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Nachrichten Medien & TV Riesige Facebook-Treffen bereiten Politikern Sorge
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12:11 21.05.2010
Im Schatten des Eiffelturms werden Zehntausenden zur Spontanfeier erwartet.
Im Schatten des Eiffelturms werden Zehntausenden zur Spontanfeier erwartet. Quelle: ap (Archiv)
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Auf dem Rasen im Schatten des Eiffelturms mit Zehntausenden fröhlich einen trinken - das könnte bei lauer Frühlingsluft an diesem Sonntag in Paris Realität werden. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass sich massenweise Unbekannte an besonderen Orten zum Feiern zusammenfinden. Neu ist allerdings das Ausmaß dieser Treffen, und das liegt an dem sozialen Netzwerk Facebook. Seit bei einem dieser Treffen ein junger Mann betrunken von einer Brücke in den Tod stürzte, mehren sich Warnungen und Verbote. Der „apéro géant“ ist in Frankreich mittlerweile zum Politikum geworden.

Traditionell ist ein Aperitif lediglich das alkoholische Getränk, mit dem man vor dem Essen gemeinsam anstößt. In Frankreich sind das klassischerweise Anisschnaps, Likörwein oder Champagner. Die Kurzform „apéro“ steht hingegen eher für ein abendliches Treffen, bei dem Alkohol getrunken wird. Essen gibt es nicht, allenfalls Knabbereien. Ein „apéro géant“ hat viel von einem Volksfest: Die Mehrheit amüsiert sich mehr oder weniger angeheitert, einige betrinken sich gezielt, hier und da kommt es zu Raufereien oder alkoholbedingten Unfällen.

In den vergangenen Monaten soll es bereits etwa 60 Treffen dieser Art in Frankreich gegeben haben. Die Organisatoren wetteiferten miteinander, wer die meisten Teilnehmer zusammenbekommt. Doch je größer die Teilnehmerzahl, desto größer ist auch das Risiko, dass es zu Ausschreitungen kommt.

Deswegen sehen die Behörden die Massen-Trinkereien mit wachsendem Unbehagen. Im Unterschied zum klassischen Volksfest gibt es keine Organisatoren, die haftbar gemacht werden können. Bei Facebook können die Urheber solcher Treffen anonym bleiben. Per Schneeballsystem verbreitet sich die Kunde von einem „apéro géant“ blitzschnell. Manche Facebook-Nutzer haben Hunderte von Kontakten, denen sie die Einladung mit einem Mausklick weiterleiten.

Im westfranzösischen Nantes waren am vergangenen Freitag schätzungsweise 10.000 überwiegend junge Menschen zusammengekommen, um zu feiern. Zunächst war die Stimmung heiter, später schlug sie um. Dutzende kamen ins Krankenhaus, mehr als 40 wurden wegen Trunkenheit, Drogenbesitzes oder Randale festgenommen. Der junge Mann, der von der Brücke stürzte, hatte 2,4 Promille Alkohol im Blut.

Der sozialistische Bürgermeister Jean-Marc Ayrault appellierte an die Regierung, sich des Problems anzunehmen. „Das sind keine Feiern, die Leute kommen nur zum Randalieren zusammen“, schimpfte er. Innenminister Brice Hortefeux zeigte sich zurückhaltend. Die Facebook-Treffen sollten nicht grundsätzlich verboten werden, betonte er. Allerdings müssten die Organisatoren die Veranstaltungen den Behörden melden und für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen. Ansonsten drohten Strafen und Schadensersatzforderungen.

In einigen Fällen hatten die lokalen Behörden bereits Verbote ausgesprochen oder die Organisatoren so weit eingeschüchtert, dass sie die Einladung per Facebook zurückzogen. Was nun am Sonntag unter dem Eiffelturm passieren wird, ist offen. Eine erste Gruppe, die sich 50.000 Teilnehmer zum Ziel gesetzt hatte, löste sich auf. Eine Alternativgruppe hatte bis Donnerstag etwa 4200 Mitglieder, eine weitere, die für einen alkoholfreien „apéro“ wirbt, rund 400.
Selbst die Pariser Polizei legte sich ein eigenes Facebook-Profil zu, um dort vor Risiken bei solchen Massentreffen zu warnen. Sie weist außerdem darauf hin, dass das Trinken von Alkohol dort auf dem Marsfeld schon seit Jahren verboten ist - weswegen sich viele Jugendliche ihren Sprit von vornherein in Sprudelflaschen füllen.

dpa