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Medien & TV Wenn Liebe wehtut
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21:58 10.01.2014
Von Christiane Eickmann
Ratlos in Rostock: Die Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) kommen mit ihrem Fall nicht voran. Eine Spur führt ins Sadomasomilieu. Bei dem ermordeten Lehrer haben beide ein entsprechendes Szenemagazin gefunden. Quelle: ARD
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Rostock

Einem Mann in schmuddeliger Unterwäsche, das Gesicht mit einem eisernen Maulkorb verunstaltet, wird die Zunge herausgeschnitten. Er flieht blutüberströmt aus einem düsteren Keller, schafft es gerade noch, ein Taxi zu erreichen, stirbt aber kurz darauf an seinen schweren Verletzungen.

Der „Polizeiruf“, der den Titel „Liebeswahn“ trägt, ist mehr Thriller als klassischer Fernsehkrimi, das macht schon diese für deutsches Fernsehen ungewohnt harte Einstiegsszene deutlich. Die Kommissare Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) tun sich schwer mit dem ungewöhnlichen Fall. Der Getötete war Lehrer, vor seinem Tod waren ihm Beruhigungsmittel verabreicht worden. Die Foltermethoden sprechen zunächst fürs Mafiamilieu, doch bald führt eine Spur in die Sadomasoszene.

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Nicht nur der Fall macht Bukow und König zu schaffen. Bei beiden läuft es privat nicht rund. Ein von der ganzen Last des Lebens gebeugt wirkender Charly Hübner und eine deprimiert-abwesende Anneke Kim Sarnau spielen dies mit großer Intensität und Glaubwürdigkeit. Die Rostocker „Polizeiruf“-Reihe hat es sich zu eigen gemacht, dass das Privatleben seiner Protagonisten nicht nur ab und an im Hintergrund mitläuft, sondern von Fall zu Fall weitererzählt wird. Das ist unterhaltsames Erzählfernsehen für Fans der Reihe, aber von Nachteil für die Zuschauer, die beim letzten Mal nicht mitbekommen haben, dass es in Bukows Ehe schon länger kriselt und die ehemals so quirlige König in einer Therapie ihre verdrängte Kindheit aufarbeitet.

Die ganz persönlichen Katastrophen sind in „Liebeswahn“ von Regisseur und Drehbuchautor Thomas Stiller geschickt mit dem Fall verwoben worden. Der Titel bezieht sich einerseits auf eine wahnhafte Liebe, die Logik und Moral außer Kraft setzt, andererseits aber auch auf die nun nicht gerade außergewöhnliche Liebesaffäre von Bukows Frau Vivian (toll: Fanny Staffa).

Ausgerechnet als diese mit Bukows Kollegen Volker Thiesler (Josef Heynert) im Bett landet, erleidet Sohn Samuel einen schweren Asthma-Anfall. Und so muss Bukow Samuel ins Krankenhaus bringen. Danach ist nichts mehr wie vorher: Eine Gestalt mit Kapuzenpulli verfolgt die Bukows. Nachts klingelt das Telefon, doch niemand meldet sich. Vor dem Haus wird eine Wagenladung Rosen abgekippt, Vivians Auto wird mit dem Schriftzug „Nutte“ verschmiert, König erhält mysteriöse E-Mails. 

Dass der „Polizeiruf“ trotz seines Schwermuts und einiger Logikfehler im Drehbuch sehenswert ist, liegt vor allem an den hervorragenden Schauspielern. Und am sichtbaren Spaß, den Regisseur Stiller dabei hatte, das Horrorgenre zu zitieren. Er selbst nennt den US-Folter-Schocker „Saw“ als Inspirationsquelle. Durch die Kameraführung nimmt der Zuschauer immer wieder wohlig gruselnd den Blick des beobachtenden Täters ein und hat dadurch stets einen Wissensvorsprung vor den Ermittlern. Die Spannung speist sich daher auch nicht aus der Frage, wer der Mörder war, sondern wie Bukow und König sich am Ende selbst retten.

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