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Medien & TV "Nachrichten sind kompliziert"
Nachrichten Medien & TV "Nachrichten sind kompliziert"
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17:16 29.03.2012
Von Nora Lysk
Der RTL-Chefredakteur und Moderator der Nachrichtensendung RTL aktuell, Peter Kloeppel Quelle: dpa
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Berlin

Herr Kloeppel, wie ist die Lage in Lampukistan?

Ich habe zwar noch nie über Lampukistan berichtet. Aber ich werde häufig drauf angesprochen, wie die Lage vor Ort gerade so ist.

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Sie kennen also Ihre eigene Parodie von Michael Kessler bei „Switch reloaded“, in der Peter Kloeppel regelmäßig ins fiktive Lampukistan schaltet?

Klar, der macht das richtig gut.

Wie fühlt sich das an, dienstältester Nachrichtenmoderator Deutschlands zu sein?

Ich beginne das erst jetzt so langsam zu realisieren. Als Nachrichtenmenschen denken wir nicht in so großen Zeitbögen. Und als wir damals auf Sendung gingen, war ich grade mal 33 Jahre alt - da denkt man auch noch nicht so weit.

Fühlten Sie sich mit diesem Format von Anfang an ernst genommen?

Am Anfang war uns schon klar, dass wir im Konzert mit „heute“ und „Tagesschau“ erst mal nicht mithalten werden. Wir sind 1984 gestartet mit dem Ansatz: Wir machen alles ganz anders - Politik spielt natürlich eine Rolle, aber es gibt viele andere Themenbereiche, die für die Menschen interessant sind. Als ich dann 1990 als Korrespondent ins Ausland ging, merkte ich, dass sich da etwas entwickelt bei RTL. Da war mir klar: Auf Dauer wird man nicht mehr über uns lächeln. Heute ist das kein Thema mehr. Allein von der Zahl der Zuschauer sind wir zwar hinter der „Tagesschau“, was die Marktanteile angeht, liegen wir aber gleichauf. Den Politikanteil haben wir über die Jahre deutlich erhöht. Die wichtigsten Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen ähneln sich heute insofern, dass die wichtigen Themen des Tages bei allen drei oft die gleichen sind.

Ist die „Tagesschau“ eine Konkurrenz?

Grundsätzlich schon, im täglichen Geschäft spielt das aber keine Rolle. Wir sind 75 Minuten früher dran als die Kollegen von der ARD. Und wir haben in Teilen ein anderes Konzept.

Bleiben wir bei der Konkurrenz. Was bewundern Sie an Ihrem ARD-Kollegen Tom Buhrow am meisten?

Bewunderung ist das falsche Wort, aber ich freue mich über den Ehrgeiz aller Nachrichtenmoderatoren, in 20 Minuten das Geschehen eines ganzen Tages aufzubereiten.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten die „Tagesschau“ relaunchen...

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Kollegen von der ARD meinen Ratschlag nicht suchen - und dass sie ihn auch nicht brauchen. Die „Tagesschau“ ist eine in sich geschlossene und gut funktionierende Sendung.

Und doch für einen Teil des Publikums offenbar zu kompliziert ...

Das ist grundsätzlich ein Problem aller Nachrichtensendungen, weil wir teilweise sehr komplexe Themen in sehr kurzer Zeit präsentieren. Wir müssen uns da alle immer wieder am Ohr ziehen und uns fragen, ob das jetzt der 18-jährige Zuschauer genauso gut versteht wie jemand mit 48 oder 80 Jahren.

Und die eigene Sendung: Was würden Sie da verändern?

Wir fragen uns das jeden Tag. Nach jeder Sendung sitzen wir zusammen und überlegen, was wir besser machen können. Das hat auch mit der zunehmenden Dichte von Nachrichten im Internet zu tun.

Vielleicht ein Schuss mehr Emotionalität?

Nein, und man sollte auch nicht versuchen, Nachrichten zu emotionalisieren. Auch Grafiken muss man dosiert einsetzen. Nachrichten sind eine komplizierte Sache für das Gehirn, man muss vieles gleichzeitig registrieren, da sollten wir die Zuschauer nicht überfordern.

Trügt der Eindruck, dass „RTL aktuell“ vor allem Katastrophen-News enthält?

Es gibt bei uns keine gehäufte Ballung von Katastrophen-Themen. Auch wenn die natürlich - wie bei den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF - immer wieder mal dazugehören. Schließlich müssen wir die Welt in ihrer ganzen Breite abbilden.

Sie haben 4500-mal „RTL aktuell“ moderiert. Denken Sie nicht manchmal: Es wäre doch schön, noch mal was anderes zu machen - eine Talkshow zum Beispiel?

Ich laufe bestimmt nicht den ganzen Tag durch die Gegend und sage mir: Mensch, du musst jetzt dringend noch ’ne Talkshow moderieren, um dich weiterzuentwickeln. Ich habe das nie so gefühlt, dass Stillstand war.

Erinnern Sie sich an Ihre größte Panne?

Extrem unangenehm fand ich, als ich einmal nicht nur vergaß, mein Mikro anzustecken, sondern drauf saß. Die Leute hörten meine Stimme gar nicht. Und unter meinem Allerwertesten guckte ein Kabel hervor. Ich fand’s ganz grässlich. Und manchmal macht die Verbindung zwischen Hirn und Zunge schon merkwürdige Mätzchen. In einer Meldung über die Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen habe ich von „Ministerpräsident Kraftin“ gesprochen anstatt von „Ministerpräsidentin Kraft“. Da habe ich mich auch gefragt: Was war das denn jetzt gerade?

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