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Medien & TV Gummibärchen und Babyschwimmen
Nachrichten Medien & TV Gummibärchen und Babyschwimmen
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00:16 20.01.2014
Von Tatjana Riegler
Schöne Menschen kann nichts entstellen: Der „Sportclub“-Fundus ist reich an modischen Verirrungen - wie etwa Steffen Simons Vogelnestfrisur. Quelle: NDR
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Hannover

Diese blöden Gummibärchen! Da saß Fußballtrainer Ewald Lienen also im Studio und sollte die Frage beantworten, warum er Gummibärchen strikt ablehnt. Während Kollege Frank Pagelsdorf neben ihm beherzt zugriff, kriegte sich Lienen kaum noch ein: „Es weiß jeder, der ein bisschen was von Sport versteht, dass das hier nicht hingehört“, zickte Lienen. Und: „So etwas kann man sich nicht erlauben, wenn man seriöse Sportberichterstattung betreibt.“

Man kann. Und, um Lienen zu widersprechen, der „NDR Sportclub“ betreibt trotzdem eine seriöse Sportberichterstattung. Seit 40 Jahren schon, jeden Sonntag, nur der Name des Formats und die Anfangszeit wechselten mehrfach. Längst ist die Sendung eine Institution im norddeutschen Fernsehen, die die wichtigsten Sportereignisse, die prominentesten Sportler, die bewegendsten und originellsten Sportgeschichten des Nordens präsentiert. Und die mit unverwechselbaren regionalen Inhalten eine Kompetenz herauskehrt, die der „ARD-Sportschau“ oder dem „Sportstudio“ im ZDF als Bespieler der Komplettnation nicht gegeben sein können.

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Seit 40 Jahren blickt der NDR im Sportclub am Sonntag auf das sportliche Wochenende zurück. Die schönsten Momente:

Dabei sollten anfangs gar nicht die Profikicker im Mittelpunkt stehen – im Gegenteil: Weil die Fußball-WM 1974 alle anderen Sportarten zu verdrängen drohte, wollte der damalige NDR-Sportchef Horst Seifert ein Gegengewicht schaffen. Es gelang ihm; am 13. Januar 1974 ging „Sport III“ auf Sendung. Der erste Moderator hieß Fritz Klein, der Untertitel „Aus der Region – Für die Region“.

Dieser Anspruch besteht bis heute, wenngleich der Ankündigungstrailer von damals heute unfreiwillig komisch wirkt: „Sport am Sonntagabend ist ein Magazin mit aktuellen Beiträgen natürlich, aber auch mit Hintergrundberichten, mit Porträts, Diskussionen und vielen Anregungen für den Hobby- und Freizeitsport“, hieß es. Gemeint waren damit auch Babyschwimmen und Boßeln, Volkslauf und Schweinerennen.

Unfreiwillig komisch wirken im Rückblick auch die Modesünden der Moderatoren. Ludwig Evertz trug Testbildpulli (in Russisch-Grün? Schilf? Mauve?), Steffen Simon eine Fliege. Gerhard Delling kramte papageienähnliche Krawatten hervor, Andreas Käckell einen pinkfarbenen Rolli; Wilfried Hark tarnte sich mit lila Hemd vor lila Studiowand, und Jörg Wontorra ließ geringelte Tennissocken unter der Anzughose blitzen. Dazu trugen fast alle unfassbare Schnauzbärte im Gesicht und Vokuhilas auf dem Kopf.

Oder die Studiodekoration. Gerald Asamoah und Otto Addo, der Hannoveraner und der Hamburger mit ghanaischen Wurzeln, wurden einfach mal auf einen afrikanischen Dorfplatz gesetzt (lange vor der Jim-Knopf-Stadtwette bei „Wetten, dass ...?“). Gerhard Delling moderierte aus einem überdimensionalen Adventsgesteck heraus (Vorteil: Die Kerze überstrahlte die Krawatte). Die Wintersportler Susi Erdmann und Christoph Langen durften es sich vor einer Alm gemütlich machen, während ein Karatekämpfer es tatsächlich schaffte, einen Splitter vom frisch zerteilten Holz im Wasserglas von Günter Netzer zu versenken, der meterweit hinter ihm saß. Und immer wieder traten Musiker auf, von Udo Lindenberg und Achim Reichel bis Mike Krüger.

Abschrecken ließ sich davon niemand. Sie waren alle da: Uwe Seeler und Franz Beckenbauer, Michael Stich und Franziska van Almsick, Alwin Schockemöhle und Peter-Michael Kolbe. Weltmeister und Olympiasieger aus dem Norden oder im Norden aktiv, von Beginn an setzte „Sport III“ auf hochkarätige Gäste. Die Besucherliste führt unangefochten Felix Magath mit 25 Auftritten und einem Telefonat (nach seiner Trainerentlassung beim HSV 1997) an – 25 verschiedene Brillen und einen Pfefferminztee inklusive. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

Den 40. Geburtstag feiert der NDR am Sonntag von 22.30 Uhr an mit der Sendung „Glückwunsch Sportclub”. Gerhard Delling und Alexander Bommes moderieren.

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