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Medien & TV PRO7 zeigt den Zweiteiler „Go West – Freiheit um jeden Preis“
Nachrichten Medien & TV PRO7 zeigt den Zweiteiler „Go West – Freiheit um jeden Preis“
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19:20 05.01.2011
Von Ernst Corinth
Ein halb garer Plan wird zum Abenteuer: Die Freunde Frank (Sergej Moya, Mitte), Thomas (Franz Dinda, links) und Alex (Frederick Lau, rechts) wagen 1984 die Flucht aus der DDR.
Ein halb garer Plan wird zum Abenteuer: Die Freunde Frank (Sergej Moya, Mitte), Thomas (Franz Dinda, links) und Alex (Frederick Lau, rechts) wagen 1984 die Flucht aus der DDR. Quelle: PRO7
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Ein echtes „TV-Event“ ohne dunkles Mittelalter, ohne verruchte Wanderhure und finstere Verschwörung? Geht das derzeit überhaupt? PRO7 versucht es mit „Go West“, einem von Teamworx produzierten Fluchtdrama in zwei Teilen, das 1984 in der DDR seinen Anfang nimmt und dann quer durch den damaligen Ostblock führt.

Und erstaunlicherweise wird dabei auf sentimentale Ostalgie verzichtet, aber auch auf jegliche zeithistorische Aufklärung. Regisseur Andreas Linke und Drehbuchautor Matthias Pacht erzählen eine aufregende Abenteuergeschichte, in deren Mittelpunkt Action und ein bisschen Sex stehen und vor allem drei junge Akteure, die zum Besten zählen, was der Nachwuchs im deutschen Film und Fernsehen hergibt: Frederick Lau (21 Jahre, „Neue Vahr Süd“), Sergej Moya (22, „Mein Vater“) und Franz Dinda (27, „Mogadischu“), die später noch durch den ehemaligen Soapstar Inez Björg David („Ver­botene Liebe“) gut und hübsch ergänzt werden.

Die Geschichte beginnt in einer Stadt in Brandenburg im Frühsommer ’84. Gerade hat der 18-jährige Abiturient und Laienschauspieler Frank Korbach (Moya) erfahren, dass er an der Ost-Berliner Schauspielschule Ernst Busch vorsprechen darf. Ein großer Traum könnte für den jungen Mann wahr werden. Da trifft er auf seinen alten Freund Thomas (Dinda), der nicht zum Dienst bei der Volksarmee erschienen und damit fahnenflüchtig ist. Inzwischen suchen ihn schon das Militär und die Stasi. Zusammen mit seinem ziemlich naiven Kumpel Alex (Lau) will er noch in der gleichen Nacht in den Westen fliehen – ein Plan, den die drei Freunde schon lange hegen.

Dennoch möchte Frank wegen der erhofften Schauspielerkarriere lieber in der DDR bleiben, ist aber bereit, Thomas und Alex mit dem Auto seines Vaters in die Nähe der Grenze zu fahren. Doch dort wartet bereits die Stasi, die die drei von nun an verbissen jagt. Und einer der „Jäger“ ist ausgerechnet Franks Vater, ein hoher Stasi-Offizier, der glaubt, seinem Sohn so noch irgendwie helfen zu können. Die drei Jungs schlagen sich bis Gera durch, dort lebt der geheimnisvolle Fluchthelfer Max Steiner (Jan-Gregor Kremp), genannt „das Wiesel“, zusammen mit seiner Tochter Marie (David). Er ist schließlich bereit, ihnen zu helfen. Und gemeinsam machen sie sich nun auf den Weg über Prag und Budapest bis nach Belgrad – in der Hoffnung, dass ihnen dort die bundesdeutsche Botschaft weiterhelfen kann.

Erzählt wird diese Geschichte in einem erstaunlich hohen Tempo und mit allem, was dazugehört; aufregende Zwischenfälle, böse Überraschungen, explosive Schießereien und halsbrecherische Actioneinlagen. Szenen, die nie billig wirken oder nur vordergründig eingesetzt werden, sondern für eine TV-Produktion mehr als solide inszeniert sind. Natürlich gibt es auch richtig Böse und Gute, also die Stasi und die sympathischen, abenteuerhungrigen Jungs. Und einen echten Verräter.

Kleine Fehler in der Logik und Ungereimtheiten im Ablauf der Geschichte verzeiht man dem nie langatmig wirkenden und immerhin drei Stunden langen Film gern, so aufregend ist das Geschehen. Und obwohl die Action im Vordergrund steht, gelingt es dem Regisseur, die drei jungen Helden und ihre Probleme glaubhaft zu zeichnen, besonders Frank und sein schwieriges Verhältnis zu seinem Stasi-Vater nehmen dabei viel Raum ein.

Mit „Go West – Freiheit um jeden Preis“ präsentiert PRO7 einen frühen Höhepunkt im noch jungen Fernsehjahr. Die Frage ist nur, ob auch das mittelalter­verliebte Publikum mitspielt und sich für eine weitere DDR-Fluchtgeschichte interessiert.

„Go West – Freiheit um jeden Preis“ | PRO7
Zweiteiler mit Frederick Lau
Donnerstag und Freitag, jeweils 20.15 Uhr

Imre Grimm 05.01.2011
Frerk Schenker 03.01.2011