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Nachrichten Medien & TV Protest gegen kostenlose „Bild“-Ausgabe
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09:27 20.04.2012
Foto: Die Internetseite campact.de ruft dazu auf, der „Bild“-Zeitung eine Absage zu erteilen.
Die Internetseite campact.de ruft dazu auf, der „Bild“-Zeitung eine Absage zu erteilen. Quelle: campact.de
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Hannover

Für so manchen Marketingexperten muss sich die Idee zumindest originell anhören: Jeder deutsche Haushalt soll am 23. Juni eine Gratisausgabe der „Bild“-Zeitung erhalten. Dann nämlich feiert Europas größtes Boulevardblatt sein 60-jähriges Bestehen. Doch eines hatte die „Bild“ bei ihrem Geniestreich zum Geburtstag offenbar nicht bedacht: Nicht jeder will die „Bild“ auch wirklich lesen. Nicht mal als Geschenk. Mehr als 170.000 potenzielle Empfänger protestieren bereits im Internet – und täglich werden es mehr. Die Aktion „Alle-gegen-Bild.de“ ist damit erfolgreicher, als sich das die Initiatoren – 15 Studenten aus Berlin – jemals erträumt hätten.

Am 12. April ist die Kampagne im im Internet gestartet, und die Axel Springer AG, die „Bild“ herausgibt, muss nun mit einem erheblichen logistischen Mehraufwand rechnen, wenn am 23. Juni Briefträger mit Adresslisten durch deutsche Straßen ziehen müssen, um zu ermitteln, wer Einspruch eingelegt hat und wer nicht. Denn die Gratis-„Bild“ soll als Postwurfsendung verteilt werden – ein „Werbung? Nein Danke!“-Aufkleber reicht nicht aus. Das musste das Haus seinen Anzeigenkunden bereits versprechen.

Dennoch nimmt der Konzern die täglich wachsende Protestwelle durchaus ernst. Ansonsten könnte es auch teuer werden. Das politische Beteiligungsforum „Campact.de“ hat die Aktion zuvor von einem Anwalt prüfen lassen. Ergebnis des Gutachtens: Für den Fall, dass die „Bild“-Zeitung die Widersprüche missachtet, könnte der Verlag kostenpflichtig abgemahnt werden.

Doch warum will man etwas, was man getrost ignorieren und in den Papierkorb werfen könnte, partout nicht haben? „Weil die ‚Bild‘ so oft vom Presserat gerügt wird wie keine andere Zeitung“, erklärt Campact-Sprecher Yves Venedey. Persönlichkeitsrechte würden verletzt, die Berichterstattung sei rücksichtslos und reißerisch. Die Sängerin der Band Wir sind Helden, Judith Holofernes, die ohnehin im Dauerstreit mit dem Boulevardblatt liegt, macht es noch deutlicher: Die „Bild“ greife nach der „Alleinherrschaft über das deutsche Kollektivhirn“, sagte Holofernes gestern auf ihrer Facebook-Seite. Die „Bild“-Zeitung in jedem deutschen Briefkasten – das sei nichts anderes als „Platzhirschgehabe“.

Die Axel Springer AG bleibt da – zumindest in der Außenwahrnehmung – entspannter: Derzeit führe der Verlag noch Gespräche mit potenziellen Anzeigenkunden, sagt Springer-Sprecher Fröhlich. Eine endgültige Entscheidung über die Aktion sei also noch nicht gefallen. Das hörte sich im Januar allerdings noch ganz anders an, als das Motto „Bild hat Geburtstag und beschenkt ganz Deutschland“ bekannt und damit die größte Vertriebsaktion in der Geschichte der Boulevardzeitung vorgestellt wurde.

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