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Medien & TV So funktionieren Kindernachrichten
Nachrichten Medien & TV So funktionieren Kindernachrichten
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00:17 29.10.2015
Nachrichten für ein junges Publikum: "logo!"-Kinderreporter Christian bei der Generalaudienz des Papstes auf dem Petersplatz in Rom. Quelle: Simone Klein
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Hannover

Terroranschläge, Krieg, Gewalt, Entführungen, Leid und Tod – wer sich Nachrichtensendungen ansieht, wird mit einer Vielzahl von Katastrophen- und Krisenmeldungen konfrontiert. Gerade Kinder sind wissbegierig und möchten an den Themen teilhaben, die die Erwachsenen beschäftigen.

Viele Eltern sind aber unsicher, wie viel dem Nachwuchs zugemutet werden kann, ob er überhaupt schon mit schwer verdaulichen Themen wie Krieg und Tod konfrontiert werden sollte und inwiefern gewisse Meldungen verstörend auf die Kleinen wirken.

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Auch Kinder nehmen die Realität wahr

Mediencoach und Medienpädagogin Kristin Langer erklärt: "Das, was in Nachrichten gezeigt wird, entspricht der Realität, die auch an Kindern nicht vorbeigeht. Spätestens ab der zweiten Klasse sind sie wissbegierig und fangen an, Fragen zu dem zu stellen, was sie aus Gesprächen unter Erwachsenen aufschnappen oder was beispielsweise in der Schule an sie herangetragen wird."

Allerdings seien Nachrichten, die in Wortwahl und Gestaltung für erwachsene Nutzer erstellt werden, für Kinder bis zum Alter von zehn Jahren nicht geeignet. "Wichtig ist vor allem, dass die Infos altersgerecht aufbereitet werden. Daher sind Kindernachrichtensendungen wie logo!, neuneinhalb, Minitz und Lilipuz sinnvoll."

"Bei Themen gibt es keine Tabus"

Markus Mörchen, verantwortlicher Redakteur von "logo!", weiß: "Was man nicht versteht, macht oft Angst." Daher sei es wichtig, dass auch schwierige Themen so behandelt werden, dass Kinder sie verstehen und mitreden könnten. Die Nachrichtensendung des ZDF im Kinderkanal (KiKa) wird täglich ausgestrahlt und bereitet tagesaktuelle Nachrichten kindgerecht auf.

Dabei werden ähnliche Themen behandelt, wie man sie auch in Nachrichtensendungen für Erwachsene findet – von komplexen Koalitionsverhandlungen bis hin zu traurigen Schicksalen. "Hinsichtlich der Themen gibt es bei uns keine Tabus", sagt Mörchen. So bestimmen der Krieg in Syrien und die aktuellen Flüchtlingsströme nicht nur Nachrichtensendungen wie "Tagesschau", "Tagesthemen" und "heute".

Schicksale der Flüchtlinge im Mittelpunkt

Auch "logo!" möchte seinem jungen Publikum das Thema verständlich vermitteln. Zu Beginn habe die Redaktion den Schwerpunkt der Berichterstattung dabei auf die Geschehnisse im Heimatland der Flüchtlinge gelegt. Die Kinder sollten verstehen, was die Ursachen sind und wie es der Bevölkerung geht.

Mittlerweile habe sich der Fokus allerdings verschoben. "Die Schicksale der Flüchtlinge rücken wesentlich stärker in den Mittelpunkt", sagt Mörchen. "Da wir nun die Möglichkeit haben, den Menschen aus den Krisenregionen eine Stimme zu geben, wird das Geschehen in ihren Heimatländern greifbarer."

Keine Bilder von Toten und Verletzten

Es sei generell wichtig, in den Beiträgen nur eine konkrete Frage aufzuwerfen. Außerdem müsse bei der Wortwahl darauf geachtet werden, eine Sprache zu verwenden, die Kinder verstehen. Auch bei der Auswahl an Bildern gibt es bei Kindernachrichtensendungen klare Vorschriften.

"logo!" verzichtet auf Bilder von Toten und Verletzten. Bei komplexen Themen wird auf Erklärungen im Comic-Stil gesetzt. Die Medienpädagogin Kristin Langer empfiehlt, die Kinder nie allein Nachrichten ansehen zu lassen. "Wenn der Nachwuchs verunsichert ist, etwas nicht versteht oder Fragen hat, können Eltern das sofort auffangen."

Von Katharina Ahlers

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