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Medien & TV „DSDS“ brechen die Zuschauer weg
Nachrichten Medien & TV „DSDS“ brechen die Zuschauer weg
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16:48 29.04.2014
Die Finalisten der elften Staffel: Aneta Sablik (l), Daniel Ceylan und Meltem Acikgöz (r).
Die Finalisten der elften Staffel: Aneta Sablik (l), Daniel Ceylan und Meltem Acikgöz (r). Quelle: dpa
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Berlin

Satte 500 000 Euro und ein Plattenvertrag mit dem Musikkonzern Universal: Der Sieger des RTL-Dauerspektakels „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) sahnt nach dem Finale ab. Dafür bekommt er einige Monate lang ein enges Korsett aus Proben, Videodrehs und Talk-Terminen verpasst. Das war es dann vermutlich aber auch schon, denn von dem kurzen Ruhm im TV ist bei den meisten Kandidaten in der fast zwölf Jahre währenden DSDS-Geschichte nichts übrig geblieben als ein volles Fotoalbum und zerplatzte Hoffnungen, denn einen festen Fuß in der Pop- oder Schlagerbranche hat kaum einer langfristig gefasst - abgesehen von Sieger Nummer eins, Alexander Klaws (30), der immer noch im Musicalgeschäft präsent ist.

An diesem Samstag (20.15 Uhr) steht das 11. Finale in Köln an und noch nie war das Interesse des deutschen Fernsehpublikums nach Millionen Zuschauern gemessen geringer am Gesangswettbewerb DSDS als 2014. 4,09 Millionen Zuschauer schalteten im Durchschnitt jede der bisher 18 Folgen an. Die bittere Erkenntnis für RTL ist dabei, dass nach recht gutem Abschneiden in den vorproduzierten Castingsendungen im Februar die aufwendigen Liveshows im März und April ins öffentliche Abseits gerieten. Besonders schwach war die Karsamstag-Ausgabe mit 2,86 Millionen Zuschauern. Allerdings: Die Online-Abrufe stiegen pro Folge auf Werte von rund 100 000 an. Auch nicht schlecht.

Bohlen bleibt unantastbar

Dass nicht mehr genügend geredet wird über eine Fernsehshow, ist die Höchststrafe. Da nützt auch der parallele Trommelwirbel der Boulevardpresse nicht viel. Und der war beachtlich. Nach dem Halbfinale am vergangenen Wochenende warf die „Bild“-Zeitung einen Blick auf die kommende Staffel des Wettstreits und prognostizierte, dass Jury-Mitglied Mieze Katz den Platz frei machen muss, Marianne Rosenberg eine Wackelkandidatin ist, Rapper Kay One aber bleiben darf. Der „Poptitan“ Dieter Bohlen, inzwischen schon 60, bleibt natürlich auch, denn sonst gäbe es künftig wohl kaum noch DSDS. Der Sender verwies die Personalgerüchte ins Reich der Spekulationen.

Von Mobbing innerhalb der Jury war ferner die Rede, Kandidat Richard habe seine Miete nicht mehr bezahlen können und Aneta streite sich mit ihrer Mutter - alles Themen, die die Klatschspalten füllten, aber die die öffentliche Wahrnehmung auch nicht nachhaltig zugunsten von DSDS beeinflussen konnten. Es fehlt der Show der Drive, das Zeug zum Gossip. Trotzdem zeigt RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann der Gleichgültigkeit die Stirn. In der Fachzeitschrift „Werben & Verkaufen“ kündigte er für das nächste Jahr die 12. Staffel an. „Wir sehen, dass die vorproduzierten Casting-Folgen besser abschneiden als die Live-Shows, die gerade zu sehen sind“, sagte er. „Deshalb werden wir abwägen und in neuen Staffeln eventuell andere Schwerpunkte setzen.“

Und auch Unterhaltungschef Tom Sänger musste einräumen: „Den frischen Wind der Castings und des Recalls konnten wir nicht zu 100 Prozent in die kurze Phase der Liveshows übernehmen, teilte er der Nachrichtenagentur dpa mit. Liveshows würden sich immer stark von aufgezeichneten Sendungen unterscheiden: Dramaturgie, Bilder, Dichte der Geschichten, Soap-Faktor seien geschnitten viel leichter herzustellen als live. Sänger: „Live hat zwar einen größeren positiven „Druck“, aber die Zuschauer wollen völlig zu recht einfach gutes Fernsehen - und das ist in manchen Formaten live einfach schwieriger zu machen.“ Aber, so Sänger, auch die Liveshows seien meist Marktführer in der jungen Zielgruppe gewesen.

Auch wenn es 2015 eine Zukunft für das ausgefranste Thema Musik-Casting gibt: Der Gegenwind für DSDS dürfte härter werden, denn Geschäftsführer Hoffmann betonte im „Werben & Verkaufen“-Interview fast in einem Atemzug, dass bereits in diesem Jahr neue Shows ausprobiert würden - wie zum Beispiel die multimediale Castingshow „Rising Star“ oder „Adam sucht Eva“, eine Datingshow, in der sich die Kandidaten nackt kennenlernen. Meltem Acikgöz (24), Daniel Ceylan (28) und Aneta Sablik (25) dürfte dies nicht kümmern: Sie kämpfen am Samstag um den „Superstar 2014“ mit der Hoffnung auf ewigen Ruhm.

Von Carsten Rave

29.04.2014
27.04.2014