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Medien & TV ProSiebenSat.1 in den roten Zahlen
Nachrichten Medien & TV ProSiebenSat.1 in den roten Zahlen
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15:06 04.03.2009
Der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media AG, Thomas Ebeling, spricht am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz des Medienunternehmens. Quelle: Joerg Koch/ddp
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Nach einem Gewinn von 89,4 Millionen Euro im Vorjahr hat das im MDAX notierte Unternehmen nach eigenen Angaben vom Mittwoch 2008 einen Fehlbetrag von 129,1 Millionen Euro erzielt. Aufgrund des „sehr schwierigen gesamtwirtschaftlichem Umfeldes“ wagt das Unternehmen keinen Ausblick auf das laufende Jahr. Fest steht, dass die Kosten weiter verringert werden sollen. Dafür arbeiten die Fernsehsender Sat.1, ProSieben und Kabel 1 künftig unter einem Dach in München zusammen.

Neben der Wertberichtigung für SBS Broadcasting in Höhe von 180 Millionen Euro begründete ProSiebenSat.1 den entstandenen Verlust mit Belastungen durch Zinszahlungen und Wechselkurseffekten. Die Konzernerlöse stiegen 2008 nach vorläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahr von 2,7 Milliarden Euro auf 3,05 Milliarden Euro. Seit der Übernahme der SBS im Sommer 2007, die unter anderem in den Benelux-Staaten und Osteuropa aktiv ist, gilt der Konzern als zweitgrößte europäische TV-Gruppe. Allerdings ist die Sendergruppe seitdem hoch verschuldet. Die Netto-Finanzverschuldung belief sich Ende 2008 auf rund 3,41 Milliarden Euro.

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Die Sparmaßnahmen seien erfolgreich gewesen, begründete das Unternehmen den Umsatzanstieg im vergangenen Jahr. Allerdings hätten die Akzeptanzprobleme nach der Einführung eines neuen Verkaufsmodells für den deutschen TV-Werbemarkt sowie die gehemmte Investitionstätigkeit aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten ein besseres Umsatzergebnis verhindert.

Erst im November 2008 war der Abbau von 225 Stellen sowie der fast komplette Umzug der Gruppe nach München angekündigt worden. In Berlin verbleiben nach damaligen Angaben nur noch N24 und die Sat.1-Zentralredaktion. Der Umzug soll Ende Juni 2009 abgeschlossen sein.

Trotz des Verlustes in 2008 will ProSiebenSat.1 eine Dividende für Vorzugsaktien zahlen. Die Besitzer von Vorzugsaktien sollen dem Dividendenvorschlag zufolge lediglich eine Ausschüttung von 0,02 Euro erhalten. Das sind 1,23 Euro weniger als die Dividende für 2007. Für Stammaktien erfolgen keine Ausschüttungen. „Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Senders ist es unverantwortlich, dass die Eigentümer auch nur einen einzigen Cent aus dem Unternehmen herausziehen“, kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken die Zahlung für Vorzugsaktien.

Auch für das laufende Jahr rechnet ProSiebenSat.1 mit großen Schwierigkeiten. Vor allem durch die Neuorganisation der TV-Gruppe in Deutschland sollen Kosten gespart werden. Für 2009 seien Einsparungen in Höhe von 100 Millionen Euro vorgesehen. Ein präzise Prognose für 2009 sei derzeit noch nicht möglich, hieß es.

„Wir werden durch Effizienzsteigerungen, Kostenmanagement und organisatorische Verbesserungen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöhen“, kündigte der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling an. Ziel sei es, Anteile im deutschen TV-Werbemarkt zurückzugewinnen. Der Buchungseingang im Januar und Februar zeige, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg sei. Ebeling hat den Posten erst Anfang März von Guillaume de Posch übernommen. Monatelang hatte ProSiebenSat.1 nach einem Nachfolger gesucht. Die ProSiebenSat.1-Aktie verlor in einem positiven Marktumfeld bis 14.30 Uhr 5,5 Prozent auf 1,20 Euro.

ddp