Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Sperrung von Seiten schreckt 80 Prozent der Pädophilen ab
Nachrichten Medien & TV Sperrung von Seiten schreckt 80 Prozent der Pädophilen ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:20 28.03.2009
Archivbild Quelle: Patrick Sinkel/ddp
Anzeige

„Nach unseren Erkenntnissen sind vier von fünf Menschen, die im Internet auf Kinderpornos zugreifen, Gelegenheits-Konsumenten. Die lassen sich durch ein Stopp-Schild abschrecken und geben ihr Vorhaben auf“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Ziercke verwies bei seiner Einschätzung zur Abschreckung der Gelegenheits-Konsumenten auf Erfahrungen in den Ländern, in denen Seiten bereits gesperrt würden. Daneben gebe es aber „einen harten Kern versierter Nutzer“, sagte Ziercke. Diesen 15 bis 20 Prozent der Pädophilen sei nur mit gezielten Ermittlungen beizukommen.

Anzeige

In Schweden, wo es bereits staatliche Blockaden von Pädophilen-Seiten gibt, fallen die Erfahrungen der Polizei allerdings ernüchtert aus. „Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern“, sagte der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström, dem „Focus“. Die Zahl der gesperrten Seiten habe sich seit der Einführung des Systems im Jahr 2005 auf 5000 erhöht. Zudem könnten Nutzer die Stopp-Seiten problemlos umgehen.

Die Bundesregierung will noch vor der Bundestagswahl im September ein Gesetz auf den Weg bringen, mit dessen Hilfe der Zugriff auf Pädophilen-Seiten im Internet blockiert werden soll. Das BKA soll dabei den Internet-Anbietern tagesaktuelle Sperrlisten liefern. Ziercke geht davon aus, „dass in jedem Fall 1000, möglicherweise auch bis zu 5000 Seiten mit kinderpornografischen Inhalten geblockt werden müssen“. Das unterliege je nach Angebot gewissen Schwankungen. „Es geht um hunderttausende Zugriffe, die jeden Tag verhindert und auf Stoppseiten umgeleitet werden sollen.“

Laut Ziercke kommen nicht nur die Konsumenten von Kinderpornografie, sondern auch die Täter des Missbrauchs zunehmend aus Deutschland. „Wenn wir Jahr für Jahr rund 13.000 Fälle von Kindesmissbrauch registrieren müssen, wird das erschreckende Ausmaß des Problems sehr deutlich.“ Was besonders alarmiere, „ist die deutliche Zunahme der Zahl missbrauchter Kleinstkinder“. Die Tendenz gehe eindeutig zu immer jüngeren Opfern. „Uns liegen Studien vor, wonach 40 Prozent von ihnen inzwischen jünger als sechs Jahre sind. Jedes fünfte gepeinigte Kind ist danach noch keine drei Jahre alt.“

afp