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19:15 09.04.2009
Im Internet gibt es mehr auf die Ohren als im klassischen Radio: Mehr als 15.000 Sender stehen zur Auswahl. Quelle: Terratec
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Mehr als eine Millionen Webradios wurden Schätzungen zufolge bereits in Deutschland verkauft.

Die neuen Dienste und Techniken sorgen für eine viel größere mögliche Reichweite der Sender: Radio ffn, N-Joy und Co. senden nicht mehr nur in der Norddeutschen Tiefebene. Sie werden so auch auf Mallorca, in Bayern und in San Francisco empfangbar. Andererseits werden in Pattensen, Peine und Poggenhagen nun auch neue konkurrierende Radiosender ausgestrahlt – etwa das „Familyradio“ aus San Francisco, Radio Guiniguada 105.9 FM aus Las Palmas und Antenne Bayern aus München. Radio aus dem Internet verbreitert die Vielfalt. Schätzungen zufolge sind bis zu 15.000 Sender übers Web abrufbar. Darunter sind neben den klassischen Kanälen wie NDR, Antenne und ffn allerhand Kanäle aus Übersee, Spartenprogramme, Exoten wie der Polizeifunk aus Canberra in Australien – und prinzipiell sogar die fürs Web freigeschalteten MP3-Sammlungen von Musikliebhabern aus aller Welt.

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Nur hatte das Internetradio imagemäßig bisher ein Problem: Über die Technikszene hinaus fand es wenig Beachtung. Im Jahr 2000, als die ersten Hersteller Internetradios in die Verkaufsregale stellten, gab es in Deutschland nur 200.000 Breitbandanschlüsse. Ohne die ist aber Webradio weder praktisch noch bezahlbar. Das ändert sich gerade. 2006 gab es schon 15 Millionen Anschlüsse, bis 2015 sollen es 30 Millionen werden.

Das hat Folgen. N-Joy etwa nimmt Hörerwünsche nicht mehr nur per Telefon entgegen. Über einen eigenen Twitter-Kanal stehen die Hamburger mit jenen Hörern in Kontakt, die den Sender im Büro am PC oder unterwegs mit einem internetfähigen Laptop oder Handy hören. Fast in Echtzeit – die Verzögerung eines Twitterbeitrags umfasst meist nur wenige Minuten – stehen die Hörer so nicht nur mit dem Sender in Kontakt, sondern können auch untereinander Bezug nehmen.

Auch wer den NDR hört, bekommt per Web zusätzliche Möglichkeiten: Er hat alternativ zum Liveprogramm die Möglichkeit, per Knopfdruck einzelne Sendungen abzurufen – egal, was gerade wirklich läuft, per Podcast. „Die Bedeutung der Podcasts wächst“, sagt NDR-Programmdirektor Hörfunk, Joachim Knuth. Neue Zielgruppen würden angesprochen. „Und mit Podcasts erhält das vermeintlich flüchtige Medium Radio neue Nachhaltigkeit“, sagt Knuth. Vieles davon ist dann nicht mehr live, sondern aus dem Archiv – und es ist länger abrufbar. „Wired“-Chefredakteur Chris Anderson hat diesen Effekt bereits 2004 als „The Long Tail“ bezeichnete, als den „langen Schwanz“.

Die Geräteindustrie setzt viele Hoffnungen in die Attraktivität der neuen Funktionen. „Damit können wir immer mehr Radiohörer vom Internetradio überzeugen“, sagt etwa Christoph Müllers von Terratec. Die Firma stellt seit Jahren Webradios her. 2009 rechnet er mit dem Durchbruch für die Geräte, die bisher eher ein Nischendasein führten.