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09:28 09.12.2013
Macht der das auch richtig? Familie Gruber (v. l. n. r.: Sebastian Bezzel, Lisa Maria Potthoff, Monika Baumgartner, Jürgen Tonkel) sieht zu, wie der Arzt den toten Sepp untersucht. Quelle: ZDF
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 „Wie so eine wie du es geschafft hat, dass der Sepp sie geheiratet hat, wird mir immer ein Rätsel bleiben“, ätzt die Alte. „Kaum ein Pfennig Mitgift und zu vertrocknet zum Kinderkriegen.“ Tagaus, tagein muss sich Sofie die Sprüche auf dem Bauernhof anhören und wird von ihrem Mann schon mal als „greisliche Hutschn“ geschmäht, denn sie trägt lieber Gummistiefel als Stöckelschuhe. Bis sie eines Tages herausfindet, dass nicht sie selbst, sondern ihr Mann unfruchtbar ist und das seit Jahren verheimlicht.

Als sie ihn in einem heftigen Streit zur Rede stellt, fangen in der Provinzkomödie „Die Gruberin“ die Probleme erst richtig an. Denn Sepp betrinkt sich und liegt am nächsten Tag tot in der Scheune. Offensichtlich hat er sich versehentlich selbst mit der Flinte ins Jenseits befördert. Und obwohl Sofie jetzt ihre lieblose Ehe los ist, hat sie nun die erbarmungslose Sippe ihres Mannes am Hals.

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Völlig klar, dass die Familie Sepps vermeintlichen Selbstmord vertuschen muss – weil sie auf Zahlungen aus seiner Lebensversicherung hofft und das Gerede im Dorf fürchtet. Wie die Anverwandten unter Führung der resoluten Maria das anstellen, gehört zu den makabersten und lustigsten Szenen in Thomas Kronthalers deftiger Komödie.

Bitterböse und mit präzisem Blick auf die kleinen Bosheiten des Alltags ist „Die Gruberin“ eine Mischung aus Regionalkrimi, Posse und einer Studie über Mobbing. Die Story sei sicherlich „auf die Spitze getrieben“, sagt Sofie-Darstellerin Potthoff. „Aber auf dem Dorf entstehen sicher schneller Gerüchte, denen man aufgrund des engeren Kontaktes untereinander direkter ausgesetzt ist als in der Großstadt.“ Und die rustikale Komödiantin Monika Baumgartner, die die intrigante Altbäuerin spielt, sagt stolz zu dem Film: „Ich habe noch nie eine so alte, hässliche und böse Frau gespielt.“

Die brave Sofie beteiligt sich nicht an der Vertuschungsaktion, sieht sich aber schon bald heftigsten Anfeindungen der Familie ausgesetzt: Da sie die rechtmäßige Erbin des Hofs ist, fälschen Maria, Sepps Bruder Georg (Sebastian Bezzel) und die anderen Mitglieder des Gruber-Clans nicht nur kurzerhand das Testament, sondern setzen auch noch das Gerücht in Umlauf, die Sofie habe den Sepp eigenhändig erschossen. Es sieht nicht gut aus für die junge Witwe, doch sie wehrt sich – zur Überraschung der Familie.

Lebenspralle Komödien aus der bayerischen Provinz haben derzeit einen kleinen Lauf im deutschen Fernsehen. Ob die schräge Krimireihe „Hubert und Staller“, erst kürzlich der schaurig-schöne „Dampfnudelblues“ in der ARD oder die hintersinnigen Allgäu-Krimis mit Kultkommissar Kluftinger. Auch in der „Gruberin“ wird Dialekt gesprochen. Dafür sorgen gestandene bajuwarische Schauspieler wie Jürgen Tonkel, Stephan Zinner oder eben Baumgartner als bitterböse Alte. Dass die regionale Mundart es norddeutschen Zuschauern gelegentlich erschwert, dem Geschehen zu folgen, sollten die Macher künftig jedoch nicht außer Acht lassen.

„Die Gruberin“ | ZDF
Provinzkomödie mit Lisa Maria Potthoff.
Montag, 20.15 Uhr

Von Christof Bock und Martin Weber

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