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Medien & TV Die Killerserie zum Serienkiller
Nachrichten Medien & TV Die Killerserie zum Serienkiller
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00:15 24.02.2014
Im Dienst (v. l.): Long Susan (Myanna Buring), Homer Jackson (Adam Rothenberg), Inspektor Edmund Reid (Matthew Macfadyen), Sergeant Bennet Drake (Jerome Flynn) und Rose (Charlene McKenna). Quelle: BBC
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Der berühmte Killer, der nie gefasst werden konnte, taucht zwar überhaupt nicht auf – doch sein Geist ist 1889 allgegenwärtig in den trüben Straßen des Elendsviertels Whitechapel im Londoner East End, in dem die Serie spielt und wo der gruselige Schlitzer sein Unwesen trieb.  Kurz nach den berüchtigten Ripper-Morden, im Jahr 1889, nimmt eine Londoner Sondereinheit namens „H-Divi- sion“ die Ermittlungen: Der wackere Inspektor Edmund Reid (Matthew Macfayden) und sein raubeiniger Kollege Bennet Drake (Jerome Flynn) bekommen es mit einer Reihe von brutalen Verbrechen zu tun. Unterstützt werden sie dabei vom ehemaligen US-Militärarzt Homer Jackson (Adam Rothenberg), der mit den für die damalige Zeit modernsten forensischen Mitteln arbeitet. 

Die von der BBC und der amerikanischen Kabeltochter BBC America produzierte Serie besticht mit einer aufwendigen Ausstattung und tollen Kulissen, die das Elendsviertel Whitechapel Ende des 19. Jahrhunderts als einen regelrechten Sündenpfuhl präsentieren: In den dunklen und schmutzigen Gassen, Häusern und Kneipen lauern an jeder Ecke Mord und Totschlag. Whitechapel war eines der am dichtesten besiedelten Stadtviertel der Welt: Im Jahr 1895 lebten 73 000 Menschen auf einer Fläche von 1,37 Quadratkilometern. Gleichzeitig greift die Serie übergeordnete Gesellschaftsthemen der damaligen Zeit auf, wie etwa den Bau der Londoner U-Bahn, erste Telegrafen, den britischen Imperialismus oder den Streik der Hafenarbeiter 1889. 

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Zudem erlaubt sich die zuweilen drastische Serie ironische Schlenker, die den zum Teil geschmacklosen Kult um den Frauenmörder Jack the Ripper auf die Schippe nehmen. So führt in der Auftaktfolge „Ich brauche Licht“ ein Fremdenführer eine Gruppe von sensationslüsternen Touristen zu den Orten, wo der Schlitzer bis vor Kurzem mordete. Als die Besucher im Revier Jack the Rippers auf die Leiche einer übel zugerichteten Frau stoßen, ist das Entsetzen groß – und in Windeseile verbreitet die Klatschpresse in London das Gerücht, der berühmte Serienkiller habe erneut zugeschlagen und eine Straßendirne umgebracht. Das Publikum glaubt die Geschichte nur zu gern mit wohligem Grusel.

Edmund Reid hegt jedoch berechtigte Zweifel – und der Inspektor und seine Leute finden heraus, dass hier jemand die Vorgehensweise des Schlitzers kopiert hat, um den Verdacht von sich abzulenken. Außerdem ist die ermordete Frau überhaupt keine Prostituierte, sondern stammt aus den sogenannten besseren Kreisen und passt somit gar nicht ins Beuteschema des Serienmörders. Die Ermittlungen führen das Trio in einen bürgerlichen Vorort Londons – und auf die Spur eines Mannes, der mit einer der ersten Kameras für bewegte Bilder seine hochkriminellen Vorlieben auslebt. Düster und grausam, gleichzeitig modern, dicht und bildgewaltig lässt „Ripper Street“ im optischen Stil von Guy RitchiesSherlock Holmes“-Kinofilm von 2009 die Brutalität in der britischen Metropole im viktorianischen Zeitalter  auferstehen.

Gedreht wurde freilich gar nicht in London, sondern hauptsächlich im irischen Dublin. Als Kulisse für das düstere Whitechapel dienten unter anderem das Trinity College, Dublin Castle und das ehemalige Kilmainham-Gefängnis, das schon mehrmals für Filmaufnahmen genutzt wurde. Der Sender BBC One hat die Serie nach zwei Staffeln eingestellt, gleichzeitig verhandelt die Produktionsfirma aber mit dem Streamingdienstanbieter Lovefilm über eine Fortsetzung unter neuem Dach.

Von Martin Weber und Imre Grimm

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