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Medien & TV SAT.1 zeigt anspruchsvolles Krimidrama um vermisstes Mädchen
Nachrichten Medien & TV SAT.1 zeigt anspruchsvolles Krimidrama um vermisstes Mädchen
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18:24 25.09.2011
Von Ernst Corinth
Zwischen Hoffen und Bangen: Alfred (Richy Müller) und Anna Walch (Ann-Kathrin Kramer) suchen mit Vermisstenanzeigen nach ihrer Tochter. Quelle: SAT.1
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Dieser Fernsehfilm ist nicht nur für SAT.1 ungewöhnlich. Ungewöhnlich nicht nur wegen seiner Länge von 125 Minuten, die sogar zur Folge hat, dass SAT.1 seine sonst übliche Sendefolge umstellen musste. Sondern weil der Film bis zur letzten Minute den Zuschauer tatsächlich zu fesseln weiß. Erzählt wird in „Die letzte Spur – Alexandra, 17 Jahre“ der fürchterliche Albtraum wohl aller Eltern: Ein Kind verschwindet plötzlich, fast spurlos, offenbar grundlos und taucht auch nach mehreren Tagen nicht mehr auf.

Schauplatz dieses von Andreas Prochaska („KDD – Kriminaldauerdienst“) inszenierten Krimidramas ist das niederösterreichische Krems an der Donau am Vorabend des 17. Geburtstags der Gymnasiastin Alexandra (Emilia Schüle, „Freche Mädchen“). Sie lebt mit ihren beiden Geschwistern wohlbehütet im Haus ihrer Eltern, die einen Gasthof betreiben. Am Abend möchte sie mit ihrer Cousine (Coco Hümer) das Stadtfest besuchen und kann ihre Eltern schließlich überreden, dass sie bis halb vier dort mit ihren Freunden feiern darf. Vorausgesetzt dass sie anschließend mit ihrem 18-jährigen Bruder nach Hause fährt. Als der jedoch allein und angetrunken zurückkehrt, sie also am frühen Morgen immer noch nicht zu Hause ist, macht sich ihr Vater (ganz stark: Richy Müller) auf die Suche. Vergeblich.

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Daraufhin gehen die Eltern zur Polizei und melden ihre Tochter als vermisst. Eine erste Suche verläuft erfolglos. Alexandra bleibt verschwunden. Auch ihr Freund, der sie offenbar zuletzt gesehen hat, weiß nicht, wo das Mädchen sein könnte. Sie hat ihn nach einem heftigen Streit im Hafen der Kleinstadt abrupt verlassen, in einer abgelegenen Gegend in der Nähe des Straßenstrichs. Schließlich wird der Wiener Kommissar Lenz (der österreichische Theatermime Hary Prinz) eingeschaltet, der zusammen mit seiner Assistentin die Ermittlungen übernimmt. Dann gibt es plötzlich doch eine Spur. In einer SMS bittet Alexandra ihre Eltern, sie nicht mehr zu suchen.

Mehr zu verraten, wäre Verrat am Zuschauer. Erzählt wird diese spannende, aufrührende Geschichte chronologisch meist aus der Sicht von Alexandras Vater. Mit ihm verfolgt man die aufwendigen Suchaktionen der Polizei, stößt auf falsche Fährten, schöpft wieder Hoffnung und findet erste Anzeichen eines möglichen Verbrechens. Gleichzeitig nimmt man als Beobachter teil an den emotionalen Phasen, die die Eltern durchleben, die – für einen Film eines Privatsenders durchaus ungewöhnlich – nicht voyeuristisch dargestellt werden, sondern erstaunlich zurückhaltend. Selbst die verzweifelten Reaktionen der Mutter (Ann-Kathrin Kramer) werden angenehm distanziert gezeigt. Und es macht schon ein wenig nachdenklich, dass die Eltern in diesem Film erst durch das Verschwinden ihrer Tochter unbequeme Wahrheiten über sie schmerzhaft erfahren.

Doch der Film hat noch mehr zu bieten: Die Dialoge wirken nie aufgesetzt gefühlsselig, bleiben stets knapp und präzise. Die düstere Atmosphäre ist auch für den Zuschauer bedrückend und lässt trotz der Länge des Films keine Langeweile aufkommen, nur der Schluss zieht sich dann ein wenig. Und vermutlich sind auch die üblichen Werbeunterbrechungen in diesem so dicht geschilderten Fall mehr als störend. Dennoch ist es ein Krimidrama, das nicht nur Eltern halbwüchsiger Töchter nicht verpassen sollten.

„Die letzte Spur...“ | SAT.1
Krimi mit Richy Müller
Dienstag, 20.15 Uhr

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