bereits in die dritte Staffel und gewinnt noch immer Zuschauer dazu.

Von Christof Bock

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