Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Medien & TV Das letzte Lächeln
Nachrichten Medien & TV Das letzte Lächeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:05 04.11.2013
Von Nicola Zellmer
Foto: Ermittlungen im Rotlichtmilieu: Bruno van Leeuwen (Peter Haber) und Julika Tambur (Jasmin Gerat) befragen die Prostituierte Sherry (Christina Hecke).
Ermittlungen im Rotlichtmilieu: Bruno van Leeuwen (Peter Haber) und Julika Tambur (Jasmin Gerat) befragen die Prostituierte Sherry (Christina Hecke). Quelle: ZDF
Anzeige

Dunkel und melancholisch ist Amsterdam – zumindest in den Augen von Regisseur Matti Geschonneck. In seinem ZDF-Krimi „Totenengel“ (heute, 20.15 Uhr) fügen sich die pittoresken Fußgängerbrücken und die windgeschüttelten Bäume ebenso organisch ins Stadtbild wie das Rotlichtviertel. Ein guter Ort für Verbrechen. Das hätte auch der Mann mit der Aktentasche ahnen können, der abends durch die schmalen Gassen streift, vorbei an den Dirnen in ihren rot erleuchteten Fenstern. Kurze Zeit später liegt er tot am Boden – erstickt mit einer Plastiktüte. „Man könnte denken, er schläft“, sagt Commissaris Bruno van Leeuwen (Peter Haber), der selbst weit davon entfernt ist, zur Ruhe zu kommen. Seit seine an Alzheimer erkrankte Frau Simone gestorben ist, findet der Polizist kaum Schlaf und streift stattdessen nachts durch die Straßen.

Der Tote stellt sich als Gerrit Suicker (Matthias Matschke) heraus, ein Lehrer, dessen Frau seit der erfolglosen Operation ihres Hirntumors im Koma liegt. Suicker, der im Moment des Todes so sanft zu lächeln scheint, als hätte ihm jemand einen Gefallen getan, habe befürchtet, dass jemand seine Frau umbringen will, erfährt van Leeuwen. Doch was bringt ihm diese Information? Läuft ein Mörder durch die Klinik, oder sind die Ärzte selbst verdächtig? Und wie passt der abweisende Neurologe van der Meer (Christian Berkel) ins Bild? Außerdem ist da dann auch noch Herr Wu, der sich der Polizei gestellt hat. Zheng Wu (Wijian Liu) sitzt im Rollstuhl, dennoch will er seinen Bruder ermordet haben – mehr ist jedoch nicht aus ihm herauszukriegen.

Dichte, düstere Atmosphäre

Auch „Totenengel“ (Buch: Jörg von Schlebrügge und Magnus Vattrodt nach dem gleichnamigen Roman von Claus Cornelius Fischer), der erste Fall nach dem Ritualmordkrimi „Eine Frau verschwindet“ von 2012, gibt van Leeuwen viele Rätsel auf. Als ausgewiesener Genreexperte baut Regisseur Geschonneck gekonnt Spannung auf, führt die einzelnen Handlungsstränge nur langsam zusammen. Dazwischen bleibt Zeit für lange, intensive Blicke auf die nächtliche Heimatstadt des Kommissars. Da gibt es keine Hektik, keine schnellen Schnitte und auch keine schnellen Schritte – nur die dichte, etwas düstere Atmosphäre an den Wassern der Kanäle. Und im Radio läuft immer wieder die Sendung „Davids Nacht“, ein Sammelbecken für die Einsamen und Verzweifelten, die sich zumindest vom Moderator verstanden fühlen.

TV-Tipp:

„Totenengel – Van Leeuwens zweiter Fall“

TV-Krimi nach Claus Cornelius Fischer

Montag, 20.15 Uhr, ZDF

5 von 5 Sternen - ein Fernsehereignis

Die Nacht ist auch die Zeit van Leeuwens, der von dem als Darsteller des schwedischen Kommissars Beck bekannten Schauspieler Peter Haber überzeugend verkörpert wird. Haber spielt van Leeuwen weniger offen, weniger freundlich als den Schweden Beck. Bisweilen wirkt der Commissaris verwirrt und abwesend. Doch unter dem zauseligen Haar verbirgt sich ein scharfer Verstand. Und genau wie Beck scheut auch der holländische Kommissar nicht die Nähe der Menschen. Herrn Wu lässt er ebenso an sich heran wie die Prostituierte Sherry (Christina Hecke) – und sie verraten ihm mehr als allen anderen. Besonders die ausgefeilten Charaktere und die dichten Bilder machen „Totenengel“ überaus sehenswert.

Ein Vergleich mit ähnlichen Fällen schließlich bringt den Commissaris und seine Kollegen um Julika Tambur (Jasmin Gerat) und Polizeipsychologin Feline Menardi (Katja Riemann) auf die richtige Spur. Nach und nach enthüllen die Amsterdamer Polizisten die Wahrheit über den „Totenengel“: eine ungeheuerliche Geschichte, die weit in die Vergangenheit zurückreicht. Und sie finden den Täter, dessen ebenso spezielle wie grausame Logik in seiner Kindheit wurzelt. Spannungsgeladen bis zum Finale.

Medien & TV Werbung mit Product Placement - „Wer war der Hauptdarsteller?“
02.11.2013
Medien & TV Erfurt–„Tatort“ in der ARD - Jugend? Krass!
05.11.2013