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Medien & TV ProSieben startet neue Form des Castingwahns
Nachrichten Medien & TV ProSieben startet neue Form des Castingwahns
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22:47 21.05.2014
Auch die 28-jährige Australierin Coby möchte am Donnerstag punkten - mit ihrem Gesangtalent.
Auch die 28-jährige Australierin Coby möchte am Donnerstag punkten - mit ihrem Gesangtalent. Quelle: ProSieben
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Köln

Bei diesem Duell der Privatsender hat Pro7 die Nase vorn: Die Münchener starten schon heute um 20.15 Uhr ihre neue Musikshow „Keep Your Light Shining“, während RTL mit seinem Konkurrenzformat „Rising Star“ erst später nachzieht. Was die neuen Sendungen von anderen Castingshows unterscheidet, lässt sich als „interaktiv“ zusammenfassen: Die Zuschauer dürfen per Computer-App über Wohl und Wehe der Kandidaten abstimmen – damit wollen die krisengeplagten Fernsehmacher jene modernen jungen Medienkonsumenten für sich gewinnen, die ohnehin ständig mit Smartphone oder Tablet in der Hand vor dem TV-Gerät sitzen.

Doch die Verzahnung von Fernsehen und Internet hat auch ihre Tücken, wie das Technikdebakel beweist, das Jörg Pilawa mit seiner App-Show „Quizduell“ im Ersten derzeit erlebt. Bei Pro7 hofft man natürlich, dass die Sache nicht ähnlich „in die Hose geht“, wie Pilawa nach seiner ersten Sendung resümierte. Wenn alles klappt, müssen die Zuschauer nicht mehr zum Telefonhörer greifen oder eine SMS schicken, um über den Kandidaten einer Talentshow abzustimmen, sondern brauchen einfach nur noch auf ihrem Bildschirm zu tippen, sofern sie die richtige App installiert haben. Und: Der Zuschauer muss nicht ewig auf das Ergebnis warten, Sieger und Verlierer stehen sofort fest.

Doch bevor über Sieg und Niederlage entschieden wird, treten neun Sänger im direkten Vergleich gegeneinander an. 30 Sekunden singen sie im Scheinwerferlicht, derweil geben die Zuschauer – das ist jedenfalls der Plan – per App ihr Urteil ab. Nach jeder Runde fliegt der Kandidat mit den wenigsten Stimmen, pro Ausgabe gibt es 50 000 Euro für den Sieger. Zusätzlich geben deutsche und internationale Musikexperten ihr Urteil ab. Nachdem einen Tag vor der Premiere Take-That-Sänger Gary Barlow absagt hatte, konnte Ricky Martin als Ersatz verpflichtet werden.

Geschäftsführer Wolfgang Link verkündet stolz, dass Pro7 die neue Liveshow als weltweit erster Sender ausstrahlt, und nennt das Format ein „innovatives und interaktives Showkonzept, das perfekt zu unserer Zielgruppe und unserem Markenkern passt.“ Sicherheitshalber wurden dennoch erst mal nur drei Folgen eingeplant, die von Ex-Playmate Annica Hansen moderiert werden.

Bei RTL stapelt man im Vorfeld der neuen Interaktivshow „Rising Star“ ebenfalls nicht gerade tief: Die Kölner nennen das aus dem israelischen Fernsehen importierte Format ungeachtet des Vorpreschens von Pro7 vollmundig „Deutschlands erste interaktive Live-Talent-Showreihe“ und frohlocken: „,Rising Star‘ erfindet das Genre der Gesangscastingshows neu.“ Wie sehr gerade RTL eine erfolgreiche Neuerfindung nötig hat, zeigte zuletzt der Zuschauerschwund beim Klassiker aller Talentshows: „Deutschland sucht den Superstar“ erreichte quotenmäßig nur knapp die nötige Flughöhe, um zu überleben. 

Wie bei „Keep Your Light Shining“ stimmen bei „Rising Star“ die Zuschauer nicht telefonisch ab, sondern mittels einer kostenlosen App. Auch wenn RTL sich nicht auf die Fahnen schreiben kann, Vorreiter in Sachen Interaktion zu sein , so galt „Rising Star“ auf der Fernsehfachmesse Mipcom in Cannes als das am heißesten gehandelte Format.

von Cornelia Wystrichowski

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