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Medien & TV „Ich muss mich nicht verbiegen“
Nachrichten Medien & TV „Ich muss mich nicht verbiegen“
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00:15 29.03.2014
Die Schlagersängerin Helene Fischer wird am Donnerstag den Echo moderieren. Quelle: dpa
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Hannover

Helene Fischer, was haben Sie und Thomas Gottschalk wohl bei allen Unterschieden gemeinsam?
Nicht viel (lacht). Er ist der deutsche Entertainer schlechthin, während ich bei allem Bemühen, mein Publikum zu unterhalten, eher Sängerin als Moderatorin bin. Aber was meinten Sie denn – die blonden Haare?

Das auch. Aber wenn Sie die Bühne betreten, wirkt es wie bei Gottschalk nie, als würden Sie sich entspannen.
Wenn das Publikum anders empfände, könnte es sich jedenfalls kaum entspannt im Sessel zurücklehnen. Aber natürlich ist das für uns beide Arbeit, nur dass Herr Gottschalk durch seine Routine noch viel gelassener ist. Ebenso wie mir dürfte auch ihm Nervosität bis heute nicht fremd sein, aber wir beide können offenbar einen Schalter in den Jobmodus umlegen.

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Die „Große Niedersachsen Schlager-Parade“ Anfang März: Helene Fischer, DJ Ötzi, Roland Kaiser, Beatrice Egli, die Mallorca-Titanen Jürgen Drews und Mickie Krause sowie Nicole und Nino de Angelo treten in der TUI-Arena auf.

Ist die Person, die heute beim Echo auf der Bühne steht, ein Kunstprodukt des Showbusiness?
Das bin schon ich, sonst würde es nicht funktionieren. Shows wie diese haben zwar Drehbücher, aber die Zuschauer würden es merken, wenn ich nur eine Rolle spiele, die nichts mit mir zu tun hat. Privat bin ich trotzdem eine andere, trage legere Kleidung und tanze nicht ständig durch die Gegend. Aber ich muss mich auf der Bühne für nichts verbiegen. Und beim Echo bin ja auch nicht ich der Star, sondern die Preisträger.

Was bedeutet Ihnen mehr: den Echo zu moderieren oder ihn zu kriegen?
Ich finde es toll, dass beides der Fall sein könnte. Aber ich bin ein Bewegungsmensch. Passiv im Publikum zu hoffen, den Echo zu kriegen, war viel anstrengender als jetzt, wo ich vor und hinter der Bühne aktiv bin. Die Arbeit lenkt mich von der Aufregung ab. Das finde ich sehr erleichternd.

Sind Sie erleichtert, nicht die rechtspopulistische Band Frei.Wild anmoderieren zu müssen, die ihre Teilnahme abgesagt hat?
Ich bin jedenfalls froh, dass ich da anders als bei meinen eigenen Shows nichts zu entscheiden hatte. Der Auftritt hätte sicher großen Wirbel gemacht. Wenn man den durch Abwesenheit umgeht – warum nicht?

Werden Sie die Abwesenheit irgendwie kommentieren?
Nein. Das ist nicht mein Naturell. Und wie Sie sicher gemerkt haben, halte ich mich aus solchen Debatten gerne raus.

Helene Fischer hat bei ihrem Auftritt im hannoverschen Sportpark mächtig aufgefahren: Showtreppe, Sänger, Tänzer und viele Outfits hatte die Schlagersängerin dabei. 12.000 Fans dankten es ihr.

Ist es für eine Künstlerin von Ihrer Außenwirkung nicht wichtig, Haltung zu beziehen?
Schwierige Frage. Ich respektiere es sehr, wenn sich zum Beispiel Rosenstolz wie beim vorigen Bambi für mehr Gleichberechtigung einsetzt. Ich selber konzentriere mich aber aufs Künstlerische. Das bedeutet, niemanden zur Homestory zu bitten, aber auch, mich öffentlich nicht zu politischen Themen zu äußern.

Da ist die Bühnenfigur also doch eine andere als die private.
Nein, die Person bleibt die gleiche. Aber so viel, wie man von mir mitkriegt, möchte ich mich seelisch einfach nicht noch mehr ausziehen. Da brauche ich mein privates Refugium, und zu dem zählen auch meinen Haltungen.

Meinen Sie mit „ausziehen“, buchstäblich viel Haut zu zeigen?
Auch.

Das macht Sie zum Postergirl des Schlagers.
Ja? Da steckt aber kein Kalkül hinter. Das ist alles der Choreografie geschuldet oder kommt spontan aus mir heraus.

Braucht man für Ihre Art der Performance eine exhibitionistische Ader?
Ohne die wäre ich im falschen Beruf, aber sie hat nicht unbedingt mit Kleidung zu tun. Ein Singer-Songwriter, der sein Innerstes über die Texte nach außen kehrt, gibt womöglich viel mehr von sich preis als ich, die mit körperbetonten Klamotten tanzt. Jeder fühlt sich auf seine Art auf der Bühne wohl. Und ich mich auf meine.

Wie weit würden Sie dafür auf keinen Fall gehen?
Wenn ich dafür mir selbst oder anderen schaden würde. Ich bin ziemlich harmoniesüchtig.

Zur Person

Helene Fischer ist mit über vier Millionen verkauften Alben die derzeit erfolgreichste deutsche Schlagersängerin. Ihren ersten großen Fernsehauftritt absolvierte Fischer 2005 beim „Hochzeitsfest der Volksmusik“, wo sie gemeinsam mit Florian Silbereisen ein Duett sang. Mittlerweile sind die beiden ein Paar. Am Donnerstag wird die 30-Jährige den Echo moderieren, den sie selbst sechsmal gewann. Die Verleihung findet auch in diesem Jahr in Berlin statt und wird live ab 20.15 Uhr in der ARD übertragen.   

Interview: Jan Freitag

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