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Medien & TV „Das Haar übernimmt das Spiel“
Nachrichten Medien & TV „Das Haar übernimmt das Spiel“
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13:14 11.11.2014
Foto: Dieser Blick! Das kann nur Steven Van Zandt.
Dieser Blick! Das kann nur Steven Van Zandt.  Quelle: dpa
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Mr. Van Zandt, was muss ein Schauspieler seinem Mafioso mitgeben, um glaubhaft zu sein?
Gut sitzende, aber zu weite Anzüge gehören unbedingt dazu. Dann diese fantastischen Frisuren mit viel Brillantine. Überhaupt sollte der Stil sehr an die vierziger bis fünfziger Jahre erinnern.

Das sind Äußerlichkeiten. Wie ist es mit dem Habitus?
Ach, wenn man sich so kleidet, kommt der fast von allein.

Etwa auch Ihr berühmter böser Blick mit gesenktem Kinn und vorgeschobener Unterlippe?
Ich musste den nicht stundenlang vorm Spiegel üben, aber ich folge da schon einem Bedürfnis, mich so umfassend wie möglich von meiner Rolle zu unterscheiden. Und die wiederum vom Hippie-Gitarristen Little Steven, der ich im restlichen Leben an der Seite von Bruce Springsteen bin.

Liegt das Authentische vielleicht auch in Ihren italo-amerikanischen Genen begründet?
Oh, mit solchen Aussagen wäre ich jetzt aber sehr vorsichtig. Manche Menschen mit diesen Genen könnten das als extrem beleidigend empfinden. Nein, mein Training war wohl eher ein lebenslanges Interesse für die Mafia. Ich habe alle Filme gesehen, jedes Buch verschlungen. Mafiosifilme haben den Western als Genre der Gesetzlosen abgelöst. Es geht da viel um die Sehnsucht, sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen – egal, mit welchen Mitteln. Dieses Gefühl habe ich verinnerlicht für meine Rollen.

Eine Schauspielschule haben Sie dafür nicht besucht.
Meine Schauspielschule war New Jersey, da ist man ständig von Mafiosi umgeben – zumindest welchen, die es gern wären. Die wichtigste Fähigkeit eines Schauspielers ist seine Vorstellungskraft, und davon hab ich eine Menge. Wenn ich mir wirklich vorstelle, eine andere Person sein zu wollen, kann ich sie förmlich im Spiegel sehen.

Was sagt denn Bruce Springsteen zu ihrer Nebenkarriere vor der Kamera?
Er ist voll auf meiner Seite und zudem ein großer Fan der „Sopranos“. Aber beide Arbeiten haben sich auch nie so sehr überlappt, dass eine unter der anderen gelitten hätte. Wegen „Lilyhammer“ habe ich gerade mal zwei Monate einer zweijährigen Tour verpasst. Und ehrlich: Die kommen auch mal ohne ihren TV-Mafioso klar.

Mögen Sie einen Ihrer beiden Mafiosi lieber als den anderen?
Nein, dafür sind die beiden Männertypen einfach viel zu verschieden. „Lilyhammer“ fühlt sich leichter an als die „Sopranos“. Zumal es weit weniger Gewalt gibt, die wird in Norwegen nicht so gern gesehen. Viel haben die zwei Figuren also nicht gemeinsam.

Was sie eint, ist diese unglaubliche Frisur.
Wahnsinn, oder? Das Haar übernimmt das Schauspielen, wir machen den Rest.

Interview: Jan Freitag

Zur Person

Steven Van Zandt (64) spielt eigentlich Gitarre in Bruce Springsteens E Street Band. 1999 aber wurde er von der Bühne für „Die Sopranos“ gecastet und ist seither der TV-Mafioso vom Dienst – aktuell auch in der Erfolgsserie „Lilyhammer“, die bei arte zum Straßenfeger avancierte. Zandt flieht darin vor seinem Paten. Für die preisgekrönte Geschichte vom Ostküsten-Verbrecher in der verschneiten Provinz Norwegens schreibt das Multitalent nicht nur am Drehbuch mit, sondern entwirft auch die Kostüme und sorgt für den Soundtrack. Die Serie „Lilyhammer“ läuft immer donnerstags in Doppelfolgen ab 20.15 Uhr bei arte. 

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