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Nachrichten Medien & TV Schlechte Noten für soziale Netzwerke
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22:33 25.03.2010
Online-Netzwerke wie Facebook, schülerVZ oder MySpace bergen auch Gefahren.
Online-Netzwerke wie Facebook, schülerVZ oder MySpace bergen auch Gefahren. Quelle: dpa
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Die großen US-Netzwerke kamen in der am Donnerstag veröffentlichten Studie beim Datenschutz am schlechtesten weg. „Facebook, Myspace und Linkedin schränken die Rechte der Nutzer ein, räumen sich selbst aber weitreichende eigene Rechte ein, vor allem die Weitergabe der privaten Daten an Dritte“, rügten die Tester. Sie hatten - wie auch der deutsche Anbieter Xing - eine Sicherheitsüberprüfung verweigert.

Die Gesamtbilanz: Alle getesteten sozialen Netzwerke haben Mängel beim Datenschutz und der Datensicherheit, bei acht von zehn sind es sogar „deutliche“ oder „erhebliche“ Mängel. Details finden sich in der April-Ausgabe der Zeitschrift „test“.

Chefredakteur Hubertus Primus nannte die Ergebnisse der Untersuchung bei zehn Online-Netzwerken sehr durchwachsen. Vor allem der Stand der Datensicherheit sei schlecht. Er halte Netzwerke für unverzichtbar, aber sie müssten Regeln einhalten. Diese seien mit überschaubaren Mitteln zu verbessern.

Die Mitarbeiter von Stiftung Warentest betätigten sich auch als „Hacker“ mit Einwilligung der Anbieter, um die Datensicherheit zu prüfen. Dabei waren „ausreichend“ für SchülerVZ und StudiVZ sowie für die Lokalisten noch die besten Noten. Jappy, wer-kennt-wen.de und Stayfriends kassierten sogar ein „mangelhaft“.

Die Tester stellten zudem fest, dass die beiden VZ-Netzwerke erhebliche Schwachstellen haben, wenn sie etwa mit einem Smartphone aus einen unverschlüsselten W-Lan-Netz heraus genutzt werden. Nutzername und Kennwort könnten von Unbegfugten problemlos mitgeschnitten werden, das jeweilige Profil im Internet könne dann manipuliert werden. Bei Jappy bemängelten die Tester die „Autologin-Funktion“. Mit ihr seien beliebig viele Login-Versuche möglich gewesen. Inzwischen habe Jappy diese Schwachstelle aber beseitigt.

„Kulturelle Unterschiede“ zu US-Anbietern

„Kulturelle Unterschiede“ machten die Tester beim Vergleich der deutschen mit den amerikanischen Anbietern insgesamt aus. Vor allem die Nutzungsrechte, die sich die amerikanischen Dienste einräumten, empörten sie. Facebook etwa handele nach dem Motto: Wir geben die Informationen unserer Nutzer an Dritte - etwa zu Werbezwecken - weiter, wenn wir der Auffassung sind, dass der Nutzer dies gestattet hat. „Das ist willkürlich und intransparent“, sagte der Bereichsleiter Untersuchungen, Holger Brackemann. Myspace erwarte von seinen Nutzern, dass diese ständig auf dem neuesten Stand der Datenschutzbestimmungen sind.

SchülerVZ und studiVZ sowie Jappy bekamen „sehr gut“ und Xing ein „gut“ für die Beachtung von Verfügungs- und Nutzerrechten. Ein besonderes Lob bekam SchülerVZ von den Testern dafür, dass es komplett auf Werbung verzichtet.

Laut Primus nutzt mittlerweile knapp ein Viertel der Deutschen regelmäßig ein soziales Online-Netzwerk. Bei den Jugendlichen liege der Anteil etwa drei Mal so hoch.

Appell an die Verantwortung der Nutzer

Zwar rufen die Experten von Stiftung Warentest auch nach gesetzlichen Maßnahmen, um den Schutz persönlicher Daten im Internet zu verbessern. Aber es sei sicher ein „schwieriges Geschäft“, das Recht des Einzelnen auf seine Daten bei ausländischen Anbietern auch durchzusetzen, räumte Primus ein. Deshalb sei die Verantwortung des Nutzers entscheidend. „Daten, die nicht in das Internet gestellt werden, können auch nicht zweckentfremdet werden“.

Brackemann rief die Schulen dazu auf, gezieltes Training und Aufklärung zu den Möglichkeiten und Risiken der Onlinedienste anzubieten. Er riet den Nutzern zudem, in bestimmten Fällen ein Pseudonym zu verwenden und sich immer mit den sogenannten Privacy-Einstellungen vertraut zu machen.

ap

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