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Medien & TV Stefan Raab und Anke Engelke sollen Eurovision Song Contest moderieren
Nachrichten Medien & TV Stefan Raab und Anke Engelke sollen Eurovision Song Contest moderieren
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21:19 28.11.2010
Stefan Raab und Anke Engelke im März in der Jury der PRO7-Show „Unser Star für Oslo“. Quelle: dpa
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Keine Stunde war Lenas Sieg in Oslo alt, da geisterte bereits ein Name durch die norwegische Nacht: Es gebe überhaupt nur einen, befand die Grand-Prix-Gemeinde, der den Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland moderieren könne: Hape Kerkeling. Seine Freude am falschen Pathos und schrillen Pomp dieses paneuropäischen Lichterfestes hat Kerkeling unter anderem mit der genialen Parodie eines finnischen Grand-Prix-Knödlers unter Beweis gestellt („Bitte! Es ist auch ein Stück weit Kunst, was wir hier oben machen!“) – nun aber kommt alles ganz anders: Nicht Kerkeling, der Wahl-Düsseldorfer seit zwei Jahrzehnten, sondern Stefan Raab und Anke Engelke sollen den Wettbewerb im Mai 2011 in Düsseldorf moderieren.

Das Duo steht offenbar ganz oben auf der Wunschliste des federführenden NDR. Die endgültige Entscheidung soll auf der Sitzung der ARD-Intendanten in Berlin fallen, die heute beginnt. Es ist aber zu erwarten, dass sich der NDR und die Produktionsfirma Brainpool, kreative Heimat des Duos, durchsetzen. Nicht zuletzt durch den Deutschen Fernsehpreis für die erfolgreiche und allseits gerühmte „Unser Star für Oslo“-Kooperation mit PRO7 hat der NDR im Senderverbund Oberwasser.

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Raab und Engelke also, die beiden Comedy-Aushängeschilder von SAT.1 und PRO7. Damit vertraut die ARD auf Fremdpersonal und verzichtet darauf, einen öffentlich-rechtlichen Star an die Rampe zu schicken. Mancher hatte auf WDR-Radiofrau Sabine Heinrich an der Seite von Kerkeling getippt, auch Barbara Schöneberger oder Michelle Hunziker standen hoch im Kurs. Ein Armutszeugnis für die ARD? Kaum. Eher eine neue Zündstufe in Sachen fließender Sendergrenzen im Dienste der nationalen Aufgabe.

Man hätte wetten können, dass sich Raab die Nummer nicht nehmen lässt. Aber es ist eine gute Wahl. Beide sind erfahrene Entertainer. Beide haben den Ehrgeiz, eine originelle, unplüschige, überraschende Show zu bieten, auch wenn Grand-Prix-Moderatoren zumeist wenig kreativen Spielraum haben. Die polyglotte Engelke, geboren in Montreal, spricht dank ihrer kanadischen Wurzeln fließend französisch, und auch Raab kann – wenn er will – Charme versprühen und hat ja noch sechs Monate Zeit, sein rumpeliges Englisch ein bisschen aufzupolieren. Darüber hinaus ist er spätestens seit seinem fünften Platz im Jahr 2000 in Stockholm eine feste Größe im Grand-Prix-Zirkus und der einzige legitime Nachfolger von Ralph Siegel.

Offiziell will man sich in Hamburg vor dem Votum der Chefs nicht äußern. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, sagte NDR-Sprecher Martin Gartzke. Es ist aber bereits durchgesickert, dass Raab und Engelke auch die beiden Halbfinals moderieren sollen. Darüber hinaus plant das Erste in der Woche vor dem Contest ein tägliches Magazin am Vorabend, in dem „Stefan Raab und Lena eine große Rolle spielen sollen“, wie es heißt. Die Extra-Show soll die täglichen „tv total“-Sendungen bei PRO7 nicht ersetzen.

Damit nimmt das Programm rund um den Song Contest allmählich Konturen an. So gut wie sicher ist bereits, dass Lena in drei Auswahlshows (1., 8. und 18. Februar) zwölf Songs präsentiert, aus denen das Publikum das „Lied für Düsseldorf“ wählt. Chef der Jury ist Raab, der – falls eine seiner Kompositionen das Rennen macht – somit in doppelter Funktion in Düsseldorf aktiv wäre. Der Albtraum der Song-Contest-Fans ist damit jedenfalls vom Tisch: Reinhold Beckmann und Sonya Kraus.

Imre Grimm

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