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Medien & TV „Sportschau“ unter Druck
Nachrichten Medien & TV „Sportschau“ unter Druck
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20:49 02.04.2012
Von Patrick Hoffmann
500 Millionen Euro für ein Jahr: Wer Fußball zeigen will, muss tief in die Tasche greifen. Quelle: dpa
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Hannover

Am 17. April soll die Entscheidung fallen, welcher Interessent welche Rechte für die Spielzeiten 2013 bis 2017 erhält – und wer in die Röhre guckt. Der Ausgang gilt diesmal als völlig offen. Die DFL wollte sich am Montag auf Nachfrage weder über die möglichen Bewerber noch über deren Angebote äußern. Die „Sportschau“ nur noch im Internet? Livefußball auf dem Handy? Sicher ist: Auf die Fußballfans in Deutschland kommen Veränderungen zu.

36 Gewinner gibt es schon jetzt: Die Bundesligaklubs dürfen sich auf noch mehr Geld freuen. Die TV-Einnahmen dürften von aktuell 412 Millionen Euro auf mindestens 450 Millionen Euro pro Jahr steigen, vielleicht sogar auf bis zu 500 Millionen Euro. Wer ist noch im Spiel? Und wer plant was mit der Bundesliga? Ein Überblick: 

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DAS PLANT SKY: Der Münchener Bezahlsender, knapp zur Hälfte im Besitz von Rupert Murdoch, will die Pay-TV-Rechte unbedingt und geht dafür inzwischen sogar auf ungewohnten Kuschelkurs zur ARD: Von der jahrelangen Forderung, Zusammenfassungen der Sonnabendspiele erst nach 22 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen, sind die Sky-Verantwortlichen weit abgerückt. Im Gegenteil: Zuletzt hat sich der Sender sogar für den Erhalt der „Sportschau“ ausgesprochen. Kalkül? Die größte Konkurrenz von Sky und ARD kommt mittlerweile nämlich aus dem Internet. Und so hätten beide Sender vermutlich nichts gegen den Erhalt des Status quo.

DAS PLANT DIE TELEKOM: Die Pläne des rosa Riesen sind wechselhaft. Erst hieß es, man wolle die Liverechte erwerben und Fußball für jedermann bieten. Nun hat der Bonner Konzern offenbar eine Rolle rückwärts gemacht. Er will die Rechte nicht mehr für sich und sein Internetfernsehen „Entertain“ allein einkaufen, sondern als Wiederverkäufer auftreten. Denkbar wäre also, dass die Telekom die Bundesliga weiterhin in seinem „Entertain“-Angebot zeigt, die Satelliten- und Kabelrechte aber an Sky weiterveräußert und dafür möglicherweise sogar komplette Spiele produzieren lässt. Juristen haben allerdings Zweifel geäußert, ob die Telekom überhaupt mitbieten darf. Sie ist noch immer teilweise in Staatsbesitz und hat deshalb zahlreiche Medienwächter auf den Plan gerufen. Ein großes Problem: Kunden mit Kabelanschluss oder langsamer Internetverbindung können das „Entertain“-Programm der Telekom überhaupt nicht empfangen.

DAS PLANT DIE ARD: Das Erste will natürlich am aktuellen „Sportschau“-Modell festhalten und von spätestens 19 Uhr an die Zusammenfassungen der Sonnabendspiele zeigen. Alles andere würde vermutlich das Aus der traditionsreichen Sendung bedeuten. Momentan kostet das den Gebührenzahler rund 100 Millionen Euro im Jahr. Fraglich ist, ob die ARD bereit ist, auch für die Sonntagsspiele noch einmal tief in die Tasche zu greifen. Bislang werden deren Höhepunkte in den Dritten Programmen gezeigt, weil im Ersten zeitgleich Günther Jauch auf Sendung ist. Die DFL hingegen soll über die Präsentation der Sonntagsspiele nicht glücklich sein.

DAS PLANT SAT.1: Gibt es eine Rückkehr von „ran – Die Bundesligashow“? SAT.1 will den soeben erlittenen Verlust der Champions-League-Rechte an das ZDF offenbar dadurch wettmachen, dass die Münchener den Mainzern ihrerseits die Übertragungsrechte der Bundesliga für den Sonnabend nach 21.45 Uhr abluchsen. Bei „ran“ gäbe es dann als Erstes eine Zusammenfassung des Abendspiels im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen. Das „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF würde dann vermutlich noch tiefer in die Krise rutschen. Vorteil für den Fan: SAT.1 würde wahrscheinlich früher auf Sendung gehen als das ZDF, das erst um 23 Uhr – nach dem Krimi – startet. Auch der Sonntag ist offenbar ins Interesse der „ran“-Produzenten gerückt. Hier gibt es zwei Varianten.

Erste Variante: SAT.1 zeigt in Zukunft die Zusammenfassungen der beiden Sonntagsspiele und macht damit auch die DFL glücklich. 

Zweite Variante: SAT.1 erwirbt die Rechte für den Sonntagmorgen. Angeblich plant der Sender eine neue Fußball-Talkshow nach dem Vorbild des „Doppelpasses“ bei Sport1. Mit den entsprechenden Rechten könnte Johannes B. Kerner also über Abseits und Ablöse plaudern und zum Beleg dafür aktuelle Spielszenen einspielen lassen.

DAS PLANT(E) VODADFONE: Das überraschend angetretene Mobilfunkunternehmen hat sich aus dem Bieterverfahren zurückgezogen. Begründung von Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen: „Rechnen Sie doch mal: Eine dreistellige Millionensumme für das Liveübertragungsrecht verteilt auf ein, zwei oder drei Millionen Pay-TV-Kunden – als Ergebnis sehen Sie tiefrote Zahlen.“

DAS PLANEN YAHOO & CO.: Yahoo, Google und Springer (Bild.de) gelten als heißeste Kandidaten bei der Vergabe der Onlinerechte. Die Situation ist hier aber besonders kompliziert: Die DFL hat in der Ausschreibung zwei Varianten ins Spiel gebracht und will sich erst in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie sich für das Modell „Klassik“ oder das Modell „Neue Medien“ entscheidet. Das Modell „Klassik“ beinhaltet eine Zusammenfassung der Sonnabendspiele im frei empfangbaren Fernsehen nach 19 Uhr. Beim Modell „Neue Medien“ wären die Höhepunkte am Sonnabend zunächst im Internet und erst nach 21.45 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen. Die DFL findet beide Szenarien denkbar, die Sponsoren der Bundesligisten haben sich dagegen bereits mehrheitlich für den Erhalt der ARD-„Sportschau“ ausgesprochen. Sie fürchten, im Internet an Reichweite zu verlieren.