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Medien & TV SAT.1 dreht Film in einem stillgelegten Atomkraftwerk
Nachrichten Medien & TV SAT.1 dreht Film in einem stillgelegten Atomkraftwerk
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09:19 10.09.2010
Von Christiane Eickmann
Quelle: dpa
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Deutschland macht den Atomausstieg rückgängig und beschließt die Laufzeitverlängerung seiner 17 Meiler. Die Stromkonzerne jubeln und beteuern die Sicherheit dieser Energieform. Dann passiert mit einem GAU im alten Reaktor Oldenbüttel die größte Katastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik. Zwei Millionen Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Etliche sterben.

Beim SAT.1-Film „Restrisiko“ ist die Fiktion in seiner Ausgangslage von der Realität überholt worden. Nur wenige Wochen vor der aktuellen AKW-Einigung der Koalition in Berlin starteten die Dreharbeiten zu dem Streifen mit Ulrike Folkerts in der Hauptrolle über mögliche Probleme mit alten Atomkraftwerken. Die meisten Szenen werden im stillgelegten österreichischen Meiler Zwentendorf gedreht, der Rest im schleswig-holsteinischen Seester. Regie führt Urs Egger, „Restrisiko“ soll im Frühjahr 2011 ausgestrahlt werden.

„Wir sind quasi von der aktuellen Politik überrollt worden“, sagt Produzent Ivo Alexander Beck. Die Idee sei kurz vor der Bundestagswahl 2009 entstanden, man habe das Thema Atomkraft aufgreifen wollen. Dann brach die Diskussion in Berlin los: „Und auf einmal waren wir am Puls der Zeit – davon träumt man als Produzent.“ „Fernsehen, das sich wieder einmischt“, nennt Beck das Projekt und steht klar zur politischen Aussage: „Der Film soll ja nicht für Panik sorgen. Aber man muss schon die Frage stellen, ob man 20 Jahre alte Meiler weiterbetreiben muss – wir finden nicht.“

Autoren, Produzent, Schauspieler, unter ihnen Kai Wiesinger, Matthias Koeberlin und Thomas Sarbacher – am Set in Zwentendorf sind sich alle in ihrer Ablehnung der Nuklearenergie einig. Einzige Ausnahme ist Johann Fleischer, Technischer Leiter von Österreichs erstem und einzigem Atomkraftwerk, das zum Milliardengrab wurde. Ende der siebziger Jahre mit deutscher Siemens-Technik nahe Wien erbaut, ging Zwentendorf nie ans Netz. Ein Volksentscheid verhinderte 1978 überraschend mit hauchdünner Mehrheit die Inbetriebnahme. Heute steht die Atomfreiheit Österreichs in der Verfassung, und Zwentendorf ist nur noch Schulungsort oder eben Filmkulisse.

Ein folgenschwerer Fehler, findet Fleischer. „Bei einem Werk dieser Technik kann kein GAU passieren“, sagt der Nukleartechniker. Er steht neben einem Sicherheitsventil in der Nähe des riesigen Reaktorkerns, das im Film „Restrisiko“ wegen einer schadhaften Schweißnaht platzt und die Katastrophe auslöst. Für die Dramatik ließen die Produzenten eine Handkurbel einbauen, normalerweise wird alles elektronisch gesteuert.

Auch mit anderen Umbauten wie neuen Bildschirmen und Telefonen muss das alte Werk glaubwürdig ins 21. Jahrhundert transferiert werden. Fleischer gibt als Hausherr Hilfe und ist Ansprechpartner für alle technischen Details. Er freut sich, dass bei ihm mal so viel los ist, und hat mit dem Katastrophenszenario keine Probleme: „Das kann ja nicht der Realität entsprechen, sonst wäre der Film ja urfad.“

In „Restrisiko“ übernimmt Ulrike Folkerts als AKW-Sicherheitschefin zunächst die Rolle der Atombefürworterin. Nach dem GAU riskiert die Mutter zweier Kinder dann ihr Leben, um die Ursache herauszufinden. Sie kehrt in die kontaminierte Zone zurück. Bald schon findet sie Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass der alte Kernreaktor schon länger eine tickende Zeitbombe war. „Wir können nicht warten, bis etwas schiefgeht, um etwas zu lernen“, meint Folkerts. Sie habe sich schon als junge Schauspielschülerin an Aktionen gegen die Atomkraft beteiligt.

dpa

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