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22:44 12.09.2013
Alles eine Frage des Formats: Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher moderieren die Show. Quelle: SAT.1
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Berlin

Wenn der Glanz und das Elend des Privatfernsehens einen Namen haben, dann vielleicht diesen: Zlatko Trpkovski. Als einer der ersten Insassen im ersten RTL -II-TV-Knast namens „Big Brother“ brachte es der Kfz-Mechaniker im Jahr 2000 vorübergehend zu beachtlichem Ruhm. Vor allem dank William Shakespeare. Hinter dessen Namen vermutete der so selbstbewusste wie stämmige Deutsch-Mazedonier Trpkovski nämlich keinen Dichter, sondern eine Biermarke. Die Boulevardpresse hatte einen neuen Proll-Star.

Dass Trpkovski nach nur gut einem Monat von den TV-Zuschauern aus dem Container gewählt wurde - lange vor Ende der maximal möglichen 102 Tage -, tat seiner Karriere keinen Abbruch: Er bekam sein eigenes „Shakesbier“ und zwei Nummer-eins-Singles, „Ich vermiss’ dich (wie die Hölle)“ und „Großer Bruder“. Danach war der Hype abrupt vorbei - und der frustrierte Zlatko Trpkovski tat wieder das, was er wohl am besten kann: Autos reparieren.

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Einige wenige seiner ehemaligen Mitbewohner zehren noch immer von ihrem „Big Brother“-Kurzzeitruhm, allen voran Ex-Zlatko-Kumpel Jürgen Milski. Er verdingt sich als TV-Moderator, Werbeclip-Moderator und Ballermann-Sänger. Glamourös ist das nicht. Genau wie die „Big Brother“-Quote. Nach elf Staffeln wurde das beim Start heftig umstrittene Voyeurismusformat mangels Zuschauern 2011 eingestellt.

Heute nun soll es noch einmal auf einem anderen Sender aufleben: Erstmals zeigt SAT.1 von 20.15 Uhr an die Prominentenvariante der Show. Statt Unbekannten wird B- und C-Prominenz bei „Promi Big Brother“ 15 Tage lang in einer eigens eingerichteten Luxusvilla dauergefilmt - nur der Gang zur Toilette bleibt privat. Ein Aufreger ist das nicht mehr, anders als vor 13 Jahren.

Die Moderatoren, Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher, glauben dennoch fest daran, dass viele TV-Zuschauer einschalten werden - nicht zuletzt wegen der Ähnlichkeit zum RTL-Promilager „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. „Wenn wir ein Drittel der Marktanteile des Dschungels erreichen, sind wir schon zufrieden“, sagte Pocher dem Mediendienst DWDL. Er sei überzeugt, dass „Deutschland mindestens zwei Formate dieser Art vertragen kann“.

Der SAT.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow will mit „Promi Big Brother“ nach „The Voice“ und „Got to Dance“ ein weiteres Erfolgsformat im Senderportfolio etablieren. Dafür räumt er, abgesehen von den um 20.15 Uhr laufenden Einzugs- und Finalshows täglich den Sendeplatz um 22.15 Uhr frei. „Auch bei einer Fußball-Weltmeisterschaft gibt es feste Anstoß- und Sendezeiten. ,Promi Big Brother‘ hat für uns die Wichtigkeit einer Fußball-Weltmeisterschaft“, erklärte er.

Was weder Chef noch Moderatoren verraten, sind die Bewohner. Mit dem Werbespruch „Ich bin ein Star, holt mich hier rein“ spielt SAT.1 nicht nur auf die erfolgreiche RTL-Dschungelkonkurrenz an, sondern auch auf die erklärte Absicht, nicht jeden ins Haus zu lassen.

Die frühere Dschungelbewohnerin Georgina Fleur empfahl sich auf Twitter, Reality-TV-Star Kader Loth in einem Interview. Zumindest Loth hat mit ihrer Bewerbung gerüchteweise keinen Erfolg gehabt. Aus Publicity-Gründen waren Prominente schon zu RTL-II-Zeiten kurzzeitig in den Container gezogen: Für Verona Pooth (damals noch Feldbusch) wurde extra eine eigene Dixi-Toilette im Garten aufgestellt. Der heutige Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) besuchte die Bewohner damals ebenso wie Boxer Wladimir Klitschko.

Verglichen damit sind Namen der von der „Bild“-Zeitung gehandelten Kandidaten wenig spektakulär: US-Schauspieler David Hasselhoff, Moderatorin Marijke Amado, Schauspieler Martin Semmelrogge, Ex-No-Angel Lucy Diakovska, „The Voice“-Teilnehmer Percival Duke, Ex-„Berlin - Tag & Nacht“-Darsteller Jan Leyk und „Let’s Dance“-Tänzerin Melissa Ortiz-Gomez. Zumindest Letztere hat aber auch schon wieder dementiert. Dafür soll Jenny Elvers Gerüchten zufolge nicht abgeneigt sein.

Moderator Pocher betonte, dass es letztlich aber gar nicht um den Namen gehe: „Wenn einer langweilig ist, dann ist es mir egal, ob der irgendwo mal eine Rose überreicht hat oder nicht. Die Leute müssen interessant sein und gute Geschichten erzählen.“ Eigentlich ein perfektes Format für Zlatko Trpkovski.

Promi Big Brother“ startet am Freitag um 20.15 Uhr auf SAT.1. Auch am 20. und 27. September wird ab 20.15 Uhr in die Villa geschaltet, an den übrigen Tagen um 22.15 Uhr.

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