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07:00 29.10.2015
Brutale Bonmots: Maggie Smith als Gräfin von Grantham in der britischen Serie "Downton Abbey". Quelle: ZDF/dpa
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Mainz

Diese Dame möchte man weder zur Feindin noch zur Schwiegermutter haben. Man möchte ihr aber unentwegt zuhören, wie sie einen herrlich snobistischen Spruch nach dem anderen von sich gibt. Die verwitwete Gräfin von Grantham, gespielt von Maggie Smith, ist der Star der britischen Serie "Downton Abbey".

Beim ZDF läuft ab Sonntag die vierte Staffel, im Original ist man schon in der sechsten und letzten angekommen. Darin versucht die Gräfin zu verhindern, dass das örtliche Krankenhaus von einem medizinischen Verband übernommen wird. Sie sieht den Einfluss der Crawley-Familie in Gefahr.

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Der schleichende Machtverlust der Adelshäuser und das Aufkommen von Bürgerbewegung und moderner Technologien sind die Hauptthemen der Serie. Die Gräfin wirkt dabei wie eine Gestalt aus einem Tschechow-Theaterstück, die sich in die alten Zeiten zurücksehnt.

Auf einen edlen Gehstock gestützt murmelt Maggie Smith ihre Spitzen, die voll von boshaftem Witz sind. Der "Rolling Stone" schrieb einmal, ihre Bonmots seien brutal genug, um eine Knarre aus "The Walking Dead" wie einen Musicalscherz erscheinen zu lassen. Bei Youtube haben Fans mehrere Videos mit ihren besten Sprüchen zusammengestellt.

Zu ihrem Schwiegersohn Robert sagt die Gräfin schon mal: "Darf ich einen Drink haben? Oh, es tut mir so leid. Ich hielt dich in deinem schwarzen Frack für einen Diener." Auf seine Äußerung: "Es heißt, es sei ein wilder Mann in uns allen", antwortet sie pointensicher: "Wenn er nur drinnen bliebe."

Als Revolutionäre ein Anwesen niederbrennen, kommentiert sie trocken: "Das Haus war hässlich. Obwohl das natürlich keine Entschuldigung ist." Und als der örtliche Arzt sie fragt, ob er etwa für sie lügen solle, antwortet sie: "Na ja, lügen klingt so unmusikalisch."

Niemand kann so wunderbar indigniert blicken und mit einem Gesichtsausdruck verhöhnen wie die 80-jährige Maggie Smith. Als vom "Wochenende" die Rede ist, weiß die Gräfin nicht, was gemeint ist. Sie musste schließlich nie arbeiten. In der Küche im Keller, wo die Dienerschaft als Parallelgesellschaft waltet, war die Lady schon seit 20 Jahren nicht mehr.

Manches Mal überrascht die Gräfin jedoch mit einem geradezu progressiven Auftreten: Als der einstige Chauffeur Tom in die Familie einheiratet, heißt sie ihn nach anfänglicher Skepsis willkommen. Auch steht sie ihrer Lieblingskontrahentin Isobel in Sachen Emanzipation nichts nach.

Einst wäre sie gar beinahe mit einem verheirateten Russen durchgebrannt. Die "Dowager Countess", wie sie im Original heißt, ist sich nicht einmal zu schade, einen Fehler einzugestehen. Als sie einen Dienstboten irrtümlicherweise des Diebstahls bezichtigt, entschuldigt sie sich. Das ist wahre Noblesse.

Die zur Dame geschlagene Schauspielerin begeisterte als 29-Jährige den späteren Schöpfer von "Downton Abbey", als sie im Londoner Old Vic Theatre die Desdemona gab. Auch im Kino machte sie als Charakterdarstellerin ("Gosford Park") Furore, in den "Harry Potter"-Filmen spielte sie die Professorin McGonagal.

Doch der Hype um ihre Person missfällt ihr. Neulich klagte sie in einem Interview darüber, wie sie in Paris "von Amerikanern" bedrängt worden sei, als sie sich Galerien ansehen wollte. Dieser Satz könnte auch von der Gräfin stammen.

Von Nina May

Downton Abbey | ZDF
britische Adelsserie, ab Sonntag, 15.05 Uhr
Bewertung: Vier von fünf Sternen

28.10.2015
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