Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV RTL schickt die „Super Nanny“ nach sieben Jahren in Rente
Nachrichten Medien & TV RTL schickt die „Super Nanny“ nach sieben Jahren in Rente
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:37 28.11.2011
Von Reinhard Urschel
Sendepause: Katharina Saalfrank gibt als „Super Nanny“ auf. Quelle: dpa
Anzeige

Abermals muss der deutsche Fernsehzuschauer auf kostenlosen Rat und Lebenshilfe verzichten. Vor etlichen Jahren schon hat bekanntlich Pfarrer Jürgen Fliege seine Erbauungssendungen aufgegeben, auch Erika Bergers Lehrstunden in Sachen Ehehygiene haben sich erübrigt. Nun meldet sich der Kölner Sender RTL, dem die Liebhaber privater TV-Unterhaltung viele Sternstunden verdanken, unvermittelt aus der Kindererziehung ab. Es gebe einen „Superkrach um Super Nanny“ hat der Boulevard im Sonntag getitelt, mit einem leichten Unterton der Schadenfreude. Schließlich sind der ersten Pädagogin der Nation offenbar ihre eigenen Angelegenheiten entglitten.

Nach sieben Jahren und 145 Folgen, so viele doch schon, stellt RTL die Erziehungsserie „Die Super Nanny“ ein, die einst mit großer Publikumswirkung gestartet war. Die erste Staffel erreichte einen durchschnittlichen Marktanteil von 24,1 Prozent. Die letzte Staffel verzeichnete im Schnitt einen Marktanteil von 17,2 Prozent.

Anzeige

Die Entscheidung sei gemeinsam mit der Hauptakteurin der Sendung, Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank, getroffen worden, teilte der Sender knapp mit. „Trotz noch immer akzeptabler Quoten sind wir unübersehbar in einer Reifephase angekommen“, erklärte der Bereichsleiter „Comedy & Real Life“ bei RTL, Markus Küttner. Er dankte Saalfrank für ihren „großen Einsatz“. Eher beiläufig erfährt der Fernsehzuschauer also, dass bei RTL Comedy und das wirkliche Leben eine feste Einheit bilden.

Was der Zuschauer nicht erfährt, ist freilich, wer genau in die erwähnte Reifephase eingetreten ist. Der Sender, die Nanny oder doch die schwer erziehbaren Kinder, die in der Sendung als Türen knallende, respekt- und haltlose Rotzlöffel vorgeführt worden sind? Oder die Eltern, deren Umgangston mit dem Nachwuchs häufig schon Hinweise darauf gab, weshalb die Kleinen derart neben der Spur liefen? Wer das Gefühl des Fremdschämens noch nicht kannte, hier konnte er es kennenlernen.

Der Sender selbst sieht das natürlich ganz anders. Das Engagement der Nanny habe „über das professionelle Maß hinaus immer auch insbesondere den Interessen der Kinder und Familien“ gegolten.

Saalfrank bedankte sich beim Sender und bat ihre Fans um Verständnis: „In meiner TV-Arbeit sind mir Authentizität und Nachhaltigkeit wichtig, und ich bin dankbar, dass wir mit ,Die Super Nanny‘ über Jahre hinweg ein erfolgreiches, nicht gescriptetes Reality-Format etabliert haben, das mit meinen Idealen im Einklang war.“

Dass sich Sender und Nanny auseinandergelebt hatten, klingt da nur durch, offen sagen wollte es niemand. Welches Krawallformat auf dem Sendeplatz folgt, ist offen.

26.11.2011
25.11.2011
Anzeige