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Medien & TV Asterix im Schottenrock
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00:15 26.10.2013
Von Imre Grimm
Am Donnerstag erscheint in 23 Ländern Band Nummer 35 – der erste ohne Uderzo und den 1977 gestorbenen René Goscinny. Und die letzte Chance für eine Reihe, die schon am Ende schien. Quelle: ehapa
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Hannover

Ein paar Monate hielt er durch, zeichnete, grübelte, dann warf er doch hin – der Druck war zu groß. Fast 30 Jahre lang war Fréderic Mébarki der Tuschezeichner von Asterix-Miterfinder Albert Uderzo gewesen, hatte dessen Zeichnungen koloriert, das Rot von Majestix’ Umhang, die blauen Streifen auf Obelix’ Hose, denn Uderzo leidet an einer Rot-Grün-Sehschwäche. Doch jetzt, 2011, saß Mébarki allein an seinem Zeichentisch und sollte selbst verantwortlich sein für die Zukunft der gallischen Helden – als offizieller Nachfolger von Uderzo. Der hatte sich, damals 80-jährig, endlich zurückgezogen – nach seinem schlimmen letzten Album „Gallien in Gefahr“, in dem Aliens und Manga-Figuren den vertrauten kleinen Gallierkosmos zu einem actionüberfrachteten Science-Fiction-Spielplatz für einen albernen Kulturkampf machten.

Gute Nachricht für Asterix-Fans: Am Donnerstag kommt "Asterix bei den Pikten", der neue Band der Comicreihe, in die Läden. Die Zeichnungen stammen erstmals nicht von Uderzo.

Zu viel für Mébarki. Zu drückend lastete das gewaltige Erbe auf ihm: 330 Millionen verkaufte Hefte (davon 100 Millionen in Deutschland), 111 Sprachen und Dialekte (darunter Kreolisch, Esperanto und Latein), acht Kinofilme, diverse Sonderbriefmarken, ein Themenpark. Und so kam Didier Conrad ins Spiel, geboren in Marseille, seit 1996 in Hollywood zu Hause („Wo kann man sonst an einem Comicprojekt arbeiten, das hundert Millionen Dollar kostet?“). Auch er nahm während der neunmonatigen Arbeit an den 44 Seiten 19 Kilogramm ab – aber er hielt durch. Und das ist ein Segen. Denn gemeinsam mit Autor Jean-Yves Ferri gelang es ihm, die gallischen Helden mit dem neuen Band „Asterix und die Pikten“ aus der erzählerischen Sackgasse zu holen – und zurück zu ihren Wurzeln zu führen. Beide Autoren sind 1959 geboren, im Geburtsjahr von Asterix zur Premiere des französischen Comicmagazins „Pilote“.

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5000 Euro Strafe für Whistle-Blower

Zeitgleich erscheint heute in 23 Ländern Band Nummer 35 – der erste ohne Uderzo und den 1977 gestorbenen René Goscinny. Und die letzte Chance für eine Reihe, die schon am Ende schien. Wie immer galt strengste Geheimhaltung. Buchhändler, Verlagsmitarbeiter, Autorenteam – alle mussten Stillschweigen garantieren, sonst drohten 5000 Euro Strafe. Es ist der vertraute Reklamezinnober zur globalen Spannungserzeugung. Fünf Millionen Exemplare beträgt die Startauflage. Beim Verlag gibt man sich euphorisch: „Das dürfte für die ersten zwei Wochen reichen.“ Ferri versprach vorab „viel ,Bonk‘ und ,Blaff‘ und jede Menge Witz“.

Und er hält Wort. Im neuen Heft verschlägt es die beiden Gallier in die britischen Highlands. Die Pikten (lat. picti) – das ist der Name, den die bösen Römer dem stolzen und furchteinflößenden Volk in Schottland gegeben haben. Das Wort bedeutet wörtlich „Die Bemalten“, der blauen Tätowierungen wegen. Klar, dass Obelix irgendwann in einem karierten Schottenrock landet.

Tatsächlich gelingt es Ferri, die Umständlichkeiten und Rumpeligkeiten der Uderzo-Ära abzustreifen, ohne sich zeitgeistigen Moden allzu plump um den Hals zu werfen. Danke dafür, dass Justin Bieber, Lady Gaga oder andere Aliens keine Erwähnung finden. Conrads Strich ist minimal flächiger, die Feder einen Tick breiter. Was nicht fehlt: Wildschweine, Prügeleien, Gelage (ohne Troubadix), Liebeswirren, Baumweitwurf und ein Schotte namens Mac Oloch, optisch eine Würdigung des 1951 von Goscinny und Uderzo erfundenen Comicindianers Umpah-Pah.

Keine Aliens mehr in Gallien

Schweren Herzens, sagt Uderzo, habe er selbst von Asterix Abschied genommen: „Als ich mich entschieden habe, den Pinsel wegzulegen, zog sich mein Herz zusammen.“ 2008 verkauften er und Goscinnys Tochter Anne ihre Anteile am Asterix-Verlag Albert René an den Comic-Konzern Hachette – inklusive der Erlaubnis, die Reihe fortzuführen. Den neuen Szenaristen Ferri traue er viel zu, sagt Uderzo: „Als ich seinen ersten Vorschlag für ein Szenario las, musste ich laut lachen – lauter, als ich eigentlich vor hatte. Diese beiden komischen Käuze haben eine hervorragende Arbeit hingelegt.“

Er selbst hingegen tat sich immer schwerer ohne den Witz und Geist von Goscinny. Der war 1977 nach 24 gemeinsamen Bänden mit nur 51 Jahren bei einem ärztlichen Belastungstest an einem Herzinfarkt gestorben. Der letzte Goscinny/UderzoBand, „Asterix bei den Belgiern“, erschien 1979. Das Alien-Elend in Uderzos zehntem und letzten Solo-Heft bezeichnet der Verlag euphemistisch als „vieldiskutierte Hommage an Walt Disney“. Richtiger wäre gewesen: Blamage.

Einstellen? Schotten dicht? Heldentod? Ganz Galllien doch endlich von den Römern besetzt? Es war knapp. „Asterix ist ein mit Bleistift gezeichneter kleiner Kerl, den man wegradieren kann, das ist alles“, hat Goscinny mal gesagt. Mit Band Nummer 35 hat er wieder eine Zukunft.

„Asterix bei den Pikten“, Egmont Comic Collection, 12 Euro. www.asterix.de

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