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Medien & TV Netzwerk in China spionierte Computer in 103 Ländern aus
Nachrichten Medien & TV Netzwerk in China spionierte Computer in 103 Ländern aus
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16:07 29.03.2009
Das Netzwerk hat Computer von Außenministerien, Botschaften und internationalen Institutionen ausspioniert – aber auch den Dalai Lama. Quelle: Marcus Brandt/afp
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Bis zu 30 Prozent der mindestens 1295 ausspionierten Rechner seien "hochrangige Ziele" wie die Computer von Außenministerien, Botschaften, internationalen Institutionen, Medien und Organisationen, heißt es in einem vom Munk-Zentrum für Internationale Studien der Universität von Toronto veröffentlichten Bericht. Die Experten gaben dem Netzwerk den Namen "GhostNet" ("Geisternetz").

Eine Beteiligung der chinesischen Regierung lasse sich aus den Angaben jedoch nicht ableiten, zumal in China die größte Internet-Nutzergemeinde der Welt lebe, heißt es in dem Bericht. Die massenhaften Hackerangriffe waren aufgefallen, als der Dalai Lama, das von China scharf kritisierte geistliche Oberhaupt der Tibeter, das Munk-Zentrum wegen des Verdachts auf von außen eingeschleuste Programme um eine Untersuchung seines Computers bat. Diese ergab nach Angaben der Fachleute, dass nicht nur dieser, sondern auch Rechner von Büros des Dalai Lama in Indien, Brüssel, London und New York und andere Computer ausspioniert worden waren. In weniger als zwei Jahren wurden dem Bericht zufolge rund 1300 Computer infiltriert.

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Abgesehen vom Dalai Lama konzentrierte sich das überwiegend von chinesischem Gebiet aus agierende Netzwerk dem Bericht zufolge auf Regierungsinternetseiten in Süd- und Südostasien. Computer der US-Regierung seien offenbar nicht infiltriert worden. Ein NATO-Rechner sei aber einen halben Tag lang ausspioniert worden, außerdem wurden Computer der indischen Botschaft in Washington angegriffen.

"Dieser Bericht ist ein Weckruf", erklärten die Autoren des Berichts. Die Fälle zeigten "die relative Leichtigkeit, mit der ein technisch wenig ausgeklügeltes Vorgehen schnell für ein sehr wirksames Spionagenetzwerk missbraucht werden" könne. Das "GhostNet" ist dem Bericht zufolge weiter aktiv und spioniert wöchentlich ein Dutzend weitere Computer aus.

afp