Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV „In Unterhaltung steckt ,Haltung‘“
Nachrichten Medien & TV „In Unterhaltung steckt ,Haltung‘“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:04 04.02.2014
Max Uthoff (46, links) und Claus von Wagner (36) übernehmen heute ab 22.15 Uhr die ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ – als Nachfolger von Urban Priol und Erwin Pelzig. Gäste sind Simone Solga, Nico Semsrott und Matthias Egersdörfer.
Anzeige

Herr von Wagner, als Dieter Hildebrandt 2003 „Scheibenwischer“ verließ, gaben Sie Ihre Magisterarbeit über „Politisches Kabarett im deutschen Fernsehen“ ab. Was hat sich daran seither geändert?

Claus von Wagner: Ohne Dieter Hildebrandt war es nicht mehr wie zuvor, 3sat hatte Richard Rogler abgesetzt, das ZDF war völlig blank – da wurde schon das Ende des Kabaretts im Fernsehen ausgerufen.

Anzeige

Max Uthoff: Zum Glück entdeckte ZDF-Programmchef Thomas Bellut damals das Kabarett wieder für den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag und hievte „Neues aus der Anstalt“ in den Sender. Seitdem geht es dem ZDF satirisch am besten.

Manchmal muss nur mal einer etwas Pionierarbeit leisten.

Wagner: Das sieht man auch an der „heute-Show“ oder „Pelzig hält sich“.

Dessen Darsteller Frank-Markus Barwasser nebst Urban Priol nun von Ihnen abgelöst wird. Ist das ein Generationen- oder bloß ein Personalwechsel?

Wagner: Ach, so viel älter sind die beiden auch nicht als ich mit meinen 36 und Max mit 46 Jahren.

Uthoff: Was unser Alter mit sich bringt, ist vielleicht, dass unsere Bühnenfiguren noch frisch sind.

Wagner: Im Unterschied zu uns waren Georg Schramm und Urban Priol bei ihrem Einstieg schon ziemlich populär, fast auf dem Höhepunkt; wir müssen noch mit dem Format wachsen.

Sie bringen aber schon mal eine neue Sachlichkeit hinein, indem Sie nicht wie Ihre Vorgänger Hawaiihemd und Cordhut tragen, sondern Anzug und Krawatte.

Uthoff: Eine Bühnenfigur versucht nicht zwingend vom Inhalt abzulenken, sondern eine neue Ebene zu erlangen; formale Strenge muss nicht mit inhaltlicher konkurrieren.

Wagner: Kabarettistisch ist mir das Äußere ohnehin egal.

Uthoff: Und Georg Schramm hat dem Wort im heutigen Kabarett ungeachtet seiner drei Verkleidungen eine Sprachgewalt zurückgegeben, die es nicht bei vielen gibt.

Werden Sie die Arbeit der alten „Anstalts“-leiter dennoch rundum erneuern?

Wagner: Die „Anstalt“ war leer, darüber waren wir traurig und besetzen sie jetzt neu, aber man muss nicht immer alles erneuern. Wir machen das, was uns antreibt, mit den Themen, die uns interessieren: Stichwort Finanzen oder Wachstum. Im Kabarett wird der Begriff des Neuen sowieso eingeschränkt durch den des Aktuellen.

Uthoff: Kabarettisten schnitzen sich keine Missstände, sondern bewerten bestehende aus eigener Sicht heraus. Was wir da anders machen wollen, ist, einzelnen Themen mal mehr Zeit zu widmen, als alles abzuhandeln, was die Woche über in den Nachrichten von Belang war.

Wagner: Wir werden sicher nicht monothematisch. Aber wenn es genug Stoff gibt, kann es zu längeren Abhandlungen kommen.

Sie beide sind juristisch ausgebildet, Max Uthoff gar bis hin zum 2. Staats-examen. Verändert die Kenntnis des Rechts den Humor?

Uthoff: Andersrum stimmt es – man braucht Humor, um das Recht zu studieren. Aber was ich im Studium gelernt habe, ist eine gewisse Übung, Texte genau zu lesen. Da entdeckt man bei der Zeitungslektüre eher mal gewaltigen Schwachsinn, den andere für normal halten.

Wagner: Bei mir war es eher die Tatsache, dass mein Vater Jurist ist. Er hat stets so strukturiert und flüssig argumentiert, dass auch ich gelernt habe, Diskussionen schärfer zu führen und mich darin zu behaupten.

Uthoff: Im Recht wie im Kabarett geht es eben darum, seine eigene Sicht der Dinge so plausibel zu machen, dass die Zuhörer, also letztlich Richter, erst zuhören, dann zustimmen.

Wagner: Das Schöne ist nur, dass wir sowohl die Plädoyers halten als auch urteilen dürfen.

Uthoff: Sogar ohne die geringste Ahnung vom Thema zu haben.

Haben Ihnen Ihre juristisch geprägten Elternhäuser denn auch den Humor mitgegeben?

Wagner: Ich bin spät zum Kabarett gekommen, so mit zwölf Jahren [Uthoff lacht] und hatte mein endgültiges Coming-out um die 20. Mit dem Elternhaus hatte das weniger zu tun.

Uthoff: Mein Vater hatte ja ein eigenes Kabarett. Dass der Humor bei mir genetisch bedingt ist, schafft zwar nicht automatisch einen Kabarettisten, aber einen respektlosen Umgang mit Macht und deren Protagonisten.

Wollten Sie als Kabarettistendie Gesellschaft verändern oder nur gut unterhalten?

Uthoff: Beides. Wer sich zu sehr aufs Verändern beschränkt, wird niemanden gut unterhalten und umgekehrt.

Wagner: In guter Unterhaltung steckt eine Haltung. Die war mir und uns immer wichtig.

Uthoff: Und man muss sich vor der verbreiteten Einschätzung hüten, Kabarett könne nur in Diktaturen was bewirken. Das ist gefährlicher Unfug, weil man dann, um gutes Kabarett zu wollen, die NPD wählen müsste.

Wagner: Aber keine Sorge: Auch, wenn Kabarettisten keine Angst mehr um Leib und Leben haben müssen, kann man mit den vorhandenen Missständen gut arbeiten. Die „Anstalt“ bietet uns dafür eine gute Bühne.

Wenn man in Ihrem Alter diesen Gipfel deutschen Kabaretts erreicht hat – was kann dann in der Karriere überhaupt noch kommen?

Wagner: Preise fürs Lebenswerk!

Interview: Jan Freitag

Medien & TV Letzter Auftritt der Dschungelcamper - Wiedersehen macht Freude
03.02.2014
Karsten Röhrbein 17.02.2014
Medien & TV Erotik-Model Melanie gewinnt RTL-Show - Königin mit Kuschelmaus
Christiane Eickmann 04.02.2014