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Medien & TV Schmidt hilft Maischberger aus der Sommerpause
Nachrichten Medien & TV Schmidt hilft Maischberger aus der Sommerpause
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08:15 08.08.2012
„Ich bin Außenseiter“: Helmut Schmidt erklärt Sandra Maischberger die Krise. Quelle: dpa
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Hannover

Ob Schmidt die Aufmerksamkeit hinsichtlich seiner Beziehung zu Ruth Loah überrascht? „Nein.“ Ob das Interesse des Boulevards ihn überfordert? „Nein, es hat meine Vorurteile gegenüber der Boulevardpresse bestätigt.“ Raucht sie? „Ja.“ Raucht sie genug? „Weiß nicht.“ Raucht sie so viel wie Sie? „Nein.“ Sind Sie glücklich? „Glücklich ist ein relativer Begriff. Ich würde zögern, da Ja zu sagen.“

Die Frage nach dem Alter – Loah ist 79, Schmidt 93 Jahre alt – habe sich nicht gestellt, erklärt Schmidt. „Es war eine quasi selbstverständliche Entwicklung.“ Man war aneinander gewöhnt, seit Jahrzehnten. Die Herangehensweise Maischbergers kanzelt der Altkanzler mit bekannt kurzen Antworten ab, wohlgesetzt. Kühl noch im Qualm.

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Gesprächig wird er erst,  als es dann doch um die großen politischen Zusammenhänge geht. Die Krise des Euro sei keine Euro-Krise, sondern eine Schuldenkrise, Folge jahrzehntelanger Sünden. Einen Ausweg werde wohl so schnell niemand wissen. Dass es Deutschland so gut gehe, „das muss nicht unbedingt so bleiben“, warnt der Mann, der das Kanzleramt vor fast genau dreißig Jahren verlassen hat und heute unangefochten das politisch-ökonomische Gewissen der Nation verkörpert.

Jemand, der Überblick über die „zwei Dutzend Probleme hat“, die das „Gesamtproblem“ ergäben, könnte helfen, vielleicht. Kanzlerin Angela Merkel habe Einblicke in Teile, aber das große Ganze, das sei ihr verborgen. Schmidt allerdings auch: „Ich bin ein alter Mann. Ich bin Außenseiter.“ Merkel attestiert er taktisches Geschick. Taktik sei nicht zu verachten. Aber: „Ich bin strategisch interessiert.“

Europa brauche überdies jemanden, der europäisch denkt. Merkel? Schmidt lässt kaum einen Zweifel daran, dass er eine Kanzlerin und einen Staatspräsidenten „aus der alten DDR“ dafür langfristig nicht als Lösung empfindet. Schmidt formuliert scharf wie eh und je, überlegt, und ohne Rücksichten. Ein Ausschluss Griechenlands? Mit dem Fehler Griechenland müsse man nun leben – „koste es, was es wolle. Obwohl, streichen Sie die Worte.“ Derzeit sänken die Geburtenraten, der Anteil der Europäer an der Weltbevölkerung verringere sich. Der Kontinent am Abgrund? „Manchmal, wenn ich Ihnen zuhöre, fühle ich mich wie eine aussterbende Art“, bilanziert Maischberger. Ob Schmidt Pessimist sei?  „Nicht pessimistisch. Ich bin skeptisch.“

Sebastian Scherer

07.08.2012
06.08.2012
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