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Medien & TV Protest gegen Haftbedingungen von mutmaßlichem Wikileaks-Informanten
Nachrichten Medien & TV Protest gegen Haftbedingungen von mutmaßlichem Wikileaks-Informanten
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09:51 23.01.2011
Das Pentagon vermutet, dass der Wikileaks-Informant Bradley Manning noch an weiteren Coups der Enthüllungsplattform beteiligt war. Quelle: dpa

Der Anwalt des mutmaßlichen amerikanischen Wikileaks-Informanten Bradley Manning hat gegen die Haftbedingungen für seinen Mandanten protestiert. Der 23-jährige US-Obergefreite, der Geheimdokumente an die Enthüllungsplattform weitergegeben haben soll, werde im Militärgefängnis misshandelt. Er habe deswegen eine formelle Beschwerde eingereicht, schrieb Mannings Verteidiger David Coombs in seinem Webblog.

Manning sei in dieser Woche wegen angeblicher Selbstmordgefahr mehr als zwei Tage unter besondere Beobachtung gestellt worden, obwohl der Gefängnispsychologe dies nicht befürwortet habe. Manning habe seine Zelle in dieser Zeit nicht verlassen dürfen und sich bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen. Seine persönlichen Gegenstände seien ihm abgenommen worden, für lange Zeiträume auch seine Brille, hieß es in dem Blogbeitrag weiter.

Diese Aktion sei zwar nach einer Beschwerde bei der Gefängnisleitung am Donnerstag wieder beendet worden, schrieb Coombs. Aber dennoch würden für Manning weiterhin grundlos strengste Haftbedingungen gelten. So dürfe er am Tag nur eine Stunde lang seine Zelle verlassen. Er bekomme keine Kissen und Bettlaken, sondern nur eine rissfeste Decke und eine Matratze mit eingenähtem Kopfkissen.

Ein Sprecher des militärischen Haftanstalt in Quantico (Virginia), wo Manning seit Mitte letzen Jahres einsitzt, habe die Anschuldigungen zurückgewiesen, berichtete die „Washington Post“ am Samstag. Der Verdächtige werde behandelt wie jeder vergleichbare Insasse. Die Entscheidung, ihn unter Selbstmordbeobachtung zu stellen, sei von mehreren Verantwortlichen getroffen worden. Die Gefängnisleitung sei um seine Sicherheit besorgt.

Das US-Verteidigungsministerium hält Manning für einen Verräter. Der Geheimdienst-Analyst hatte während seiner Dienstzeit im Irak Zugang zu Hunderttausenden vertraulichen Dokumenten. Offiziell erhoben die Militärs bislang zwar lediglich Anklage wegen eines Videos, mit dem Wikileaks weltweit Aufsehen erregt hatte, weil es einen brutalen, tödlichen Hubschrauberangriff auf Zivilisten zeigte.

Bislang nur inoffiziell verlautet aus dem Pentagon aber auch, dass Manning für die anderen Wikileaks-Coups der vergangen Monate mitverantwortlich sein könnte. Darunter die Veröffentlichung zahlreicher Depeschen von US-Botschaftern aus aller Welt.

Die Umstände von Mannings Inhaftierung haben im Zusammenhang mit dem Wikileaks-Skandal weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. So reichte der für Folter zuständige Berichterstatter der Vereinten Nationen eine formale Anfrage beim US-Außenministerium über den Fall ein, wie die „Washington Post“ weiter berichtete. Zudem hätten mittlerweile mehr als 30.000 Menschen eine Online-Petition unterzeichnet, mit der sie forderten, dass Manning human behandelt werden soll.

dpa

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